Jannik Vestergaard (l., mit Gisdol) kommt aus Hoffenheims Jugendabteilung © getty

1899 bereiten vor allem die vielen Gegentore Sorgen. Der Coach, sein Abwehrchef und sein Torjäger analysieren bei SPORT1 die Lage.

Von Reinhard Franke

München - Eigentlich kann Hoffenheims Trainer Markus Gisdol recht zufrieden sein. Eigentlich.

Seine Mannschaft steht auf Platz zehn und hat - ganz im Gegensatz zur vergangenen Saison - mit dem Abstieg bisher nichts zu tun.

Zwei Siege, vier Remis und zwei Niederlagen stehen bei den Kraichgauern zu Buche. Und Gisdol erntet viel Lob.

"Seit Markus Gisdol hier ist, haben wir einen ganz klaren Weg eingeschlagen. Der heißt, offensiven, intensiven Fußball spielen. Zudem haben uns die Erlebnisse in Dortmund (2:1-Sieg am 34. Spieltag der letzten Saison und das Erreichen der Relegation, Anm. d. Red.) und die Relegation gegen Kaiserslautern als Mannschaft zusammengeschweißt. So etwas verbindet", sagt 1899-Abwehrspieler Jannik Vestergaard zu SPORT1.

"Unsere Saison soll sorgenfrei sein - das heißt, besser als die letzte. Mit den Abstiegsrängen wollen wir nichts zu tun haben."

Torverhältnis 20:20!

Alles gut also vor dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen? (Fr., ab 20.15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER )

Nicht ganz, denn Sorgen bereitet Gisdol der Blick auf das Torverhältnis seiner Jungs: 20 Mal netzte 1899 beim Gegner ein, kassierte aber genau so viele Tore.

Immerhin: Hoffenheim hat nach Borussia Dortmund die zweitmeisten Tore in der Liga geschossen, aber eben auch die meisten kassiert. Vorne hui, hinten pfui!

"Entwicklung braucht Zeit"

"Wir sind noch in der Entwicklungsphase", betont Gisdol. "Es gibt Prozesse in unserem Spiel, die naturgemäß noch nicht komplett verinnerlicht sind. Entwicklung braucht Zeit. Die Mannschaft hat in der Offensive großes Potenzial und sie spielt gerne nach vorne. Das entspricht auch meinen Vorstellungen als Trainer."

Die nächste Stufe sei es nun, "eine gesunde Balance zu entwickeln. Das heißt, möglichst nichts an offensiver Durchschlagskraft zu verlieren und dennoch hinten sicher zu stehen. In einigen Partien haben wir zu offensiv agiert und die Ordnung schon bei eigenem Ballbesitz vermissen lassen. Das führt dann zu Gegentoren."

Vestergaard, der unter Gisdol zum absoluten Leistungsträger gereift ist, nennt "individuelle Fehler" als Hauptgrund, es fehle noch "die nötige Feinabstimmung".

Vestergaard warnt

Denn: "Ein kleiner Fehler im Stellungsspiel reicht in der Bundesliga aus und du siehst sehr schnell schlecht aus. Die Gegner haben viel Qualität. Aber wir arbeiten jeden Tag hart daran, um uns zu verbessern", warnt Vestergaard. Jeder im Team habe "den absoluten Willen, diesen Teil unseres Spiels so schnell wie möglich zu verbessern."

Wie kann die Abwehr also wieder stabiler werden?

"Das sind kleine Schritte, die wir gehen werden und müssen", weiß Gisdol: "Gutes, effektives Verteidigen gelingt im modernen Fußball nur gemeinsam. Alle Spieler auf dem Platz müssen mitmachen, keiner darf sich auch nur für eine Sekunde herausnehmen. Dafür sind die Mannschaften in der Bundesliga zu stark."

Modeste macht Gisdol froh

Stark ist Hoffenheims Sechs-Tore-Stürmer Anthony Modeste. "Ich arbeite hart. Sonst wäre nicht dort, wo ich bin", sagt Modeste im Gespräch mit SPORT1.

"Ich fühle mich in der Mannschaft, es läuft gut mit meinen Mitspielern, ich fühle mich enorm wohl in der Gruppe", meint der Franzose.

Gisdol zieht ein positives Zwischenfazit: "Grundsätzlich bin ich mit der bisherigen Entwicklung unserer Mannschaft zufrieden. Wir haben mit zwei überzeugenden Siegen die dritte Runde im Pokal erreicht und auch in der Bundesliga kann sich unser Start sehen lassen."

Mit etwas mehr Konsequenz könne man "einige Punkte mehr auf dem Konto haben, aber wir haben eine junge Mannschaft, die sich und ihren Stil erst findet und diesen verinnerlichen muss. Wir nehmen uns für unsere Entwicklung bewusst Zeit und machen keinen Schritt vor dem anderen."

Der nächste Schritt heißt Leverkusen, die mit einer starken Offensive kommen und mit einem Sieg Platz eins erobern können. Respekt ja, Angst nein, stellt Gisdol klar.

Gisdol fordert "100 Prozent Einsatz"

"Die Leverkusener haben eine starke Offensive. Kießling, Sam, Son - das sind alles Spieler, die eine Partie entscheiden können. Sie werden es aber sicher nicht erleben, dass wir uns in der eigenen Hälfte verbarrikadieren. Wir wollen Fußball spielen", sagt Gisdol.

Vestergaard meint: "Leverkusen kann man ja nicht auf Stefan Kießling reduzieren. Das ist eine gewachsene Mannschaft, die seit Jahren auf höchstem Niveau spielt."

"Wir werden alle Hände voll zu tun haben. Jeder muss mit absoluter Hingabe gegen den Ball arbeiten", fordert der Däne.

Damit es dieses Mal hinten nicht zu oft klingelt.

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