Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang gab drei erfolglose Torschüsse ab © imago

Der gestürzte Tabellenführer versteht nach der Niederlage in Gladbach die Welt nicht mehr. Die Personalnot verschärft sich.

Von Martin Hoffmann und Nils Hotze

Mönchengladbach/München - Dem Trainer der Borussia war nicht danach, seinen Ärger zu zügeln.

Eine "Katastrophe" nannte er das, was er zuvor gesehen hatte. "Zu langsam reagiert, zu langsam gedacht" habe seine Mannschaft, immer wieder: "Es gibt jetzt viel zu tun, wir müssen intensiver trainieren."

Lucien Favre sah keinen Grund, etwas schönzureden an der Leistung von Borussia Mönchengladbach. Auch nicht in dem Umstand, dass diese Katastrophen-Mannschaft gerade eben Borussia Dortmund besiegt hatte (Bericht).

Und damit die ungewollte Bestätigung für das lieferte, was Trainerkollege Jürgen Klopp vorausgesagt hatte (787001Bilder des Spiels).

Klopps Vorhersage erfüllt sich

Das "speziellste Spiel der bisherigen Saison" hatte der BVB-Coach vor Anpfiff prophezeit. Er bekam genau das. Und er verzweifelte daran.

27:6 Torschüsse. 10:1 Ecken. 21 Mann, die in der ersten Hälfte fast durchgehend in der Gladbacher Hälfte verweilten. Und am Ende eine 0:2-Niederlage und der Verlust der Tabellenspitze an den FC Bayern (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"So ungerecht kann Fußball sein", musste der junge Jonas Hofmann nach Dortmunds erster Saisonpleite feststellen, einer der wenigen Dortmunder Spieler, die nach Abpfiff noch mit den Journalisten reden mochten.

Hummels flucht bei Facebook

Mats Hummels, Rotsünder und zugleich Verursacher des Foulelfmeters, der den BVB auf die Verliererstraße brachte, fand erst Stunden später seine Worte wieder.

Bei Facebook ernannte er die Pleite als "Kandidat für die Top 3 der unverdientesten, unnötigsten und unglücklichsten Niederlagen die ich bislang erlebt habe".

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Kevin Großkreutz mochte es derweil nicht bei dem Verweis auf höhere Mächte belassen: "Wir müssen nicht mit dem Fußballgott hadern. Die Niederlage haben wir unserer eigenen Dummheit zuzuschreiben."

"Richtig hartes Brot"

Auch Dortmunds Trainer hätte Grund gehabt, solche oder ähnliche Worte an seine Spieler zu richten. Doch Klopp verkniff es sich.

Er hatte selbst sichtlich zu kauen an dem, was er in der "ARD" ein "richtig hartes Brot" nannte.

"So eine Überlegenheit gegen eine so gute Mannschaft habe ich selten gesehen", befand der Coach. "Sensationelle Dinge" hätte sein Team bisweilen vollführt.

Rot-Debatte wird umschifft

Allein: Genutzt hat es am Ende nichts.

Auf achtzig Minuten fast absurder Dominanz folgten zehn Minuten, in denen der von Max Kruse verwandelte Elfmeter alles auf den Kopf stellte - und Raffael dem BVB mit einem Kontertor den K.o.-Hieb versetzte.

Der Gladbacher Elfmeter bei SPORT1.fm:

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Auf eine Debatte, ob der Platzverweis für Hummels eine zu harte Zusatzbestrafung für die Notbremse gegen Havard Nordtveit war, wollte sich hinterher kein Dortmunder einlassen.

Sowohl Klopp als auch Manager Michael Zorc beriefen sich hinterher darauf, die Szene "nicht richtig gesehen" zu haben.

"Der Glaube gefehlt"

Auch der Streitfrage, ob die BVB-Akteure am Ende zu müde waren, weil Klopp nach dem 3:0 gegen Marseille nicht rotierte, wich Zorc aus.

Nicht die Kraft wäre aus seiner Sicht das Problem gewesen: "Am Ende hat uns wahrscheinlich eher ein bisschen der Glaube gefehlt."

Sahin fehlt länger

Das bloße Ergebnis war für den BVB nicht die einzige Hiobsbotschaft: Durch die Verletzungen von Sven Bender (Prellung) und Nuri Sahin (Sprunggelenk) und die Rote Karte gegen Hummels ist die Abwehr endgültig personelles Notstandsgebiet.

Sahin zog sich einen Teilriss des Außenbandes im rechten Sprunggelenk, wie der Verein am Sonntag bekannt gab. Laut Mannschaftsarzt Dr. Markus Braun wird Sahin voraussichtlich bis zu drei Wochen ausfallen.

Die Sechser-Position ist dadurch endgültig eine Problemzone. Sahin, Ilkay Gündogan und Sebastian Kehl fehlen längerfristig, Bender ist angeschlagen.

Und Neven Subotic ist aktuell der einzige Stammspieler aus der Dortmund-Defensive, der nicht verletzt oder gesperrt ist.

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