Ronny (l.) hat bei Hertha BSC Berlin einen Vertrag bis 2017 © getty

Berlins Brasilianer hat 96 mit einem Hammertor einen Klubrekord vermasselt. Mirko Slomka ist aber nicht nur wegen des Remis sauer.

Hannover - Ronny wollte nach seinem Geniestreich nicht reden.

Nur ein paar Minuten nach seinem Traumtor zum 1:1 bei Hannover 96 (Bericht) stapfte der Brasilianer von Hertha BSC erstaunlich schlecht gelaunt durch die Katakomben der Arena von Hannover, die Baseball-Kappe tief ins Gesicht gezogen.

Als der 27-Jährige längst im Bus saß, rieben sich die anderen Berliner immer noch verwundert die Augen wegen des Freistoßes der Marke "Tor des Monats".

Sportdirektor Michael Preetz schwärmte hinterher von einem "Kanonenschlag", der die Festung Hannover zum Wackeln gebracht hat. (787001Bilder des Spiels)

"Da lag Frust mit drin"

Schließlich ließ die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka im fünften Heimspiel in dieser Bundesliga-Saison erstmals Punkte liegen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Und Hertha-Trainer Jos Luhukay meinte: "Das war ein fantastisches Tor von Ronny. Da lag sicher auch ein Stück Frust mit drin."

Schließlich hatte der Niederländer seinen Edeltechniker zuletzt ein bisschen links liegen gelassen, in acht Partien fünfmal ein- und zweimal ausgewechselt und mit spitzen Bemerkungen kitzeln wollen.

"Rocket Ronny" wuchtet drauflos

Also schnappte sich "Rocket Ronny" nur Sekunden nach seiner Einwechslung den Ball, nahm ein paar Schritte Anlauf und wuchtete die Kugel mit seiner ersten Ballberührung und 119 km/h ins linke obere Eck - unhaltbar für Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler im 96-Tor.

Ronnys Hammer-Freistoß Live auf SPORT1.fm

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"Ronnys Treffer war kein Zufall. Er hat einen harten Schuss und übt solche Freistöße immer noch nach dem Training. Ich bin nur in Deckung gegangen, denn da möchte man nicht getroffen werden. Und dann habe ich den Ball einschlagen hören. So ein Hammer war das. Gesehen hab' ich nichts.", sagte Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger zu SPORT1.

Der Brasilianer erzielte übrigens alle seine drei Saisontore als Einwechselspieler - Ligaspitze.

Ben-Hatira: "Können stolz sein"

Herthas Mittelfeldspieler Änis Ben-Hatira meinte derweil zufrieden: "Wir können stolz auf uns sein. Das ist für mich ein gefühlter Sieg. Für Ronny freue ich mich ganz besonders."

Nur Berlins Abwehrmann Sebastian Langkamp haderte bei SPORT1 mit dem Ergebnis: "Das ist ärgerlich. Hier war mehr drin. Vor allem wenn man bedenkt, dass wir noch den einen oder anderen Elfer hätten bekommen müssen."

Man müsse aber so weitermachen, meinte Langkamp. "Die Mannschaft ist charakterstark. Auch wenn das ein oder andere nicht gelingt, es geht immer weiter."

Ganz starke Vorstellung

Dass es am Ende für den frechen Aufsteiger nach einer vor allem in der zweiten Hälfte ganz starken Vorstellung nicht zum ersten Auswärtssieg der Saison reichte, lag tatsächlich an den Hauptstädtern selbst.

Die hatten nämlich die ersten 45 Miunten fast verschlafen und waren nach dem Treffer von Christian Schulz (23.) verdient in Rückstand geraten.

Mit 13 Zählern gehören Hannover und die einen Punkt dahinter liegende Hertha weiter zur Verfolgergruppe des Top-Trios. Doch Preetz mahnte bei den Berlinern zur Zurückhaltung: "Wir müssen dir Kirche im Dorf lassen, wir kommen aus der Zweiten Liga."

Der internationale Wettbewerb ist dagegen das erklärte Ziel von Hannover, das Remis gegen Berlin war auf diesem Weg nach zuletzt vier Heimsiegen in Serie ein kleiner Rückschlag.

Aber Slomka war nicht nur wegen des vergebenen neuen Klubrekords von fünf Startsiegen sichtlich angefressen, sondern vor allem wegen der offenbar schweren Verletzung seines Angreifers Didier Ya Konan.

"Das war ein Schock und hat uns nicht gut getan", sagte er, "Didier hat uns wahnsinnig gefehlt, nach vorne hatten wir nicht mehr viel zu bieten."

Schockdiagnose bei Ya Konan

Der Ivorer hatte sich kurz vor dem Halbzeitpfiff das linke Knie und Sprunggelenk böse verrenkt und musste ins Krankenhaus.

Am Samstag gab es dann bittere Gewissheit für 96: Ya Konan muss sich einer Sprunggelenk-Operation unterziehen. Eine MRT-Untersuchung in Hannover bestätigte eine Syndesmose-Verletzung.

Ein OP-Termin für den Angreifer, der den Niedersachsen über einen längeren Zeitraum fehlen wird, soll in den kommenden Tagen festgelegt werden.

"Natürlich ist das für Didier und uns als Mannschaft ein schwerer Schlag. Er wird uns zweifelsfrei fehlen. Wir wünschen Didier einen optimalen Heilungsverlauf, damit er nach erfolgreicher Reha wieder zum Team stoßen kann", sagte 96-Cheftrainer Mirko Slomka.

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