Maxi Beister (l.) trägt mit Tor und Vorlage zum 3:3 gegen Stuttgart bei © getty

Ein Dreier gelingt dem HSV gegen Stuttgart nicht, aber der Trainer sieht Fußball "wie ich ihn möchte". Bobic rügt Sünder Rüdiger.

Hamburg - Restlos glücklich hat den Boss sein Einstand in der heimischen Arena nicht gemacht.

Nach dem Offensiv-Spektakel mit einem halben Dutzend Toren fehlten Bert van Marwijk zwar zwei Punkte zum Glück, doch der neue Trainer des Hamburger SV war trotzdem fast so begeistert wie die Fans.

"Wir haben uns wieder gesteigert und so Fußball gespielt, wie ich es möchte. Es waren ein paar unglaublich schöne Angriffe dabei, das freut mich", sagte der Niederländer nach dem 3:3 gegen den VfB Stuttgart (Bericht) bei "Sky".

"Super Spiel für die Fans"

Ein wenig dämpften jedoch die Gegentore die Freude des Niederländers. "Wir haben hinten ein bisschen Pech gehabt", meinte der ehemalige Bondscoach und gab zu: "Natürlich gewinne ich lieber."

So konnte auch van Maarwijk die Heimblockade des Bundesliga-Dinos noch nicht lösen - abgesehen von dem 4:0 gegen Aufsteiger Braunschweig stehen nur ein Punkt und zehn Gegentore aus drei Partien zu Buche. (794646Bilder des Spiels)

"Es war ein super Spiel für die Fans, aber wir brauchen die Punkte", stellte Kapitän Rafael van der Vaart, der mit dem 3:3 in der 67. Minute das Torfestival beendet hatte, fest - und Unzufriedenheit schwang mit.

Defensive macht Sorgen

Der HSV - mit nun fünf Punkten aus drei Spielen unter dem neuen Trainer - verpasste den Sprung aus dem Tabellenkeller. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Allerdings sieht der Mittelfeldstar unter seinem Landsmann deutliche Fortschritte: "Wie wir in den letzten Spielen auftreten, gefällt mir sehr gut. Wir haben Moral gezeigt."

Drei Zähler Vorsprung auf Rang 16 sind dennoch alles andere als ein Ruhekissen. Die schwächste Abwehr der Liga untermauerte ihren Ruf vor allem durch Not-Rechtsverteidiger Heiko Westermann, der sich von Stuttgarts Ibrahima Traore oftmals vernaschen ließ.

Lasogga schwärmt vom Trainer

Der größte Verdienst van Marwijks in seiner noch recht kurzen Ära ist jedoch die positive Grundstimmung, die er recht schnell im Kader und im Umfeld erzeugt hat.

Negativerlebnisse wie der dreimalige Rückstand werfen Spieler und Fans nicht mehr sofort aus der Bahn. Das Publikum stand gegen Stuttgart über 90 Minuten hinter der Mannschaft.

"Der Trainer hat einen Riesenanteil an der Serie und schenkt uns das Vertrauen. Dass wir trotz Rückschlägen wieder aufstehen, war in der Vergangenheit nicht so. Die Moral haben wir jetzt. Wir haben jetzt Typen in der Mannschaft, die nie aufgeben", zog Torjäger Pierre-Michel Lasogga ungewollt einen Vergleich zu desaströsen Saisonstart unter Thorsten Fink.

Verrücktes Scheibenschießen

Gegen den VfB holten die Hamburger dreimal einen Rückstand auf: Van Marwijk hatte kaum Platz genommen, da brachte Alexandru Maxim die Gäste nach einem Doppelpass mit der Sturmspitze Vedad Ibisevic vor 53.167 Zuschauern in Führung (3.).

In der 22. Minute schlug der Stürmer der Stunde zurück: Pierre-Michel Lasogga wurde von Tolgay Arslan freigespielt und schoss den Ball aus kurzer Distanz unter die Latte.

Doch Christian Gentner (37.) konterte den HSV-Ausgleich per Kopf nach einem Maxim-Freistoß. Nach dem Wechsel glichen Maximilian Beister (55.) zum 2:2 und van der Vaart zum 3:3 aus.

Ein Eigentor des HSV-Verteidigers Johan Djourou hatte den VfB erneut in Führung gebracht (64.).

Rüdiger? "Das ist Schwachsinn"

Für Aufregung sorgte in der Schlussphase die Rote Karte für Antonio Rüdiger, der nach einem Faustschlag in van der Vaarts Bauch vom Feld musste.

"Er hat mir in die Rippen gehauen", berichtete der HSV-Kapitän: "Das tat schon weh."

Rüdiger droht als Wiederholungstäter - er hatte bereits den Saisonstart wegen einer Tätlichkeit Ende der vergangenen Spielzeit gegen Fürth verpasst - eine empfindliche Strafe.

VfB-Manager Fredi Bobic hatte für den Aussetzer seines Abwehrspielers kein Verständnis: "Das darf er nicht machen, das ist Schwachsinn."

Rüdigers Platzverweis auf SPORT1.fm:

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VfB im Zwiespalt

Mit dem Punktgewinn war Bobic trotz dreimaliger Führung zufrieden. "Da willst du natürlich gewinnen, aber es ist okay", meinte der Ex-Stürmer.

Die Begeisterung der Zuschauer konnte er allerdings nicht ganz teilen: "Wenn sechs Tore fallen, ist es für die Fans fantastisch, aber die Verantwortlichen sind frustriert, weil zu viele Fehler gemacht wurden." Für Kapitän Christian Gentner fühlte es sich "wie eine Niederlage an."

Maxim wird immer wichtiger

Zumindest zwei Aspekte sollten den Schwaben aber Zuversicht geben: Der junge Regisseur Maxim war erneut an zwei Toren beteiligt und weist nun schon neun Scorerpunkte auf. Seine brillanten Standards sind eine Waffe.

"Es war ein verrücktes Spiel, zumindest haben wir einen Punkt mitgenommen. Meine Statistik ist O.K., aber wichtiger ist der Teamerfolg. Unsere Serie hält", betonte Maxim.

Die Stuttgarter blieben auch im sechsten Ligaspiel unter Trainer Thomas Schneider (12 Punkte) ungeschlagen - die Europapokal-Plätze rücken in Reichweite.

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