SPORT1-Experte Strunz nimmt die Beteiligten des Phantomtores von Hoffenheim in Schutz und warnt vor Scheinheiligkeit.

Hallo Fußball-Freunde,

für mich führt es zu weit, wenn man nach dem Phantomtor von Stefan Kießling gegen 1899 Hoffenheim über die Verletzung des Fair-Play-Gedanken nachdenkt.

Ja, Schiedsrichter Felix Brych hatte keinen guten Tag. Eine bessere Sicht auf den Kopfball des Leverkusener Stürmers gibt es eigentlich nicht.

Doch bei der WM 2010 hatten wir auch ein nicht gegebenes Tor von Frank Lampard. Manuel Neuer hat damals nicht zugegeben, dass der Ball der Engländer im Tor war. Wir haben alle gejubelt. Bei solchen Dingen sollten wir uns dann schon alle einbeziehen.

Ich bin der Meinung: Das Hoffenheim-Spiel soll nicht wiederholt werden. Es wurden schon so viele Tore nicht gegeben, die regelkonform waren.

Wenn in diesem Fall jetzt eine Spielwiederholung durchgesetzt wird, liefert man zu viele Argumente, immer Spiele wiederholen zu lassen. Der Schiedsrichter hat eine falsche Entscheidung getroffen, aber das haben andere Schiedsrichter auch schon gemacht.

Vor Fehlern gefeit ist auch Werder Bremen nicht. Sie haben dort zwar immer den Anspruch, international zu spielen. Der offensive Geist unter Thomas Schaaf hat aber in den vergangenen Jahren nicht den gewünschten Erfolg gebracht.

Deswegen finde ich es gut, wenn Robin Dutt jetzt mehr Wert auf die Defensive legt. Das müssen die Spieler aber erst lernen und verinnerlichen. Denn sie waren es ja lange gewohnt, immer nach vorne zu spielen. Das braucht alles seine Zeit, aber sie sind auf einem guten Weg.

Der Erfolg der Dortmunder gegen Hannover war ein klassischer Arbeitssieg, ist jedoch im Bezug auf die lange Verletztenliste durchaus als Zeichen zu verstehen. Mir gefallen die jungen Spieler wie Erik Durm. Sie spielen so, als hätten sie nie etwas anderes gemacht.

Dortmunds großen Konkurrenten Bayern München habe ich zum ersten Mal in dieser Saison im Stadion gesehen. In der ersten Halbzeit war das schon sehr zäh. Thomas Müller kam über die linke Seite gar nicht zu Geltung. Es war alles sehr lahm und statisch.

Mit der Einwechslung von Mario Götze hat sich das dann schlagartig geändert. Er hat neue Ideen in Spiel gebracht.

Und Müller ist auf die rechte Seite gegangen und hat dort für viel mehr Gefahr gesorgt. Die Bayern haben eben viele Möglichkeiten, die Dinge noch zu ändern. Das macht sie so stark und unberechenbar.

Bis demnächst,

Euer Thomas Strunz

Ex-Nationalspieler Thomas Strunz wechselt sich in dieser Saison als Experte im Volkswagen Doppelpass und bei der sonntäglichen SPORT1-Kolumne mit Thomas Helmer und Mario Basler ab.

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