Stefan Reinartz (l.) bestritt bislang alle acht Bundesliga-Spiele dieser Saison © getty

Vor dem Spiel in Hoffenheim spicht Leverkusens Reinartz bei SPORT1 von der Tabellenspitze und hofft auf mehr Aufmerksamkeit.

Von Tobias Wiltschek und Thorsten Mesch

München - Für seine Motivation nimmt Stefan Reinartz den Ärger mit Sami Hyypiä gerne in Kauf.

"Unser Trainer freut sich nicht, wenn wir auf die Tabelle gucken", verrät der Leverkusener Mittelfeldspieler bei SPORT1: "Aber ich schaue darauf. Mich persönlich motiviert es, an erster Stelle zu stehen."

Tabellenführer - wenn auch nur für eine Nacht - könnte Bayer Leverkusen mit einem Sieg bei 1899 Hoffenheim (ab 20 Uhr bei SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) werden.

Es wäre der vorläufige Höhepunkt einer bislang viel versprechenden Saison. Nach dem besten Bundesliga-Start der Vereinsgeschichte steht Bayer mit nur einem Zähler Rückstand auf Spitzenreiter Bayern München und punktgleich mit Borussia Dortmund auf Platz drei (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Reinartz eine feste Größe

Als Garanten des Höhenflugs werden immer wieder die Offensiv-Kräfte Stefan Kießling und Sidney Sam genannt. Elf der 18 Saisontreffer gehen auf das Konto der beiden. Dazu kommt das Duo zusammen schon auf sieben Tor-Vorlagen.

Von Reinartz sprechen in diesem Zusammenhang nur wenige. Dabei ist der defensive Mittelfeldspieler seit Beginn der Saison eine feste Größe in der Mannschaft und sorgt dafür, dass die Balance im Spiel der Leverkusener stimmt.

Sie sind nicht nur vorn gefährlich, sondern haben in acht Spielen lediglich acht Gegentore kassiert. Nur die Bayern und der BVB sind auch in dieser Hinsicht besser.

Remis gegen die Bayern

Der deutsche Rekordmeister war auch am vergangenen Spieltag im direkten Duell in der BayArena besser, phasenweise sogar drückend überlegen. Doch am Ende kam Bayer mit einem 1:1 davon.

"Mag sein, dass der Unterschied zu Bayern groß war, aber in der Tabelle haben wir nach acht Spielen nur einen Punkt Rückstand", sagte Reinartz und hat das nächste Ziel schon vor Augen.

Nach dem Spiel in Hoffenheim möchte er auch deshalb Spitzeneiter sein, "damit auch der letzte in Deutschland weiß, dass Leverkusen vorne dabei ist".

Das dürfte allerdings dann doch etwas zu ambitioniert sein. Denn der Klub aus der 160.000 Einwohner zählenden Stadt am Rhein tut sich trotz des Erfolges schwer, wahrgenommen zu werden.

Mit dem 1. FC Köln erlangt in der Nachbarschaft selbst ein Zweitligist häufig größere Aufmerksamkeit als der Champions-League-Teilnehmer. Von den Bundesligisten Dortmund, Schalke und Mönchengladbach ganz zu schweigen.

Das weiß auch Reinartz, der abgesehen von einem kurzen Gastspiel beim 1. FC Nürnberg seit 1999 ununterbrochen im Verein spielt. "Ich bin froh über jede Schlagzeile", wurde der 24-Jährige zuletzt in der "Süddeutschen Zeitung" zitiert.

"Idealer Botschafter"

Auch er selbst gehört nicht zu den Lautsprechern der Liga, weshalb er vom "Kölner Stadtanzeiger" schon als "idealer Botschafter von Bayer Leverkusen" tituliert wurde.

Seine Nationalmannschaftskarriere beschränkt sich bislang auf drei Einsätze. Im Mai 2010 kam er bei einem Freundschaftsspiel gegen Malta zu seinem Debüt, bei der Amerika-Reise im vergangenen Sommer trug er gegen Ekuador und die USA das Bundesadler-Trikot.

In den entscheidenden Qualifikationsspielen zur WM in Brasilien war er nicht dabei. "Es war klar, dass nicht alle Spieler, die auf der USA-Reise dabei waren, eingeladen werden", meinte Reinartz bei SPORT1.

Zwei aktuelle Nationalspieler

Was den Proporz seines Klubs in der Nationalmannschaft angeht, wird er schon deutlicher: "Wenn man, wie letztes Jahr, Dritter wird und jetzt auch wieder oben mitspielt, sind zwei schon relativ wenig."

Sam und Lars Bender sind derzeit die einzigen Bayer-Profis im Kader von Joachim Löw. Reinartz, Philipp Wollscheid und Torwart Bernd Leno gehören bestenfalls zum erweiterten Kreis des Nationalteams.

Und Stürmer Stefan Kießling wird seit Jahren von Löw übergangen.

Im Kampf um Anerkennung hat es Bayer Leverkusen nicht leicht - nicht nur beim Bundestrainer.

Weiterlesen