MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Kevin-Prince Boateng stammt aus der Jugendabteilung von Hertha BSC © getty

Schalkes Neuzugang Kevin-Prince Boateng hat in der Bundesliga Großes vor. Gegen Leverkusen soll es einen Vorgeschmack geben.

Von Martin Hoffmann

München - Eigentlich hätte er ja allen Grund mit gemischten Gefühlen nach Deutschland zurückzukehren.

All die Geschichten mit den immer gleichen Bausteinen. Dem Weddinger Ghetto. Den Tritten gegen die Autospiegel. Dem Tritt gegen Michael Ballack.

Und den immer gleichen Wörtern. Bad Boy. Brutalo-Treter. Skandalprofi. Staatsfeind. Nicht bekehrbar, nicht sozialisierbar.

Es ist viel geschrieben und gesagt worden über Kevin-Prince Boateng in diesem Land. Und Kevin-Prince Boateng sagt: "Ich bin superfroh, endlich wieder zu Hause zu sein." ( 686799 DIASHOW: Boatengs Karriere in Bildern )

Ungebrochenes Selbstbewusstsein

Es war ein bemerkenswerter Auftritt, den der Deutsch-Ghanaer hingelegt hat bei seiner Vorstellung am Freitag.

Ein Auftritt, der deutlich gemacht hat, dass der FC Schalke 04 für rund 12 Millionen Euro nicht irgendeinen Neuzugang verpflichtet hat. Er hat ein Ereignis zurück in die Bundesliga geholt.

Was Kevin-Prince Boateng übrigens ebenfalls so sieht: "In Deutschland ist die beste Liga der Welt - und da gehören die besten Spieler der Welt hin."

Ein neuer Blickwinkel

An Boatengs Selbstbewusstsein hat sich nichts verändert, seit er vor vier Jahren sein letztes Bundesliga-Spiel bestritt und seit er vor drei Jahren das große Thema in Fußball-Deutschland war.

Ansonsten aber ist vor dem Spiel gegen Leverkusen (ab 18.15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) vieles anders geworden. Vor allem der Blickwinkel, aus dem der Bruder von Bayern-Verteidiger Jerome betrachtet wird.

Aus Herablassung und Antipathie ist bei vielen Respekt und Anerkennung geworden. Für Boatengs sportliche Leistungen, die er in drei Jahren beim AC Mailand gezeigt hat. Und noch mehr für diesen einen Moment am 3. Januar in der Kleinstadt Busto Arsizio.

Wut-Impuls auf den richtigen Weg

Es war ein Moment, der gewisse Ähnlichkeiten hatte mit denen, die ihm so viel Ärger einbrachten: ein Moment, in dem der Mann, den sie in Mailand "Il treno senza freni", den unbremsbaren Zug nannten, wieder einem Wut-Impuls folgte ? und diesmal genau das Richtige tat.

Er bekam genug, als ein Haufen Gestriger nicht aufhörte, ihm deutlich zu machen, dass sie ihn wegen seiner Hautfarbe für etwas Niederes halten.

Boateng verließ den Platz. Sein Team folgte ihm. Der Moment machte aus einem bedeutungslosen Testspiel ein nicht schätzbares Zeichen. Und aus einem Fußballer einen Anti-Rassismus-Botschafter, der bei den Vereinten Nationen sprechen durfte.

"Sie schreiben, ich konzentriere mich"

Vom "geläuterten Bad Boy" wird seitdem geschrieben, Boateng selbst hing die Sache am Freitag nicht so hoch.

"Sie schreiben darüber, ich konzentriere mich einfach auf meine Arbeit", antwortete er auf Fragen nach seinem Imagewandel.

Eine Einstellung, mit der Boateng in Italien gut gefahren ist. Er entwickelte sich bei den Mailändern, mit denen er 2011 Meister wurde, vom Unsicherheitsfaktor zur Führungskraft, überzeugte als defensiver Türsteher im Mittelfeld ebenso wie als Spielgestalter und Torjäger.

Als Abschiedsgeschenk schoss er seinen alten Klub noch am Mittwoch mit zwei Treffern gegen den PSV Eindhoven in die Champions League.

Alle Konzentration auf Leverkusen

Kritiker in Italien finden, dass sich derartige Glanzlichter Boatengs zuletzt auf die großen Spiele beschränkt haben, vielleicht kommt der Tapetenwechsel da gerade recht.

Boatengs Lust, all das, was er in den vergangenen vier Jahren verinnerlicht hat, nun auch in Deutschland vorzuführen, war spürbar am Freitag ? auch wenn er sie in Worten nicht ganz preisgeben wollte.

Offiziell gilt all sein Ehrgeiz der Samstagabendpartie gegen Bayer Leverkusen: "Mein einziges Ziel, ist zu spielen und das Spiel zu gewinnen." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Man darf ihm unterstellen, dass Boateng danach noch einiges mehr vorhat.

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