Gertjan Verbeek wird in Nürnberg einen Vertrag bis 2016 unterschreiben © getty

Gertjan Verbeek wird der neue Trainer des 1. FC Nürnberg. Er steht für attraktiven Fußball, gilt aber auch als sehr stur.

Von Martin Hoffmann und Christian Ortlepp

München - Er steht für attraktiven Fußball. Er steht für Autorität, bisweilen für Sturheit. Und er ist schon rein optisch eine überaus einprägsame Erscheinung.

Gertjan Verbeek wird neuer Trainer beim 1. FC Nürnberg. Der hat sich damit einen hierzulande zwar eher unbekannten Coach geangelt. Aber einen, der die Liga bereichern dürfte.

Der Niederländer wird am Dienstag vorgestellt, soll einen bis Sommer 2016 laufenden Vertrag unterschreiben und anschließend sein erstes Training am Valznerweiher leiten.

Bader bestätigt Verhandlungen

Bereits am Montagabend bestätigte Martin Bader die Verhandlungen. "Wir haben abschließende Gespräche mit Verbeek geführt", sagte der Sportdirektor der Franken dem Nachrichtensender "Sky Sport News HD" und dem "Bayerischen Rundfunk". Es bestehe eine "beidseitige Bereitschaft".

Er wird Nachfolger des entlassenen Michael Wiesinger - während dem vorherigen Top-Kandidaten Marcel Koller offenbar seine Zögerlichkeit zum Verhängnis geworden ist.

Modern, flexibel, offensiv

Stattdessen nun Verbeek, der mit ähnlichen Referenzen in die Bundesliga kommt wie der frühere Bayern-Trainer Louis van Gaal.

Wie van Gaal hat sich der 51-Jährige mit seiner erfolgreichen Arbeit beim Erstligisten AZ Alkmaar für das Bundesliga-Engagement empfohlen.

Dass Verbeek bisher noch nicht in der Bundesliga tätig war, spricht aus Sicht des Sportvorstandes nicht gegen ihn. Verbeek kenne die Liga sehr gut, unterstrich Bader.

"Ich glaube, dass das kein Nachteil sein muss, nicht in der Bundesliga gearbeitet zu haben, wenn man die grundsätzlichen Fähigkeiten mitbringt", sagte er.

Verbeek führte Alkmaar zwischen 2010 und 2013 dreimal hintereinander ins internationale Geschäft und zu einem Pokalsieg, begeisterte Fans mit modernem, flexiblen Offensivfußball, der auf van Gaals Spielidee aufbaute und sie in Teilen weiterentwickelte.

Entlassen nach einem Sieg

Wie van Gaal gilt Verbeek aber nicht nur als hochkompetent, sondern auch als autoritär bis hin zur Starrköpfigkeit.

Es war keine sportliche Krise, die ihn vor weniger als einem Monate den Job bei Alkmaar kostete, es war zum Schluss ein "Mangel an Chemie" mit denen eigenen Spielern, wegen dem Alkmaar seinen Trainer feuerte - nach einem 2:1-Sieg gegen den Tabellenführer PSV Eindhoven.

Unter ähnlichen Umständen war der Trainer vier Jahre zuvor auch bei Feyenoord Rotterdam entlassen worden. In seiner seit zwölfjährigen Karriere als Chefcoach stande der frühere Verteidiger Verbeek zudem bei Heracles Almelo (2001-2004, 2009-2010) und dem SC Heerenveen (2004-2008) an der Seitenlinie, den Teams, bei denen er auch als Spieler aktiv war.

In die internationalen Schlagzeilen brachte Verbeek vor zwei Jahren ein Zwischenfall mit einem Platzstürmer, der Alkmaars Torhüter Esteban während eines Pokalspiels attackierte - und dafür selbst Prügel vom costaricanischen Keeper abbekam. Der Trainer beorderte seine Mannschaft vom Feld, weil er um ihre Sicherheit fürchtete.

Koller jetzt Hitzfeld-Nachfolger?

Der österreichische Nationaltrainer Marcel Koller bleibt durch das Engagement Verbeeks in Nürnberg außen vor.

Nürnberg hatte ihm eine Deadline bis Sonntag gesetzt, sich für den Club zu entscheiden.

Der Schweizer ließ sie offensichtlich verstreichen und ist jetzt in seiner Heimat als Nachfolger für Nati-Coach Ottmar Hitzfeld nach der WM 2014 im Gespräch.

Zu Koller, der als Top-Kandidat gegolten hatte, äußerte sich Bader nur ausweichend. "Wir haben uns für Gertjan Verbeek entschieden und nicht gegen einen anderen", sagte er.

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