Nürnberg wartet seit dem 18. Mai auf einen Sieg in der Bundesliga © getty

In der Trainerfindungsphase erkämpft sich der Club einen Punkt in Frankfurt. In den nächsten Tagen soll die Entscheidung fallen.

Frankfurt - Sportdirektor Martin Bader schlenderte nach dem kleinen Erfolgserlebnis strahlend durch die Stadion-Katakomben und freute sich diebisch über die betriebene Eigenwerbung seiner Mannschaft.

"Das sind keine Lumpen und Ganoven, sondern Fußballer des 1. FC Nürnberg. Es war wichtig, dass der neue Trainer gesehen hat, dass sie alles tun, um vernünftig Fußball zu spielen", sagte Bader nach dem verdienten 1:1 (0:0) der Franken beim Europa-League-Starter Eintracht Frankfurt.(794646Bilder des Spiels)

Wer künftig der neue Trainer am Valznerweiher sein wird, das wollte Bader nach dem gefühlten Sieg des Krisen-Clubs noch nicht sagen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich hoffe, dass wir das in den nächsten ein, zwei Tagen und bis Anfang der Woche hinbekommen. Wir haben in die Tiefe gearbeitet und sind jetzt am Boden angekommen", betonte der 45-Jährige.

In der entscheidenden Phase der Trainerfindung kommt ein Ausrufezeichen wie in Frankfurt gerade recht.

Koller und Meulensteen als Kandidaten

Konkrete Namen nannte Bader zwar nicht.

Heißeste Anwärter auf die Nachfolge des vor zwei Wochen entlassenen Michael Wiesinger sind aber offenbar der Niederländer Rene Meulensteen und der bereits seit Wochen gehandelte Schweizer Marcel Koller.

Ausschlaggebend werde laut Bader nun sein, die Interessen von Verein und Kandidat "so aufeinanderzulegen, dass es passt".

Als perfekter "Kurzarbeiter" erwies sich ungeachtet der Diskussionen Nürnbergs Interims-Coach Roger Prinzen.

Lob für Prinzen

Der U-23-Coach der Franken erledigte seinen Job am Samstag "herausragend", wie Sportdirektor Bader lobte.

"Ich habe versucht, ein Wir-Gefühl zu entfachen. Ich wusste, dass da Qualität ist", berichtete der Darmstädter Prinzen, dessen ganze Familie im Stadion war.

Der 44-Jährige hatte zuvor viel mit seinen Spielern gesprochen. Allerdings musste Prinzen auch für zwei Tage zu einem Trainerlehrgang in die Schweiz reisen.

Keine optimalen Bedingungen also für ein Team, das noch von der 0:5-Heimpleite gegen den Hamburger SV und der folgenden Trainer-Entlassung tief verunsichert war.

Schäfer: Zeichen gesetzt

"Das alles war für die Mannschaft keine einfache Situation. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Aber wir haben ein Zeichen gesetzt", sagte Club-Kapitän Raphael Schäfer.

Der Keeper war sichtlich froh darüber, "dass wir aus der Sache als Verein das beste gemacht haben".

Und es hätte für die in der zweiten Halbzeit überzeugenden Franken sogar noch besser kommen können.

Drmic erzielt Ausgleich

Nach dem verdienten Ausgleichstor durch den erst 17 Minuten zuvor eingewechselten Josip Drmic (86.) wollten die Gäste sogar den Sieg und drückten auf die Führung.

Obwohl der ersehnte erste Saisonsieg erneut ausblieb und der Club seit dem 18. Mai 2013 auf einen Dreier wartet, waren die Nürnberger zufrieden.

"Wir haben viel investiert, es hat sich gelohnt", sagte Abwehrspieler Javier Pinola.

Veh unzufrieden

Enttäuscht präsentierten sich dagegen die zu Hause in der Liga noch sieglosen Frankfurter, die eine schwache Generalprobe für das Gruppenspiel in der Europa League am Donnerstag gegen Maccabi Tel Aviv ablieferten.

"Ein Punkt ist viel zu wenig", haderte Trainer Armin Veh und war unzufrieden mit der Leistung nach der Führung durch Vaclav Kadlec (50.):

"Die Mannschaft hat versucht, das Ergebnis zu verwalten. Das geht nie gut."

Hoffnungsträger Alexander Meier leistete zwar die Vorarbeit zum Führungstreffer. Doch bei seinem Comeback nach sechswöchiger Verletzungspause war dem Torjäger die fehlende Spielpraxis anzumerken.

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