SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold ist gegen die verhängnisvolle Kombi aus Elfmeter und Rot - und stützt Löw in Sachen Kießling.

Hallo Fußball-Freunde,

gleich zweimal kam es am Wochenende zu sogenannten Doppelbestrafungen. Dortmunds Mats Hummels und Augsburgs Ragnar Klavan verursachten einen Elfmeter und flogen auch noch vom Platz.

Eine Sperre kommt noch zusätzlich hinzu, eigentlich handelt es sich also sogar um Dreifachbestrafung.

Ich denke, man sollte es in solchen Fällen bei einem Elfmeter belassen. Die Doppelbestrafung kann einem Spiel eine ganz andere Richtung geben, das sehen wir an fast jedem Spieltag.

Augsburg führt auf Schalke, dann gibt es nach einer Viertelstunde den Elfmeter und die Rote Karte.

Plötzlich kippt das ganze Spiel.

Die Fußball-Regeln werden durch das International Football Association Board der FIFA geändert, die acht Mitglieder treffen sich einmal im Jahr. Wenn die Regel geändert werden würde, würde es alle Verbände weltweit betreffen.

Bei insgesamt 209 FIFA-Mitgliedern dauert das natürlich seine Zeit, da jeder seinen Senf dazu abgibt. Da muss man Druck machen, das Thema muss von allen Beteiligten immer wieder medial angesprochen werden.

Und dann hilft nur Daumen drücken, dass die Regeländerung irgendwann von der FIFA auch umgesetzt wird.

Eine anderes heißes Diskussionsthema ist die Nominierungspolitik von Joachim Löw.

Stefan Kießling steht nicht im Kader für die anstehenden WM-Qualifikationsspiele der Nationalmannschaft - genauso wie Bernd Leno, an dem der FC Bayern am Samstag verzweifelt ist.

Die Diskussion, ob es Leverkusener Spieler oder generell Spieler von bestimmter anderer Vereine schwerer haben, in die Nationalmannschaft zu kommen, halte ich dennoch nicht für richtig.

Denn bei Jogi Löw zählt nur die Leistung.

Die Bayern-Spieler haben vielleicht einen kleinen Vorteil, weil sie in der Champions League über einen langen Zeitraum zeigen können, dass sie dem Druck auf höchsten Niveau gewachsen sind.

Aber ich bin überzeugt, wer eine überragende Leistung zeigt, wird auch nominiert. Egal für welchen Verein er spielt.

Auf der Torwartposition haben wir sowieso die allerwenigsten Probleme. Leno war sehr stark, aber auch Gladbachs Marc-Andre ter Stegen hat ein Bombenspiel gemacht.

Wir haben mit Manuel Neuer eine klare Nummer eins und ich denke, dass ein erfahrener Torwart als Nummer zwei zur WM mitfahren wird.

Dazu kommen einige interessante junge Torhüter. Leno, ter Stegen oder Zieler - die Entscheidung, wer letztlich nach Brasilien darf, wird Löw gemeinsam mit Andreas Köpke treffen.

Was das Thema Kießling angeht, muss der Bundestrainer konsequent bleiben. Ich glaube nicht, dass der Torschützenkönig der vergangenen Saison uns in Brasilien helfen könnte.

Miroslav Klose und Mario Gomez sind ganz ähnliche Spielertypen in der zentralen Spitze. Wenn man einen dritten Stürmer mitnehmen sollte, müsste dieser ein anderer Spielertyp sein, einer mit anderen Lösungsansätzen.

Auch Kießling selber hat gesagt, dass die Nationalmannschaft für ihn kein Thema ist. Von daher sollte man das Buch jetzt mal schließen und das Thema nicht ständig wieder neu aufwärmen.

Bis zum nächsten Mal,Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt wöchentlich als Kolumnist für SPORT1.

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