Wurde mit dem BVB 2011 und 2012 deutscher Meister: Kevin Großkreutz © getty

Ein Wunsch des BVB-Stars blieb bei der Auslosung der Königsklasse unerfüllt. Dafür bietet sich die Chance auf Revanche.

Aus Dortmund berichtet Nils Hotze

Dortmund - Kevin Großkreutz kommt zum Termin, wie er ist: hemdsärmelig.

Seine kurze Hose legt den Blick frei aufs Waden-Tattoo: Die Skyline von Dortmund.

Im SPORT1-Interview spricht der Alleskönner von Borussia Dortmund nach der Auslosung der Gruppenphase (Bericht) über Wunschlose in der Champions League, den Traum von einem zweiten Finale in der Königsklasse und über Ausraster vor dem heimischen Fernseher.

Zudem erklärt er seine Umschulung zum Rechtsverteidiger und beleuchtet den Sturm des nächsten Gegners Eintracht Frankfurt (So., ab 17 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER)

SPORT1: FC Arsenal, Olympique Marseille, SSC Neapel! Wie klingt das für Sie, Herr Großkreutz?

Kevin Großkreutz: Ich hatte mir eine englische Mannschaft gewünscht. Arsenal ist also schon mal gut. Außerdem haben wir gegen die Gunners aus dem ersten Champions-League-Jahr noch eine Rechnung zu begleichen. Genauso gegen Marseille. Aus Topf 4 hätte es nicht unbedingt Neapel sein müssen. Aber am Ende fliegen wir überall gerne hin.

SPORT1: Wer wäre Ihnen aus Topf 4 denn lieber gewesen?

Großkreutz: Celtic Glasgow!

SPORT1: Die haben nun das Vergnügen mit Barcelona, Mailand und Amsterdam ? wären aber um ein Haar auch gar nicht erst dabei gewesen.

Großkreutz: Ich hab das Playoff-Spiel am Mittwochabend gegen Shakhter Karagandy mit meinem kleinen Bruder geguckt. Der hat extra sein Celtic-Trikot angezogen. Beim 3:0 haben wir zusammen gejubelt. Man könnte auch sagen: Wir sind ausgerastet.

SPORT1: Warum?

Großkreutz: Weil da Tradition und Stimmung hintersteckt. Es wäre etwas ganz Besonderes, einmal dort aufzulaufen.

SPORT1: So reden eigentlich nur Fans.

Großkreutz: Ich bin Fan. Die Celtic-Fans sind mir sympathisch. Mein Vater hat viel davon erzählt, wie die früher zu Europapokalspielen nach Dortmund gereist sind. Und wie viele von denen hier waren. Und wie sie dann mit den Dortmundern zusammen gefeiert haben. Ich glaube, da gibt es gewisse Ähnlichkeiten. Beide Stadien gehen richtig ab.

SPORT1: Schon mal im Celtic Park gewesen?

Großkreutz: Ja, ich war mit drei Freunden da. Wir haben uns das letzte Derby vor dem Zwangsabstieg der Rangers angeschaut. Wir sind extra einen Tag eher angereist und dann in einen Pub rein. Da waren geschätzt 500 positiv bekloppte Celtic-Fans. Und die haben mich erkannt. Und wie die mich als BVB-Spieler gefeiert haben, das war sensationell. Da kriege ich heute noch Gänsehaut.

SPORT1: Die hatten die BVB-Fans auch in der letzten Champions-League-Saison. Da haben Sie links offensiv gespielt. Jetzt spielen Sie rechts defensiv. Hat Sie Jürgen Klopp eigentlich dazu überreden müssen, fortan für den verletzten Lukasz Piszczek Rechtsverteidiger zu spielen?

Großkreutz: Wer mich kennt, der weiß, dass mich niemand zu irgendwas überreden muss. Wo der Trainer mich hinstellt, da gebe ich Vollgas.

SPORT1: Orientieren Sie sich am Stil von Lukasz Piszczek, der die Position sehr offensiv interpretiert?

Großkreutz: Nach vorne kann man immer eine Aktion starten. Aber zunächst muss mal die Null stehen. Das tut sie in letzter Zeit oft. Das ist wichtig.

SPORT1: Wichtig ist auch am Sonntag in Frankfurt. Erwarten Sie nach Augsburgern, Braunschweigern und Bremern, die alle sehr defensiv standen, diesmal ein anderes Spiel?

Großkreutz: Natürlich standen die alle tief. Aber trotzdem haben wir auf deren Konter aufpassen müssen. Auch da durften wir nicht öffnen. Frankfurt hat eine richtig gute Mannschaft - auch wenn die jetzt noch nicht so viele Punkte haben. Wir sind gewarnt. Wir wissen nicht erst seit unserem Unentschieden aus der vergangenen Saison, wie stark die Frankfurter gerade zu Hause sind. Und dass sie super Einzelspieler haben. Die Sache ist nur: Wir wollen trotzdem gewinnen.

SPORT1: Gewonnen hat der BVB bereits die ersten drei Ligaspiele. Das gab es seit 2001 nicht mehr, und überhaupt nur zweimal in fast 104 Jahren Vereinsgeschichte. Was läuft derzeit so rund? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Großkreutz: Wir stehen hinten gut, weil kompakt. Und dass wir vorne aufgrund unserer individuellen Qualität immer ein Tor erzielen können, wissen wir.

SPORT1: Täuscht der Eindruck oder ist die Mannschaft noch mal gereift? So ein Spiel wie das gegen Bremen hätte auch 1:1 enden können.

Großkreutz: Wir sind ruhiger am Ball. Und wir sind auch dann noch ruhig, wenn es in der 70. Minute noch 0:0 steht.

SPORT1: Hat sich die Mannschaft diese Reife in der vergangenen Champions-League-Saison geholt?

Großkreutz: Das kann man nicht vergleichen. In der Champions League spielen alle mit und rühren nicht nur Beton an. Das sind die besten Mannschaften der Welt. Das ist was ganz anderes als in der Bundesliga.

SPORT1: Hat diese vergangene Champions-League-Saison süchtig gemacht?

Großkreutz: Ja, irgendwie schon. Wer das Finale miterlebt hat und was da los war, der will natürlich noch mal dahin. Aber das ist noch ein ganz, ganz langer Weg. Wir müssen cool bleiben und erst mal die Vorrunde überstehen.

SPORT1: Begegnen die Gegner in der Champions League dem BVB jetzt anders als vor einem Jahr?

Großkreutz: Das nehme ich doch mal an. Wir haben überzeugenden und richtig guten Fußball gezeigt. Die anderen sind auf jeden Fall gewarnt. Aber es geht um uns. Wir müssen unser Ding durchziehen ? dann wird es schwer sein, uns zu schlagen.

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