Im Interview spricht der Eintracht-Coach über die Perspektiven seines Teams, Bayerns neuen Trainer und das Spiel gegen den FCN.

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Von Martin Volkmar

München - Armin Veh ist angekommen.

Lange Zeit hatte der 52-Jährige den Grundsatz, nur Einjahresverträge zu unterzeichnen. Zu schnelllebig sei das Fußballgeschäft.

Doch nun hat der Trainer der Frankfurter Eintracht erstmals angedeutet, sich auch eine längere Vertragslaufzeit vorstellen zu können.

"Wenn man älter wird, muss man auch mal etwas anders machen. Es ist nicht in Stein gemeißelt, dass ich immer nur Einjahresverträge abschließe", sagte Veh im Volkswagen Doppelpass bei SPORT1.

Zudem soll die Entscheidung über seine Zukunft dieses Mal früher fallen, als es noch in der vergangenen Spielzeit der Fall gewesen ist.

"Wir werden nicht wieder so lange warten können. Wir werden uns im Januar zusammensetzen und dann zusammen eine Entscheidung treffen", sagte Veh.

Die Euphorie rund um die Eintracht scheint ihn mitgerissen zu haben. In der Bundesliga lief es bisher zwar eher mittelprächtig. In der Europa League feiern die Hessen mit ihren Fans aber regelmäßig Festtage. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Im SPORT1-Interview spricht der Coach über die Perspektiven seiner Mannschaft, Pep Guardiola und das Spiel am Samstag gegen den 1. FC Nürnberg (ab 15.15 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE auf SPORT1.fm).

SPORT1: Herr Veh, sie belegen mit der Eintracht aktuell nur den 13 Tabellenplatz und sind nur drei Punkte vom Relegationsrang entfernt. Dennoch scheinen Sie nicht unzufrieden, und auch die Kritik der Medien in Frankfurt hält sich in Grenzen. Woran liegt das?

Armin Veh: Es gibt keinen Grund, unzufrieden zu sein. Wir spielen guten Fußball. Für das, was wir spielen, haben wir eigentlich zu wenig Punkte geholt. Das sehen auch die Journalisten so und bewerten die Saison nicht nur nach Ergebnissen. Das 1:6 zum Saisonstart in Berlin habe ich schon vergessen.

SPORT1: Wenn man das Spiel gegen Hertha ausnimmt, hat die Mannschaft bisher also eine ordentliche Saison gespielt?

Veh: Ja. Wir sind noch im Europacup dabei und im Pokal dabei. Wir tanzen auf drei Hochzeiten. Für Frankfurter Verhältnisse ist das nicht normal, aber wir machen das natürlich sehr gerne. Jetzt haben wir am Samstag ein wichtiges Spiel gegen Nürnberg. Wir müssen endlich mal das erste Heimspiel gewinnen.

SPORT1: Was muss die Mannschaft ihrer Meinung nach noch verbessern, um dort hinzukommen, wo sie hinwollen?

Veh: Spieltechnisch ist es total okay, wir lassen auch nicht viele Chancen zu. Das Problem ist, dass wir uns in der Offensive sehr viele Großchancen erspielen, diese aber leider zu selten verwerten. Wenn wir da effektiver sind und ein bisschen mehr Glück haben, dann werden wir auch die entsprechenden Ergebnisse einfahren. Davon bin ich überzeugt.

SPORT1: Hoffen Sie darauf, dass die Nürnberger am Samstag vielleicht noch keinen neuen Trainer haben, weil es dann einfacher für Sie wird?

Veh: Nein, das wäre sowieso nie einfach gewesen. Auch mit Michael Wiesinger wäre es keine einfache Aufgabe gewesen.

SPORT1: Bisher gab es erst drei Trainerwechsel in der Bundesliga. Ist das aus Ihrer Sicht ein positives Zeichen?

Veh: Insgesamt ist es so, dass man mit den Trainern wesentlich sorgfältiger umgeht, die Branche ist unaufgeregter als es früher der Fall war.

SPORT1: Mittlerweile haben sie ja auch Pep Guardiola kennengelernt. Welchen Eindruck haben sie von ihm?

Veh: Er spricht ja schon ganz gut Deutsch. Für die Kürze der Zeit ist er wirklich schon sehr weit. Was ich sagen kann ist, dass er mir sehr sympathisch ist. Alles andere kann ich nicht beurteilen.

SPORT1: Finden Sie es gut, dass ein Trainer wie Guardiola in die Bundesliga kommt, oder ist Ihnen der Hype etwas zu übertrieben?

Veh: Grundsätzlich finde ich es gut. Wir haben sehr viele gute deutsche Trainer, daher brauchen wir aus dem Ausland wirklich nur die Top-Trainer. Die anderen brauchen wir aus meiner Sicht nicht. Aber wenn einer wie Pep Guadiola kommt ist das natürlich ein gutes Zeichen für die Bundesliga.

SPORT1: Erwarten Sie auch einen Zweikampf zwischen Bayern und Dortmund?

Veh: Also wenn einer Chancen hat, den Bayern den Titel streitig zu machen , dann ist das Borussia Dortmund. Ansonsten sehe ich keinen Verein, der in dieser Saison an die Bayern rankommen kann.

SPORT1: Sehen Sie perspektivisch auch die Option, dass die Eintracht mal wieder ganz oben angreifen kann?

Veh: Das wird sehr schwierig, da sind wir noch sehr weit weg. Die Vereine, die jetzt Jahr für Jahr in der Champions League spielen, haben einen immensen Vorteil. Bayern werden wir sowieso nie erreiche können, Dortmund in den nächsten Jahren auch nicht. Dazu gibt es noch Vereine wie Schalke, Wolfsburg, Leverkusen oder Stuttgart, die alle noch vor uns stehen. Wir müssen versuchen ordentlich zu arbeiten, auf dem Teppich zu bleiben und keine überzogenen Erwartungen herzustellen.

SPORT1: Im Frühjahr haben Sie lange überlegt, ob Sie in Frankfurt bleiben. Jetzt haben sie einige Wünsche erfüllt bekommen. Verlängern Sie ihren Vertrag dieses Mal schon früher?

Veh: Wir werden nicht wieder so lange warten können. Wir werden uns im Januar zusammensetzen und dann zusammen eine Entscheidung treffen. Wenn dann alles stimmt, werden wir frühzeitig bekannt geben, ob es in der neuen Saison weitergeht. Ich arbeite auf jeden Fall sehr gerne hier.

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