Der Tabellenletzte Braunschweig muss zum Prestige-Duell zum VfL Wolfsburg. Die Vorzeichen könnten nicht unterschiedlicher sein.

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Von Benjamin Bauer

München - Knapp 30 Kilometer trennen Braunschweig und Wolfsburg geografisch. Fußballerisch war die Eintracht aus Braunschweig dem Nachbarn aus dem Nord-Osten früher meilenweit voraus. Deutscher Meister 1967, sogar Teilnehmer am Europapokal der Landesmeister. Damals kickte der VfL noch in der Regionalliga Nord.

Doch dann entdeckte der Volkswagen-Konzern die Strahlkraft des Fußballs und pumpte in den mittlerweile aufstrebenden Verein Millionen.

Ein Verein als Marketing-Instrument. Ein neues Stadion und Spieler wie Stefan Effenberg oder Marcelinho sollten dem ehemaligen Verein für Leibesübungen Volkswagenwerk Glanz verleihen und den Volkswagen-Konzern weltweit noch bekannter machen.

Auch bei der Eintracht engagierte sich der Autobauer als Sponsor - allerdings in weitaus bescheidenerem Rahmen als in der Heimatstadt.

Reihenfolge getauscht

Sportlich ging es für die Wölfe bergauf, während der einst erfolgreiche BTSV auf dem absteigenden Ast war.

2009 trugen die Finanzspritzen Wirkung, der VfL wurde unter Trainer Felix Magath Deutscher Meister.

Während das Magath-Team am 23.Mai 2009 mit 5:1 gegen Werder Bremen den Meistertitel klar machte, kassierte Braunschweig am gleichen Tag in der Dritten Liga eine 0:2-Niederlage bei Jahn Regensburg.

Wolfsburg und Braunschweig waren fußballerisch annähernd wieder soweit entfernt wie 32 Jahre zuvor - nur mit umgekehrter Reihenfolge.

Champions-League-Sieger in Wolfsburg

In dieser Saison sind die beiden sportlich wieder auf Augenhöhe und treffen erstmals seit 1993 wieder in einem Liga-Spiel aufeinander (Sa., 15 Uhr im LIVE-TICKER)

Wirtschaftlich trennen die Klubs aber immer noch Welten.

Die VW-Millionen möglich, dass vom Champions-League-Sieger FC Bayern Luiz Gustavo den Weg aus München ins vergleichsweise beschauliche Wolfsburg findet. Und auch der ehemalige Werder-Manager Klaus Allofs wird froh sein, das sein Taschenrechner in Wolfsburg nicht unter Volllast ächzt.

Bruder-Duell der Caligiuris

In Braunschweig sind die Verantwortlichen mittlerweile froh, dass der Verein zumindest schuldenfrei ist und auf gesunden Beinen steht. Mit Herzblut und Engagement wurde der Verein vor dem sportlichen und finanziellen Absturz gerettet.

Große Sprünge machen die Blau-Gelben dennoch nicht. Bekanntester Neuzugang des Aufsteigers ist Marco Caligiuri.

Auch dessen fußballerisch besserer Bruder, Daniel, hat sich einen neuen Verein gesucht. Den Zuschlag für den Mittelfeldspieler erhielt der VfL Wolfsburg.

Festhalten an Lieberknecht

Neben finanziellen Gründen dürften auch sportliche den Ausschlag gegeben haben. Während Wolfsburg die obere Tabellenhälfte als passables Ziel haben dürfte, zählt für Braunschweig nur der Klassenerhalt.

Mit einem Punkt aus sechs Spielen ist der BTSV Tabellenletzter und andere Vereine hätten bereits die Reißleine gezogen und den Trainer entlassen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch der Aufsteiger bleibt gelassen: "Der gesamte Verein mit seinen Entscheidungsträgern steht voll hinter Torsten Lieberknecht. Eine gewisse Ruhe bei allem Hinterfragen erhöht dabei die Erfolgschancen", sagte Präsident Ebel der "Braunschweiger Zeitung".

Treueschwur vom Coach

Auch Coach Lieberknecht zeigte sich bei SPORT1 kämpferisch: "Ich werde hier nicht zurücktreten - definitiv nicht", stellte er nach den Rücktrittspekulationen vom Wochenbeginn klar.

"Ich werde bis zum Schluss aufopferungsvoll alles geben, so wie ich es in den letzten fünf Jahren und auch als Spieler getan habe", versprach er.

Lieberknecht gibt sogar einen Treueschwur ab: "Wir arbeiten mit den Jungs und dem Trainerstab weiter zusammen. Und diese Jungs werde ich nie verlassen."

Treu blieben auch die Fans dem Meister von 1967. In der Dritten Liga betrug der Zuschauerschnitt in der Aufstiegssaison 2010/2011 17.435, in der Bundesliga ist das Stadion nahezu immer ausverkauft.

Das wird auch am Samstag die VW-Arena in Wolfsburg sein, wenn eine Blau-Gelbe Karawane die 30 Kilometer von Braunschweig nach Wolfsburg fährt.

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