Erstmals überhaupt treffen zwei brasilianische Brüder in der Liga aufeinander © getty

Die Liga steht vor ihrem ersten brasilianischen Bruderduell: Während Ronny bei der Hertha seine Form sucht, überzeugt Raffael.

Von Martin Jahns, Henning Maid und Paul Willmann

Berlin - Vater Caetano tippt auf ein Remis, Mutter Fatima lässt im fernen Fortaleza den Fernseher lieber ausgeschaltet.

Das brasilianische Bruderduell zwischen Ronny von Hertha BSC und Mönchengladbachs Raffael am Samstag (ab 18.00 Uhr bei SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) wird für die Familie de Araujo zum Nervenspiel.

Dabei ist es nicht die erste Partie der beiden gegeneinander. "Wir haben früher sehr oft gegeneinander gespielt", sagte Raffael zu SPORT1. Gewonnen habe dabei "mal der eine, mal der andere".

Gemeinsame Zeit in Berlin

Dieses Mal will Berlins Spielmacher Ronny als Sieger des Familienduells vom Platz gehen: "Wir haben hart gearbeitet und wir wollen dieses Spiel natürlich gewinnen." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Bei der Hertha waren die Ballartisten von 2010 bis 2012 gemeinsam unter Vertrag - eine Zeit, an die Ronny gerne zurückdenkt.

"Eine schöne Zeit, wir sind gemeinsam in die Bundesliga aufgestiegen und Zweitligameister geworden", erinnert sich der Herthaner.

Nun kommt es zum ersten Aufeinandertreffen als Profis.

Raffael mit Selbstvertrauen

Um das Selbstvertrauen der beiden ist es vor der Partie allerdings unterschiedlich bestellt. Für Raffael läuft es seit seinem Wechsel zu Saisonbeginn von Dynamo Kiew zu Mönchengladbach blendend.

Der lauffreudige Raffael hat das Spiel der Borussen variabler gemacht und mit vier Toren großen Anteil am Sprung auf Rang vier.

"Er macht das sehr gut", lobte ihn jüngst Trainer Lucien Favre, der seinen Musterschüler bereits zum FC Zürich (2005) und zur Hertha (2008) gelockt hatte.

Auch Raffael selbst fühlt sich bei der Borussia pudelwohl: "Das ist mein zweites Zuhause. Ich habe mich auf Anhieb wieder gut eingelebt."

Ronny hadert

Für den ein Jahr jüngeren Bruder lief es bislang nicht so gut.

Sein Trainer Jos Luhukay reagierte verärgert, als der U-17-Weltmeister von 2003 mit schlechten Fitnesswerten aus dem Sommerurlaub zurückkam.

Seine Erstligareife hat der Standardspezialist mit dem Kanonenschlag im Fuß bislang noch nicht bewiesen, obwohl ihn Herthas Manager Michael Preetz im April mit einem üppig dotierten Vertrag bis 2017 ausgestattet hatte.

"Er ist noch nicht auf dem Niveau des Vorjahres", sagte Luhukay mehrmals über Ronny, der die Berliner in der vergangenen Saison mit 18 Toren und 14 Vorlagen ins Oberhaus geführt hatte.

Traumtor gegen Hannover

In der bisherigen Spielzeit erzielte er drei Tore, allesamt als Einwechselspieler.

Sein Gewaltschuss zum 1:1-Endstand bei Hannover 96 am vergangenen Spieltag mit der ersten Ballberührung und einer Geschwindigkeit von 119 km/h wird schon jetzt als "Tor des Monats" gehandelt.

"Er ist eigentlich der bessere Spieler von uns", sagt Raffael gerne über seinen Bruder, der es jedoch ab und zu an der nötigen Disziplin vermissen lässt.

In der laufenden Saison kam Ronny bislang nur zu drei Startelfeinsätzen. Bis zu seinem Kreuzbandriss hatte Neuzugang Alexander Baumjohann stets den Vorzug auf der Spielmacherposition erhalten.

Nicht das erste Bruderduell

Zuletzt agierte Änis Ben-Hatira hinter den Spitzen, so dass es durchaus sein kann, dass der eigenwillige Spielgestalter am Samstag zunächst wieder auf der Bank sitzt.

Ronny gegen Raffael - das ist nicht das erste Duell ausländischer Brüderpaare in der Bundesliga. Etwa die Altintop-Zwillinge standen sich regelmäßig im direkten Duell mit ihren Mannschaften gegenüber. Noch nie jedoch sind zwei brasilianische Brüder aufeinander getroffen.

In jedem Fall also eine Begegnung, die nicht nur Familie de Araujo mit Spannung erwartet.

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