Bayern gestern und heute: früher unter Jupp Heynckes (l.), nun unter Pep Guardiola © imago

Trotz aller Dominanz: Unter Guardiola reichen die Bayern an Heynckes' Bestmarken noch nicht heran. Eine SPORT1-Analyse.

Von Christian Paschwitz

München - Pep Guardiola ließ sich deutlich weniger lumpen als sein Team beim 1:1 in Leverkusen.

Kein Nippen am Glas. Dafür mehr als nur ein kräftiger Schluck Gerstensaft zum Abschluss des Oktoberfests, das der Spanier gemeinsam mit seinen Spielern besuchte. (780294Bilder)

Der Trainer des FC Bayern ließ es sich gut gehen.

Warum auch nicht? Schließlich stehen die Münchner an der Tabellenspitze.

Allerdings zum ersten Mal in dieser Saison - trotz allen Lobes für mitreißenden Dominanz-Fußball.

Zumal man in der Vorsaison unter Guardiola-Vorgänger Jupp Heynckes zum gleichen Zeitpunkt nicht minder erfolgreich war.

Weshalb sich nicht nur die Bayern die Frage stellen: Ist die Wiesn-Maß halbvoll oder halbleer?

SPORT1 erklärt, was nach acht Spieltagen gut gelaufen ist - und wo es noch Luft nach oben gibt.

TRAUMFUSSBALL:

Der FCB ist in nahezu jeder Partie weit überlegen - so auch beim Unentschieden in Leverkusen. (Bericht)

"Bayern ist teilweise eine Übermannschaft. Wir haben bis zur letzten Sekunde um unser Leben gekämpft", bekannte Leverkusens Keeper Bernd Leno. (787001Bilder des Spieltags)

Endlose Ballstafetten in Maximal-Tempo - das von Guardiola eingeimpfte Tiki-Taka greift immer besser und sorgt bei manchem Gegner für Schwindelanfälle.

Nicht nur hierzulande, sondern auch in der Champions League wie bei der 3:1-Gala bei Manchester City, die nicht nur Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge von "Weltklasse" schwärmen ließ.

CHANCENVERWERTUNG:

Die Bayern haben in jedem Liga-Spiel getroffen. Die Chancenverwertung war im Vorjahr unter Heynckes indes deutlich effizienter mit 26 Toren aus 76 Einschussmöglichkeiten - oder im Schnitt 3,25 Treffern.

Zum Vergleich: Unter Guardiola fielen 15 Tore (aus 78 Chancen) - und damit im Mittel nicht mal zwei (1,88).

"Es ist wie eine Krankheit", klagt Thomas Müller: "Wir hatten in den ersten Spielen auch schon 30, 40 Chancen, die wir hätten machen können. Wir können nicht alles in den Himmel loben."

ABWEHRVERHALTEN:

Das betrifft auch die Defensive, selbst wenn es fünf Zu-Null-Spiele gab (sechs unter Heynckes).

Denn: Die beiden Gegentreffer in Freiburg und Leverkusen bescherten jeweils Punktverluste.

Und: Bemerkenswerterweise gestattet der deutsche Rekordmeister den Kontrahenten mehr als doppelt so viele Chancen wie in der vergangenen Saison (28 gegenüber 12).

PUNKTAUSBEUTE:

Rechnerisch erscheint es fast zwangsläufig, dass die Bayern erstmals in dieser Saison an der Spitze stehen - das aber auch, weil der zuvor ungeschlagene Erzrivale Borussia Dortmund in Gladbach zuletzt patzte.

Unter Heynckes hatten die Münchner die ersten acht Spiele allesamt gewonnen, bereits einen Fünf-Punkte-Vorsprung auf den ersten Verfolger Eintracht Frankfurt herausgespielt.

Aktuell steht die Mannschaft von Guardiola mit 20 Zählern gerade mal einen Punkt besser als der BVB und Leverkusen da. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Platz eins ist unser Anspruch, den wollen wir nicht mehr hergeben", sagt Sportvorstand Matthias Sammer.

Für UIi Hoeneß ist es "psychologisch wichtig, dass wir von oben weg spielen".

Der Präsident meint aber auch, dass es eine derart überlegene Meisterschaft wie zuletzt mit 25 Punkten Vorsprung so schnell nicht wieder geben wird: Aktuell könne man "die Borussia nicht mehr abschütteln".

PERSONALSITUATION:

Dennoch: Die Bayern vom Gipfel zu verdrängen, dürfte für die Konkurrenz schwierig werden. Obwohl bei den Münchnern weiterhin keine klare Stammformation erkennbar ist.

Zur Erinnerung: Angesichts der langen Ausfälle einiger Stars sowie Guardiolas Rotationsfreude wurde die Startelf vor fast jedem Ligaspiel geändert.

Neben 37-Millionen-Euro-Transfer Mario Götze fehlt dem Coach besonders Thiago Alcantara (Syndesmosebandriss), dazu Javi Martinez (Aufbautraining nach Leisten-OP).

Bisher hat das Team um Philipp Lahm, der angesichts von Peronalnot und Experimentierfreude ins defensive Mittelfeld beordert wurde, die Ausfälle aber gut kompensiert.

WIRBEL ABSEITS DES RASENS:

Nach Guardiolas Privatfehde mit seinem Ex-Verein FC Barcelona erlebte der Coach den bisher größten Aufreger seiner Amtszeit mehr oder weniger als Zuschauer.

Kapitän Lahm hatte Sammer für dessen Brandrede nach dem Liga-Erfolg über Hannover 96 gerügt - zumindest musste man die Aussagen des Nationalspielers so verstehen.

"Im Moment der Kritik muss man die Emotionen zurückhalten können", hatte Lahm neben anderen Dingen dort erklärt, war anschließend aber beherzt zurückgerudert. Kritik an Sammer seien seine Aussagen nicht gewesen.

Dennoch: Für ein paar Tage war es bei den Bayern mittelprächtig unruhig. Der Sieg in Manchester überdeckte das.

"Man hat den Eindruck, als ob wir von fünf Spielen drei verloren und zwei Unentschieden gespielt hätten. In Dortmund lachen sie sich doch tot", beschrieb Hoeneß die Gemengelage.

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