Seit dieser Saison Trainer des FC Bayern: Der spanische Starcoach Pep Guardiola (r.) © imago

Bayerns Minitheater gegen Mainz veranschaulicht die neue Linie des Trainers. Guardiola zeigt auch an anderer Stelle Konsequenz.

Vom FC Bayern berichten Mathias Frohnapfel und Julian Buhl

München - Pep Guardiola nahm seelenruhig einen Schluck aus seiner Wasserflasche.

Gerade hatte er Arjen Robben in die Schranken gewiesen, vor 71.000 Zuschauern zum Laiendarsteller gemacht. Der Niederländer wollte den Elfmeter gegen Mainz schießen, der Trainer bestimmte: Thomas Müller tritt an. (794646Bilder des Spiels)

Robben warf entnervt den Ball weg, Müller traf zum 4:1-Endstand für den FC Bayern. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Die ruhige Reaktion des spanischen Startrainers auf das Minitheater zeigt, wie gut der Katalane sein Team nach etwas mehr als drei Monaten in München im Griff hat.

Lehrstück in 90 Minuten

Der Sieg gegen Mainz war dabei so etwas wie ein Lehrstück in 90 Minuten.

In der ersten Halbzeit rumpelte Bayerns Offensive fast wie in den schlechtesten Tagen von Louis van Gaal, dann brachte der Coach Mario Götze für Rafinha. Kapitän Philipp Lahm verließ die Sechserposition, Schweinsteiger übernahm, Götze wechselte in dessen Rolle.

Alles klappte plötzlich wie einstudiert. Götze imponierte Guardiola, der den zweifachen Torvorbereiter pries: "Mario ist eine unglaubliche Person".

Doch Pep war beim Münchner Erfolg nicht nur Baumeister, er demonstrierte, dass er auch General Guardiola sein kann.

Effenberg wundert sich

Robben musste sich in der Elfmeterszene fügen.

Stefan Effenberg, früherer Bayern-Führungsspieler mit dem Spitznamen "Tiger", bedauerte den Außenstürmer bei "Sky":

"Das möchtest du nicht erleben, dass du mit dem Ball zum Punkt gehst, eigentlich den Elfmeter schießen möchtest, überzeugt bist - und dann sagt der Trainer wie ein Lehrer mehr oder weniger: Du nicht, sondern Thomas Müller."

Und zugleich riet Effenberg dem Münchner Coach: "Man muss solche Entscheidungen begründen, das ist Pflicht. Das kann man nicht damit abhaken, dass man sagt: Ich bin der Trainer."

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"Ich bin der Trainer"

Genauso reagierte Guardiola im ersten Moment allerdings: "Heute wollte ich, dass Thomas Müller unser Elfmeterschütze ist. Ich bin der Trainer."

Es wirkte, als ob es dem 42-Jährigen nicht nur um die Sache ging, sondern auch um den Beweis, dass er der Chef ist.

"Ich bin ein großer Freund meiner Spieler, wenn sie akzeptieren, was ich sage", hatte er schon vor der Partie im Bayern-Magazin verlauten lassen:

"Wer meine Entscheidungen annimmt, den unterstütze ich - wer das aber nicht verstehen will, wird oft auf der Tribüne sitzen."

Robben sieht "kein Thema"

Robben dürfte diese Worte als Warnung empfinden, auch wenn er nach der Partie aus den Geschehnissen "kein Thema" machen wollte.

Die Bayern marschieren in der Liga vorneweg, in der Champions League läuft ebenfalls alles nach Plan. "Es ist unser Ziel, gegen Pilsen zu gewinnen. Sie kommen aber auch nicht hierher, um uns den Sieg zu schenken", sagte Robben auf SPORT1-Nachfrage zum Match am Mittwoch.

Götzes Gala bei SPORT1.fm:

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Umbauten gegen Pilsen

Guardiola hofft bis dahin auch wieder auf Franck Ribery zurückgreifen zu können.

Der Franzose soll in den nächsten Tagen testen, ob er trotz des Kapseleinrisses im Sprunggelenk gegen die Tschechen dabei sein kann.

Sicher wird dagegen Dante ausfallen. Der Brasilianer erlitt eine Risswunde am linken Sprunggelenk, fehlt mindestens zehn Tage. Auch Jerome Boateng muss wegen seines Platzverweises in Manchester zuschauen. Die Innenverteidigung wird also neu bestückt.

Guardiola wird eine Lösung finden: Routinier Daniel van Buyten und Jan Kirchhoff stehen bereit. Oder es kommt - mal wieder - eine unkonventionelle Idee zur Anwendung.

Ein Trainer mit klarer Linie

An der Säbener Straße haben sie so etwas inzwischen akzeptiert.

Dabei wirkte noch vor kurzem die Versetzung von Außenverteidiger Philipp Lahm ins Mittelfeld, als wollte Guardiola wie ein übermütiger Landschaftsarchitekt einer hundertjährigen Eiche einen neuen Platz zuweisen.

Guardiola tritt nicht laut auf, aber bestimmt. Er sagt: "Thiago oder nix", wenn er ein Ansinnen durchdrücken möchte.

Aktuell scheint der frühere Barcelona-Coach beim FC Bayern in eine neue Phase einzutreten.

Nach einer ziemlich langen Beobachtungs- und Experimentierzeit in der Vorbereitung festigt er jetzt seine Herrschaft und lässt sich - durchaus dickköpfig - nur ungern aus dem Konzept bringen.

"Wir müssen besser werden"

"Ich hätte mir gewünscht, die Zuschauer wären erst zur zweiten Halbzeit gekommen. Wir müssen da besser werden", forderte er am Samstagabend.

Bei seinen Spielern ist dieses Anspruchsdenken längst angekommen - ebenso wie der Mut zur Aufstellungsimprovisation. "Der Trainer entscheidet das", stellte Rafinha bei SPORT1 fest.

Der Außenverteidiger hörte sich dabei fast so an, als würde er sich aufs Grundgesetz berufen.

"Wir haben umgestellt, nicht nur personell, auch in der Raumaufteilung, das hat gefruchtet", sagte Bayern-Kapitän Philipp Lahm.

General Guardiola regiert, die Bayern folgen.

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