Jos Luhukay (r.) hat die Hertha zurück in die Bundesliga geführt © getty

Am Freitagabend eröffnen Hannover und Berlin den 8. Spieltag. Beide Teams sind hervorragend gestartet. Nur eine Momentaufnahme?

Von Carsten Arndt

München - Letztlich ist alles immer eine Frage der Perspektive.

Während der Gedanke an die Europa League bei vielen europäischen Klubs Zahnweh und Schweißausbrüche hervorruft, sitzt man anderswo Donnerstagsabends wehmütig vor dem Fernseher. In Hannover zum Beispiel.

"Wir wollen zurück nach Europa. Zwei Jahre in der Europa League waren herausragend, das wollen wir gerne wieder erleben", sagt 96-Torhüter Ron-Robert Zieler.

Nach vielen stimmungsvollen Europacup-Nächten müssen die Niedersachsen in dieser Saison zuschauen - ein Zustand, der möglichst schnell behoben werden soll. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Den nächsten Schritt zu diesem Ziel kann die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka im Verfolger-Gipfel des 8. Spieltags gegen Hertha BSC (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm) machen.

Derzeit sind die beiden Teams die ersten Verfolger der Top Drei aus Dortmund, München und Leverkusen - und selbst doch auf der Suche nach ihrer wahren Bestimmung in der Bundesliga. Ist die derzeitige Stärke nur eine Momentaufnahme, oder haben beide Klubs das Zeug, um auch langfristig oben dabei zu sein?

Euphorie in Berlin

Zumindest in Berlin schwebt man seit dem souverän erreichten direkten Wiederaufstieg auf einer Wolke der Euphorie. Über 51.000 Zuschauer kamen bisher durchschnittlich zu den vier Heimspielen.

Eine ähnliche Auslastung gab es zuletzt vor 14 Jahren. Damals hatten sich die Berliner allerdings für die europäische Königsklasse qualifiziert.

Man scheint aber aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben. Trotz des besten Saisonstarts der Vereinsgeschichte setzt Trainer Luhukay auf Zurückhaltung. "Wir alle wollen den Erfolg mit Hertha, aber wir müssen auch realistisch bleiben", warnt der 50-Jährige vor einer zu hohen Erwartungshaltung.

Kind will in die Champions League

Ganz andere Töne gab es vor der Saison aus Hannover zu hören. Präsident Martin Kind kündigte an, man wolle "die Plätze drei bis sechs erreichen".

Etwas mehr als zehn Millionen Euro investierten die Niedersachsen daher in neues Personal. Manager Dufner und Trainer Slomka ließen dabei ein klares Konzept erkennen.

Spieler wie Edgar Prib oder Leonardo Bittencourt sind jung und haben eine gute Ausbildung genossen. Zudem sind sie trotz ihres Alters nicht unerfahren.

"Wir sind dabei, der Mannschaft punktuell ein neues Gesicht zu geben und sie zu verjüngen. Dazu gehören junge, engagierte, einsatzwillige, gute Typen", sagte Slomka.

Hinzu kommen erfahrene Spieler wie Torhüter Zieler oder Altmeister Jan Schlaudraff, so dass der Kader der "Roten" mit einer gesunden Mischung aufwartet. Lediglich der drohende Abgang von Topstürmer Mame Diouf macht etwas Sorgen.

Auf der Suche nach der Balance

Deutlich weniger hingegen wurde in Berlin investiert. Mit einem geschätzten Spieler-Etat von knapp 23 Millionen Euro, müssen Preetz und Co. mit deutlich weniger Geld auskommen, als der Tabellennachbar aus Hannover (33 Millionen).

Dies hängt vor allem mit dem beträchtlichen Schuldenberg zusammen, den die Hertha noch immer mit sich herum schleppt. Immerhin hat sich die Lage durch den Aufstieg ins Oberhaus wieder etwas verbessert.

Geschäftsführer Ingo Schiller sprach gegenüber einer lokalen Zeitung von einer Verschuldung von "deutlich unter 40 Millionen". Vor allem die Ertragsseite habe sich verbessert. "Wir haben wieder eine gute Balance gefunden", zeigt sich Schiller daher optimistisch.

Kontinuität im Kader

Ein dauerhafter Verbleib in der Bundesliga ist für eine vollständige Konsolidierung dennoch unabdingbar.

Daher haben sich Trainer Luhukay und Manager Preetz zusammengesetzt und bereits in der letzten Saison damit begonnen einen schlagkräftigen Kader zu formen, der auch in der Bundesliga bestehen kann.

Zu Beginn der laufenden Spielzeit wurde der Kader dann sinnvoll mit erfahrenen Bundesligaspielern wie Hajime Hosogai oder Sebastian Langkamp verstärkt.

Positive Zukunft

Bleiben das Umfeld und die Verantwortlichen weiterhin geduldig, wird die Hertha mit diesem Kader in den nächsten Jahren nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Der Verein kann sich erholen und hat als Hauptstadt-Klub langfristig das Potenzial wieder in Richtung Europapokal zu schielen.

Da sind die Hannoveraner schon einen kleinen Schritt voraus. Trainer und Manager haben einen entwicklungsfähigen Kader mit hohem Potenzial zusammengestellt, mit dem die Niedersachen wohl auch in Zukunft um die Plätze fünf bis neun spielen werden.

Europa League kann ja auch ganz schön sein. Es kommt nur auf die Perspektive an.

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