Ein auf den letzten Drücker ausgeliehener Jungstar ist Hamburgs neuer Hoffnungsträger. Lasogga hat das Zeug zum Überflieger.

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Von Frank Hellmann

München - Vielleicht liegen seine Frechheit und seine Lockerheit darin begründet, dass Pierre-Michel Lasogga so früh mit dem großen Fußball in Berührung kam.

Er war nämlich gerade zehn Jahre alt, als er das erste Mal den DFB-Pokal in der Hand hielt.

Gut, den hatte zwar sein Stiefvater Oliver Reck als damaliger Torwart des FC Schalke 04 gerade gegen Bayer Leverkusen gewonnen, aber Lasogga war damals schon mittendrin statt nur dabei.

Und danach hat es ihm gar nicht schnell genug gehen können, um selbst im Profigeschäft Fuß zu fassen.

Heynckes weist den Weg

Die Schalker Jugendabteilung verließ er, da war er 14. Er ging zu Rot-Weiss Essen, heuerte bei Wattenscheid 09 an, wechselte zum VfL Wolfsburg, ließ sich von Bayer Leverkusen locken. Alles in jungen Jahren.

Bis er vor drei Jahren den damals bei der Werkself tätigen Trainer Jupp Heynckes um Rat bat.

"Er sagte mir, ich könnte selbstverständlich bleiben. Aber ich würde nur bei den Profis trainieren und beim Nachwuchs spielen. Er empfahl mir einen Club in der Zweiten Liga."

Der Entschluss fiel auf Hertha BSC, wo Lasogga gar nicht lange brauchte, um sich zum Liebling der Hauptstadt aufzuschwingen.

Besser als Seeler

14 Tore in der Zweiten Liga und acht in der Bundesliga fabrizierte er für die Berliner. Doch aktuell geht der 21-Jährige als Hoffnungsträger beim Hamburger SV voran.

Erst stellte ihn Interimstrainer Rodolfo Cardoso im Pokal gegen Fürth in die Startelf, dann Neutrainer Bert van Marwijk in der Liga in Frankfurt und Nürnberg.

Das Resultat ist bekannt: fünf Volltreffer in den letzten drei Partien (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Dazu am vergangenen Sonntag der viertschnellste Hattrick der Bundesliga-Historie. Binnen sieben Minuten und 22 Sekunden (Nachbericht). Das hat an der Elbe nicht mal Uwe Seeler geschafft (788406DIASHOW: Schnellste Bundesliga-Hattricks).

Lasoggas Blitz-Hattrick bei SPORT1.fm

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Seeler von Lasogga begeistert

"Der Junge wirkt auf mich unbekümmert, er spielt sehr klar, sucht immer den direkten Weg zum Tor, einfach schnörkellos. Das hat mir richtig gut gefallen", sagte HSV-Idol Seeler der "Morgenpost":

"Lasogga geht dahin, wo es wehtut, schont sich nicht und beweist vor dem Tor den richtigen Riecher."

Lasogga ein "Fußball-Bekloppter"

"Ich lebe Fußball und bin ein Fußball-Bekloppter", sagt Lasogga von sich selbst.

Kaum ein Tag vergeht, an dem der "Spaßfußballer" (HSV-Sportchef Oliver Kreuzer) nicht irgendwelche Neuigkeiten von sich und seiner Mannschaft über seine offizielle Facebook-Fanpage postet.

Mehr als 15.000 Anhänger haben den "gefällt-mir"-Button gedrückt.

"Ich muss die Dinger ja nur noch reinmachen. Ich werde hier super bedient und bin total gut aufgenommen worden", lobt Lasogga sein neues Umfeld.

Karriere-Rückschlag gegen Hoffenheim

Tatsächlich hat Kreuzer ihn ja verpflichtet, als er einen ärgerlichen Bänderriss im Sprunggelenk ausheilte, der ihn kurz vor Saisonstart zurückwarf.

Der HSV fahndete nach einer Alternative zum Letten Artjoms Rudnevs.

Und hat mit Transferschluss einen unerschrockenen Mittelstürmer gefunden, der vielleicht längst bei einem Spitzenklub gelandet wäre, wenn er sich nicht am 5. Mai 2012 im Bundesligaspiel gegen die TSG Hoffenheim das Kreuzband gerissen hätte.

Lob von allen Seiten

Bert van Marwijk ist heilfroh, dass so einer beim Hamburger SV gelandet ist, wo doch entwicklungsfähige Angreifer mit deutschem Pass rar geworden sind.

"Er ist das beste Vorbild, ein richtiger Teamplayer", erläutert der Trainer. "Er ist ein positiv verrückter Junge", ergänzt Kapitän Rafael van der Vaart.

Vor allem arbeitet Lasogga viel, zieht Sprints an, reißt Lücken. "Und er geht zu Kopfbällen, die andere nicht machen", sagt van Marwijk.

Klar, dass Lasogga ("Wir ackern vorne, geben Gas und dann ist ein Tor oft die Belohnung") im ersten Heimspiel unter van Marwijk nach der Länderspielpause gegen den VfB Stuttgart seinen nächsten Treffer plant.

"Wir wollen raus aus dem Keller." Ob der wuchtige Mann mit den breiten Schultern und den mächtigen Oberschenkeln, der 88 Kilo auf 1,89 Meter verteilt, auch nächste Saison in der "Wir"-Form für den Liga-Dino spricht, entscheidet sich erst im nächsten Jahr.

Poker eröffnet

"Entscheidend ist, was der Spieler will", sagt Kreuzer, "dann lässt sich immer eine Lösung finden."

Vorerst ist Lasogga allerdings nur im Koppelgeschäft mit Per Skjelbred ausgeliehen ? ohne jede Kaufoption. "Er kommt zurück, wird wieder für uns spielen", wird Hertha-Manager Michael Preetz daher auch in der "Bild" zitiert.

Lasoggas Vertrag in Berlin läuft bis Sommer 2015. Verhandelt werden muss übrigens mit Kerstin Lasogga, weil die 41-jährige Mutter als Beraterin tätig ist ? Familienangehörigen ist das nach FIFA-Statut offiziell gestattet.

Ihre Bedeutung ist beim Spieler großflächig sichtbar: Am Arm hat sich der Sohnemann ihr Konterfei tätowieren lassen.

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