Guardiola und Götze (r.) wechselten im Sommer zum FC Bayern München © getty

Götze will nach seiner Verletzung sein Millionen-Versprechen endlich einlösen. Guardiola sucht nach einem Platz für ihn.

Vom FC Bayern berichtet Julian Buhl

München - Wer noch einen Beweis dafür benötigte, mit welcher Akribie Pep Guardiola seinen Beruf ausübt, bekam ihn nun von dem Trainer des FC Bayern geliefert.

"Die anderen Spieler haben schon über 1.000 Minuten in dieser Saison gespielt, Mario Götze erst 250. Wir haben schon 105 Trainingseinheiten absolviert, er nur 41", führte der spanische Fußballlehrer auf der Abschlusspressekonferenz vor dem Spiel gegen Mainz 05 (Sa., 15 Uhr im LIVE-TICKER) aus.

"Er braucht noch ein bisschen Zeit. Ich kann ihm Minuten geben und ich werde ihm Minuten geben."

Guardiola will den 37-Millionen-Euro-Neuzugang des FC Bayern nach dessen Kapselverletzung weiter behutsam an die Mannschaft heranführen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Glanz im Nationaldress

Beim Champions-League-Spiel bei Manchester City und im Bundesliga-Topspiel in Leverkusen war der Ex-Dortmunder zuletzt bereits zu ersten Kurzeinsätzen gekommen.

Im Dress der deutschen Nationalmannschaft sammelte er nun weitere Spielzeit. Beim 5:3 der deutschen Elf in Schweden wurde Götze zur zweiten Halbzeit eingewechselt, erzielte prompt einen Treffer und gab eine Vorlage.

"Ich freue mich über sein Tor und seine 45 Minuten in Jogi Löws Mannschaft", sagte Guardiola.

Nach langer Leidenszeit scheint Götze nun endgültig auf dem Weg zurück zu sein.

Vor seinem Kapselriss, den er im Supercup-Finale Ende August gegen den FC Chelsea erlitten hatte, war er bereits wegen eines Muskelbündelrisses lange ausgefallen - und hatte auch das Champions-League-Finale mit Dortmund gegen die Münchner verpasst.

37-Millionen-Euro-Versprechen

Bisher ist Götze für den FC Bayern nicht mehr als ein 37-Millionen-Euro teures Versprechen.

Und das möchte der Nationalspieler nun endlich auch mit seinen Leistungen auf dem Platz einlösen - am liebsten sofort.

"Ich brauche einfach meine Spiele, meine Minuten", sagte Götze und nutzte dabei eine seinem Trainer ähnliche Wortwahl: "Ich denke, dass ich die in den nächsten Wochen bekommen werde. Dann kommt der Rest von selbst."

Götze als Shaqiri-Vertreter

Auf seinem Weg zurück und in die Startelf der Bayern muss sich der 21-Jährige wohl noch etwas gedulden. Kurzfristig dürfte er die Rolle von Xherdan Shaqiri übernehmen. Der Schweizer fällt mit einem Muskelbündelriss vermutlich bis Ende November aus.

Guardiola bedauert das sehr. Denn: "Für uns war er einer unserer absolut Besten, wenn er eingewechselt wurde - dann hat immer etwas sehr Spezielles kreiert."

Nichts weniger erwartet sich Guardiola nun von Götze.

Der Offensivmann soll sich als Einwechselspieler für höhere Aufgaben empfehlen.

Kroos scheint unantastbar

Wo die genau liegen, ist derzeit offener denn je. Denn im zentralen offensiven Mittelfeld, also auf Götzes Lieblingsposition, genießt Toni Kroos derzeit Guardiolas scheinbar uneingeschränktes Vertrauen.

"Bis jetzt hat er unglaublich gespielt. Ich bin sehr zufrieden mit seiner Leistung. Er hat Courage und Überzeugung", schwärmte Guardiola: "Wenn ein Spieler auf diesem Niveau spielt, verdient er es weiterzukommen."

Klingt also nicht danach, als würde der Spanier über eine Neubesetzung seiner offensiven Schaltzentrale nachdenken.

Götze als falsche Neun

Möglicherweise wird Guardiola sein Taktikpuzzle weiter umbauen müssen, sobald Götze seine Topform erreicht und er diesen in die Mannschaft integrieren möchte.

Eine immer wahrscheinlichere Option dürfte dabei die Position als falsche Neun in der Spitze sein.

Dort probierte Guardiola zuletzt bereits erfolgreich Thomas Müller für den zuvor gesetzten Mario Mandzukic aus.

"Es dürfen eben nur elf Spieler spielen" beschreibt Guardiola sein Dilemma.

Das Überangebot an Weltklasse-Spielern ist für ihn Fluch und Segen zugleich. Auch Mandzukic sei freilich weiterhin ein wichtiger Spieler, der ihm bisher sehr geholfen habe. "Aber wir haben auch Götze, Claudio Pizarro und Thomas Müller."

Guardiola: "Müller bleibt zu 100 Prozent"

Zu viele Offensiv-Spieler sind das nach Guardiolas Meinung aber auf keinen Fall. Daran, möglicherweise einen davon abgeben zu müssen, will der Spanier nicht einmal einen Gedanken verschwenden.

So reagierte er fast schon ein wenig geschockt und musste sich kurz sammeln, bevor er, angesprochen auf die Gerüchte um seinen Ex-Klub FC Barcelona und Müller, antwortete: "Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass er bei Bayern bleibt."

Bei einem peniblen Planer, wie Guardiola nun mal einer ist, lässt das nun wirklich keinen Raum für Spekulationen übrig.

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