Michael Wiesinger (l.) war seit Dezember 2012 Cheftrainer beim 1. FC Nürnberg © getty

Nürnberg zieht nach dem 0:5-Debakel gegen den Hamburger SV die Konsequenzen und trennt sich von Trainer Michael Wiesinger.

Nürnberg - Nach gerade einmal 287 Tagen war für Michael Wiesinger als Trainer des 1. FC Nürnberg auch schon wieder Schluss.

Der Bundesligist zog nach dem 0:5-Debakel des Club gegen den Hamburger SV erwartungsgemäß die Notbremse und entließ den 40-Jährigen am Montagabend.

"Es war eine sehr schwere Entscheidung, aber im Interesse des 1. FC Nürnberg sehen wir uns dazu gezwungen", sagte Sportvorstand Martin Bader. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Seit dem Nachmittag hatten Vorstand und Aufsichtsrat der Franken über Wiesingers Zukunft getagt.

Prinzen übernimmt zunächst

Auch Co-Trainer Armin Reutershahn muss gehen.

"Uns ist es nicht leicht gefallen, Michael und Armin die Entscheidung mitzuteilen. Beide identifizieren sich vollauf mit dem Club und waren immer mit Leib und Seele dabei", so Bader:

"Leider haben die letzten Spiele gezeigt, dass kein kontinuierlicher Aufwärtstrend erkennbar ist."

Die fehlenden Ergebnisse seien letztlich ausschlaggebend gewesen, sagte Bader zu SPORT1: "Roger Prinzen von der U 23 übernimmt erstmal und wir überlegen, was das Beste für uns in der Zukunft ist."

Magath soll ein Kandidat sein

Ein Kandidat für die Nachfolge von Wiesinger soll Felix Magath sein.

Der 60-Jährige ist seit seiner Entlassung in Wolfsburg im Oktober 2012 ohne Job. Magath, der in München wohnt und zuletzt Engagements in Hamburg und bei 1860 München abgesagt hatte, war 1997/98 schon einmal Trainer in Nürnberg.

Im Umfeld fiel auch der Name des Schweizers Christian Gross, zwischen Dezember 2009 und Oktober 2010 schon in der Bundesliga in Stuttgart tätig.

Wiesinger seit Dezember 2012 im Amt

Wiesinger hatte den 1. FC Nürnberg am 24. Dezember 2012 nach dem überraschenden Wechsel von Dieter Hecking zum VfL Wolfsburg zusammen mit Armin Reutershahn, der bis dahin als Assistent gearbeitet hatte, übernommen.

Sein Vertrag war bis 2015 datiert.

In der Rückrunde der vergangenen Saison hatte der frühere Profi immerhin 24 Punkte geholt und mit dem FCN einen ordentlichen 10. Platz belegt.

In dieser Spielzeit wollte sich der Club konsolidieren, doch bisher lief wenig nach Wunsch.

Im DFB-Pokal blamierten sich die Nürnberger in der ersten Runde bei Zweitligist Sandhausen, in der Liga gab es in acht Spielen bei fünf Remis noch keinen Sieg - wie letztmals vor 27 Jahren.

Dritte Entlassung der Saison

Für Sportvorstand Martin Bader und die Verantwortlichen war die aktuelle Talfahrt und Tabellenplatz 16 Grund genug, die Reißleine zu ziehen und dem Coach den Laufpass zu geben.

Wiesinger, der als Spieler von 1993 bis 1999 in Nürnberg aktiv gewesen war und ab 2011 zunächst die zweite Mannschaft des FCN trainiert hatte, ist in dieser Saison nach Thorsten Fink beim Hamburger SV und Bruno Labbadia beim VfB Stuttgart der dritte Trainer in der Bundesliga, der gefeuert wurde.

Trennung hatte sich angedeutet

Nach der HSV-Pleite hatte er erklärt, dass er für sich "jetzt auch mal nachdenken" müsse.

"Es geht nicht um mich, der Club muss in die Spur kommen."

Er könne auch die vereinzelten "Wiese-raus"-Rufe der Fans verstehen, "momentan habe ich keine Argumente".

Auch Bader kündigte bereits unmittelbar nach dem "richtigen Rückschlag" gegen den HSV an, die Situation "aufzuarbeiten" und schauen zu wollen, "ob etwas kaputtgegangen ist, was nicht mehr zu kitten ist".

Dies war offensichtlich der Fall.

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