Mario Götze (2.v.r.) wurde mit Dortmund 2011 und 2012 Deutscher Meister © imago

Götzes bislang beste Leistung im Bayern-Dress übertüncht gegen Mainz eine träge erste Hälfte und einen Aufreger um Robben.

München - Mario Götze kam, sah, brachte den Sieg - und tauchte ganz schnell wieder ab.

Rund eineinhalb Stunden nach seinem besten Auftritt im Trikot von Bayern München beim 4:1 (0:1) gegen Mainz 05 schlich der 21 Jahre alte Nationalspieler an der Seite von Bastian Schweinsteiger aus der Allianz Arena; mit dem Zeigefinger strich er sich dabei über die Lippen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Götze wollte nichts sagen. (794646Bilder des Spiels)

Auf dem Platz, meinte er wohl, hatte er genug Taten sprechen lassen.

Mit zwei Torvorlagen und einer weiteren Torbeteiligung half Götze entscheidend mit, die zuvor trägen Bayern an der Tabellenspitze der Bundesliga zu halten.

Mehr Spielwitz dank Götze

Die Münchner taten sich gegen taktisch starke Mainzer schwer und lagen nach dem Treffer von Shawn Parker, der einen bösen Schnitzer von Jerome Boateng genutzt hatte (44.), zurück.

Dann kam Götze (46.) - und mit ihm "mehr Spielwitz", wie Thomas Müller lobte: "Wir haben auf einmal Räume gefunden."

Arjen Robben (50.), Müller (52., 82. Foulelfmeter) und Mario Mandzukic (69.) nutzten diese Räume zu Treffern. Jetzt sind die Bayern seit 34 Ligaspielen unbezwungen.

Doch es hätte anders kommen können.

"Zum Glück dauert ein Spiel 90 Minuten", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sichtlich erleichtert.

Guardiola übt Kritik

Trainer Pep Guardiola monierte zerknirscht: "Ich mag es nicht, wenn wir so spielen wie in der ersten Halbzeit. Wir müssen besser spielen."

Das taten sie in Hälfte zwei - wegen Götze und ihrer außergewöhnlichen taktischen Flexibiliät.

"Er ist auf einem guten Weg, braucht aber noch ein paar Spiele, um in Bestform zu kommen", sagte Rummenigge über den 37 Millionen Euro teuren Zugang von Borussia Dortmund.

Nur 176 Minuten stand Götze bislang in den neun Ligaspielen auf dem Platz, "er braucht noch Zeit", meinte Guardiola. Der Spanier pries Götze allerdings auch als "unglaublichen Spieler" sowie "intelligent und clever im Sechzehner".

Götzes Gala bei SPORT1.fm:

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Dante muss raus

Beeindruckend war auch die Variabilität des FCB.

Als Dante in der 42. Minute wegen einer Risswunde am linken Sprunggelenk rausmusste (er fällt zehn bis 14 Tage aus), rückte Diego Contento ins Zentrum, der eingewechselte David Alaba übernahm auf links.

Als Götze für Rechtsverteidiger Rafinha kam (46.), ging Kapitän Philipp Lahm von der "Sechs" nach hinten, für ihn übernahm Bastian Schweinsteiger.

Dessen Platz nahm Götze ein, Robben und Müller tauschten die Seiten.

Bayern stellt Pass-Rekord auf

Nach der Auswechslung von Mandzukic (74.) lösten sich Götze, Müller und Robben auf der "Neun" ab.

Der neue Mann, Jan Kirchhoff, ging auf die "Sechs", Schweinsteiger wieder auf die "Acht": Fußball total auf Bayerisch.

Diese Flexibilität führte zur Wende und einem Bundesliga-Rekord: 817 Pässe insgesamt sind unerreicht.

Zudem: Der schwächsten Passquote in der laufenden Spielzeit in Hälfte eins setzten die Bayern ihre beste in dieser Saison in den zweiten 45 Minuten entgegen.

Guardiola tat die Wechselspiele mit einem knappen Satz ab. In der Halbzeitpause habe er seinen Spielern "ruhig" gesagt: "Wir wechseln ein bisschen das System."

Zudem habe er die Anweisung erteilt, dass die Außenverteidiger Lahm und Alaba sich mehr in die Angriffe einschalten sollten.

Folgenloser Elfmeter-Zwist

Wer einen möglichen Elfmeter schießen sollte, sagte er da nicht.

Erst, als sich Robben nach dem Schubser von Nikolce Noveski gegen Schweinsteiger den Ball schnappte, griff Guardiola ein.

Wild gestikulierend machte er klar: Müller schießt! Robben warf wütend den Ball weg.

Im Rausch der zweiten Halbzeit war der kleine Zwist aber schnell vergessen. "Wer schießt, ist egal, kein Problem", sagte Robben.

Und Müller meinte: "Da gibt es kein Nachtragen."

Tuchel: Mit dem Käfer in der Formel1

Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel brauchte etwas länger, um mit dem Spiel abzuschließen - zu gut hatte seine Mannschaft lange Zeit mitgehalten.

Das 1:4 nannte er "Normalzustand".

Denn: "Wenn du in den VW-Käfer, Baujahr '70 steigst, solltest du nicht davon träumen, dass du in der Formel1 gewinnst."

"Bis in die Nacht" hinein hatte er zuvor mit seinen Spieler die neue 5-2-2-1-Formation diskutiert. Dass sie beinahe Erfolg brachte, ließ Tuchel Hoffnung schöpfen, die Serie von jetzt sechs Spielen ohne Sieg am kommenden Samstag gegen Eintracht Braunschweig beenden zu können.

Es ist gewissermaßen ein Duell "Käfer gegen Käfer".

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