Eichin ist seit Februar 2013 Geschäftsführer von Werder Bremen
Thomas Eichin bestritt für Borussia Mönchengladbach 180 Bundesliga-Spiele © imago

Werder-Geschäftsführer Thomas Eichin spricht im Interview über den Konsolidierungskurs. Einem Ex-Bremer gönnt wieder einen Job.

Von Denis de Haas

München - Im Februar verabschiedete sich Thomas Eichin vom Eishockey und kehrte zum Fußball zurück. Nach zwölf Jahren als Geschäftsführer bei den Kölner Haien übernahm er diesen Posten bei Werder Bremen.

Im Sommer wickelte Eichin seine ersten Transfers in der Fußball-Bundesliga ab. Er verkaufte Spieler wie Sokratis und Marko Arnautovic, lockte dafür Franco di Santo, Luca Caldirola, Santiago Garcia und Cedric Makiadi an die Weser.

De Bruyne ein Thema

Für die kommende Transferperiode ist ein alter Bekannter ins Visier der Grün-Weißen geraten. Kevin De Bruyne, der bereits in der Vorsaison für Bremen spielte, kommt beim FC Chelsea derzeit nur noch in der U21 zum Zuge.

Zwar kündigte der Berater des Belgiers jüngst an, der Spieler wolle kämpfen. "Sollte Chelsea aber im Winter bereit sein, Kevin auszuleihen, bin ich gerne erster Ansprechpartner", sagte Eichin zu SPORT1 vor dem Bundesliga-Spiel beim VfB Stuttgart (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm).

Im SPORT1-Interview zieht der 46-Jährige eine erste Transferbilanz, spricht über das Verhältnis zu den Bremer Trainern und erklärt die Fan-Sympathien für die alten Europapokal-Helden.

SPORT1: Herr Eichin, das 3:3 gegen Nürnberg am vergangenen Sonntag war ein Spektakel mit Höhen und Tiefen. Kann man diese Partie als ein Spiegelbild der Saison betrachten?

Eichin: Ja, ein bisschen schon. Es war ein Wechselbad der Gefühle, aber für mich ist einfach wichtig, dass ich erkenne, dass eine Entwicklung stattfindet. Und ich denke, dass wir in dieser Saison auf jeden Fall schon stabiler geworden sind.

SPORT1: In der Startformation gegen Nürnberg standen vier Spieler, die Sie an die Weser geholt haben. Wie zufrieden sind sie mit den Neuzugängen?

Eichin: Ich bin sehr zufrieden, aber für mich ist es auch wichtig, dass der Trainer absolut zufrieden mit den Neuzugängen ist. Dazu ist Franco di Santo auch bald wieder spielberechtigt, von ihm erwarten wir sehr viel. Wir mussten dieses Jahr sehr kreativ sein auf dem Transfermarkt, weil wir unser Portemonnaie auch nicht überstrapazieren wollten.

SPORT1:Können Sie als ein Beispiel für so einen kreativen Transfer nennen?

Eichin: Santiago Garcia ist beispielsweise ein Spieler, den nicht jeder auf dem Zettel hatte. Dabei hat er sehr viel Potenzial. Ich hoffe, dass er sich hier integriert und ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft wird.

SPORT1: Sie haben in ihrer recht kurzen Amtszeit schon zwei sehr unterschiedliche Trainer erlebt. Der eine war das Urgestein, der andere ist komplett neu im Verein. Wie unterscheiden sich die beiden Trainertypen?

Eichin: Zunächst mal sind beide sehr sehr gute Trainer. Robin Dutt ist sicherlich etwas kommunikativer. Thomas Schaaf hat aufgrund seiner Ausstrahlung eine etwas andere Arbeitsweise. Ich habe von beiden Trainern eine unglaublich hohe Meinung und würde mich freuen, wenn Thomas Schaaf bald wieder als Trainer aktiv ist. Es wäre schade, wenn er irgendwo auf dem Sofa sitzt.

SPORT1: Sie mussten in ihrer Funktion vor der Saison Spieler verkaufen. Marko Arnautovic ist ein Beispiel dafür. Vor fünf, sechs Jahren konnte Werder durch die Einnahmen der Champions League noch hochkarätige neue Spieler verpflichten. Reizt Sie die Aufgabe, mit bescheideneren Mitteln zurechtzukommen?

Eichin: Ich habe den Verein ja verfolgt und auch den strengen Konsolidierungskurs, den wir machen wollen und müssen. Ich wusste daher, was auf mich zukommt. Werder gefällt mir total. Wir sind absolut handlungsfähig, aber wir müssen uns ein bisschen von unseren Champions-League-Zeiten erholen. Da gibt es erst einmal ein bisschen etwas zu begradigen. Das ist kein Vorwurf an meine Vorgänger, aber wir müssen den Etat gemäß unserer Möglichkeiten zusammenstellen.

SPORT1: Vor ein paar Jahren hat Werder noch gegen Chelsea, Inter oder Juve gespielt. Haben die Fans schon realisiert, dass man in naher Zukunft keine Champions-League-Spiele mehr im Weser-Stadion sehen wird?

Eichin: Ich glaube schon. Wenn man die vergangenen drei Jahre Revue passieren lässt, haben wir nun einmal nicht so viel gerissen. Wir müssen jetzt einfach einen Schritt zurück gehen, um wieder nach vorne zu kommen. Ich bin guter Dinge, dass wir in absehbarer Zeit auch wieder an den Europapokal-Plätzen kratzen. Wir müssen noch einige Dinge richtig machen. Ich glaube, dass die Fans die sehr nahe am Verein sind, das verstanden haben.

SPORT1: Beim Abschiedsspiel von Torsten Frings gab es viele Sprechchöre für die ehemaligen Spieler. Gerade Tim Wiese wurde von den Fans gefeiert. Es hatte den Eindruck, als wollten sie den Torwart wieder haben. Haben Sie Verständnis für diese Sehnsüchte im Umfeld?

Eichin: Ja, natürlich. Aber das waren nicht unbedingt die Sehnsüchte, sondern vor allem ein Honorieren der vergangenen Leistungen. Das muss man unterscheiden. Dass ein Tim Wiese gefeiert wird, ist vollkommen normal. Ich hätte das als Fan genauso gemacht. Wir hatten hier viele Topstars, die Großes geleistet haben, aber das war einmal. Wir hatten danach eben etwas schlechtere Zeiten.

SPORT1: Nach sieben Spieltagen ziehen drei Vereine einsam ihre Kreise an der Tabellenspitze. Glauben Sie, dass die anderen Klubs noch die Chance haben, die Lücke zu Bayern, Dortmund und Leverkusen zu schließen?

Eichin: Es sieht natürlich schon sehr beeindruckend aus, aber ich hoffe und glaube, dass die eine oder andere Mannschaft da schon noch mal rankommen kann. Vielleicht auch eine, die man nicht unbedingt erwartet. Ich mache mir da keine allzu großen Sorgen.

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