Mario Götze (l.) wechselte vor der Saison aus Dortmund nach München © imago

Bayerns Zugang will seinen Formanstieg bestätigen. Die vorherige Leidenszeit beschäftigt den 37-Millionen-Mann aber immer noch.

Von Mathias Frohnapfel

München - Mario Götze hätte es sich leicht machen können an diesem goldenen Herbstsonntag in München.

Nach dem Training hätte er mit seiner Freundin irgendwo in Richtung Münchner Umland verschwinden können. Stecker raus. Entspannen statt Starrummel.

Stattdessen machte Götze Sonderschichten. Mit Bayern-Ersatzkeeper Tom Starke im Tor übte er Freistöße auf einem Nebenplatz. So, als ob schon das nächste Kunststückchen in Vorbereitung wäre.

Und dann gab der Präzisionstechniker noch ein langes Interview, allerdings keinem unabhängigen Medium, sondern der klubeigenen Homepage. Die wartenden Reporter hatte Götze tags zuvor nach dem 4:1 gegen Mainz 05 (Nachbericht) noch umdribbelt - trotz seines bärenstarken Jokerauftritts (794646Bilder des Spiels).

Lieber kein Wort zuviel

Auf Nachfrage legte der junge Mann den Finger auf den Mund.

Der Nationalspieler sprach also lieber im geschützten Raum - was auch damit zu tun haben mag, dass er sich seit seinem Wechsel nach München mehr als einmal missverstanden fühlte.

Als Götze sich vor einiger Zeit auf Facebook vertippte, statt von "Kapitel" von "Kapital" sprach, folgte ein Shitstorm der heftigeren Sorte.

37 Millionen Euro war es dem FC Bayern wert, Mario Götze dem Erzrivalen Borussia Dortmund zu entreißen. Eine Summe, die quasi einen Rechtfertigungszwang ausübt.

"Wollte mich sofort beweisen"

"Ich bin verletzt hierher gewechselt, konnte nicht direkt trainieren, nicht spielen. Dabei wollte ich mich eigentlich sofort beweisen", berichtete der 21-Jährige nun:

"Aber es ging nicht. Das war schwierig. Trotzdem bin ich immer positiv geblieben und überzeugt davon, dass mich diese Phase noch stärker gemacht hat. Ich habe viel über mich persönlich gelernt. Jetzt möchte ich einfach nur Fußball spielen und gesund bleiben."

Genau das war zuletzt das große Thema beim raketenhaften Aufstieg des Sohns eines Dortmunder Datentechnik-Professors. Kaum genesen foulte ihn Chelseas Ramires im Supercup so heftig, dass er erneut wochenlang ausfiel.

Als "sehr, sehr ungünstig" ordnet Götze den Zeitpunkt der Verletzung ein, gerade war er ja Ende August nach seinem Muskelbündelriss wieder fit geworden.

Erneut musste er abseits vom Team seine Reha durchziehen, die Tricks im Training, der Flachs danach fehlten ihm. Und dennoch sieht er sich in der Mannschaft bereits gut integriert.

David Alaba, Jerome Boateng und Toni Kroos heißen die Kollegen, mit denen der Mittelfeld-Wirbler die meiste Zeit verbringt.

In der WG mit Bruder Fabian

Außerhalb des Trainings geht Götze aber am liebsten eigene Wege, das war auch schon in Dortmund so. Offen spricht er darüber, wie er sich mit seinem großen Bruder Fabian in München eine WG eingerichtet hat:

"Wir verstehen uns bestens. Es war von vornherein klar, dass wir zusammenziehen, wenn wir beide nach München gehen."

Natürlich ist Götze öfter mal Kiebitz, wenn sein Bruder bei der SpVgg Unterhaching spielt. Dabei hat der Star dann gerne ein Cap auf, sein Prominententatus schränke ihn nur etwas ein, wie er verrät.

Als "ganz normal" empfindet er es, in München mal angesprochen zu werden - ebenso normal mutet ihm wohl mittlerweile auch der Konkurrenzkampf beim Triplesieger an.

"Ich bin sehr flexibel"

Gewappnet sieht er sich für den Ausleseprozess a la Pep Guardiola sowieso.

Gegen Mainz agierte er erst als Zehner, später dann als verkappter Stürmer im Zentrum.

"Die Position ist mir relativ egal: Ich kann außen im Mittelfeld spielen, als Achter, als Zehner oder auch vorne drin. Da bin ich glücklicherweise sehr flexibel", erklärte er.

Die Bayern genossen Götzes erste Gala, am Samstag war er an der Entstehung der ersten drei Tore beteiligt. Zumal sich die Entscheidung von Guardiola und Sportvorstand Matthias Sammer, Götze zur Nationalelf gehen zu lassen, als goldrichtig erwiesen haben.

Das Image des einstigen Dortmunder Lieblings hat seit dem Wechsel nach München gelitten.

Jetzt will Götze ein Versprechen einlösen. Ein Versprechen auf goldene Momente, auf Finten zum Zungeschnalzen.

Startelf-Einsatz gegen Pilsen?

"Die Minuten mit der Nationalelf und jetzt gegen Mainz haben richtig gut getan", sagte das Supertalent: "Je mehr ich spiele, desto fitter werde ich."

Guardiola wird ihm die Chance dazu geben, schon beim Champions-League-Match gegen den großen Außenseiter Viktoria Pilsen (Mi., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) könnte Götze in der Startelf stehen.

Ein paar zusätzliche Trainingseinheiten könnten bis dahin nicht schaden.

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