Thorsten Fink (r., neben Boss Jarchow) hat beim HSV einen Vertrag bis 2014 © getty

Kein Torjäger in Sicht, nur ein Punkt auf dem Konto, dafür aber viele Störfeuer: Der Hamburger SV kommt einfach nicht zur Ruhe.

Von Jonas Nohe und Reinhard Franke

München - An Kuriositäten waren die letzten Wochen beim Hamburger SV nicht arm.

Nach nur einem Punkt aus den ersten drei Bundesliga-Spielen ist der HSV sportlich gefordert, doch immer wieder kommen Störfeuer von außen hinzu.

Die Verantwortlichen arbeiten derweil in den letzten Tagen der laufenden Transferperiode daran, den Kader billiger und gleichzeitig besser zu machen.

Doch das könnte sich schwieriger gestalten als gedacht. Zumindest wenn man Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballer glaubt.

Wechselwarnung gegen HSV

Gegen den HSV, der einige aussortierte Profis nur noch bei der U 23 mittrainieren lässt, gebe es zumindest von ausländischen Spielergewerkschaften eine Art Wechselwarnung.

"Das ist sehr zugespitzt formuliert. Aber im Kern trifft es zu", sagte Baranowsky.

Im Gespräch mit SPORT1.fm griff er konkret den Fall Paul Scharner auf, der sich erst nach langem Hin und Her mit dem HSV auf eine Vertragauflösung einigen konnte.

"Da wundert der Kollege aus Österreich sich natürlich, wie sowas in Deutschland möglich ist und fordert natürlich auch alle auf, die Dinge besser zu lösen", sagte Baranowsky.

Vertrag mit Arnesen aufgelöst

In Hamburg reagiert man erstaunt über diese Aussagen.

HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow kann Baranowskys Warnung "nicht nachvollziehen und sie deckt sich auch nicht mit den Erfahrungen, die wir in dieser etwas hektischen Transferperiode gemacht haben", stellte Jarchow klar.

"Es ist nicht so, dass Spieler aus dem Ausland nicht mehr mit uns reden wollen."

Sportdirektor Oliver Kreuzer sagt zu SPORT1: "Es ist grundsätzlich überhaupt nicht schwer, Spieler von einem Wechsel zum HSV zu überzeugen. Wir müssen nur ganz genau gucken und abwägen, was in unserer wirtschaftlichen Situation sinnvoll und machbar ist und was eben nicht."

Interesse an Lasogga?

Auf der Suche nach einem neuen Stürmer sehen sich die Hamburger offensichtlich auch in der Bundesliga um. Neuestes Objekt der Begierde ist Pierre-Michel Lasogga von Hertha BSC Berlin.

"Ja, wir wollen Lasogga ausleihen, er geht da hin, wo es weh tut", sagte Kreuzer der "Bild".

Und in der Hauptstadt ist man nicht abgeneigt, über die Personalie zu sprechen. "Es wird viel spekuliert, aber ich weiß noch nicht, ob etwas passiert", sagte Hertha-Manager Michael Preetz.

"Es ist möglich, dass in den nächsten Tagen noch Bewegung hineinkommt. Aktiv streben wir aber nichts an"

Effenberg äußert sich kritisch

Die möglichen Gesprächspartner aus Hamburg werden derzeit aber auch von diversen Nebenkriegsschauplätzen auf Trab gehalten.

"Die Ruhe im Umfeld ist in Hamburg einfach nicht gegeben. Das ist das größte Problem beim HSV", kritisiert Ex-Bundesliga-Profi Stefan Effenberg bei "Sky".

Für die jüngste Unruhe sorgte Investor Klaus-Michael Kühne, der ausgerechnet Felix Magath als neuen starken Mann ins Gespräch brachte: "Felix Magath hat bewiesen, dass er einen Verein wieder nach oben führen kann."

Erste Gespräche mit dem ehemaligen HSV-Spieler und -Trainer soll es schon gegeben haben. "Er ist ein Mensch, der durchgreift. Und beim HSV muss durchgegriffen werden", stellte Kühne Magaths Stärken heraus.

Jarchow stärkt Fink den Rücken

Bei den derzeit Verantwortlichen lösen solche Äußerungen verständlicherweise keine Begeisterungsstürme aus. "Was Herr Kühne sagt, tangiert mich nicht", gab Präsident Jarchow zu Protokoll.

Um dann doch noch zu sagen, dass es "keine sachliche Kritik" sei. "Ich ärgere mich aber darüber, weil die Äußerungen dem HSV schaden."

Demonstrativ stellte sich Jarchow dann auch hinter einen weiteren Hauptverantwortlichen. "Thorsten Fink hat unser Vertrauen, wir werden nicht überreagieren", stärkte der Präsident seinem Trainer im "kicker" den Rücken.

Magath schweigt

Magath selbst hält sich mit Aussagen zurück.

"Es gibt keine Veranlassung, mich zum HSV zu äußern", sagte der 60-Jährige unter der Woche nur.

Mit dieser Haltung steht Magath im Umfeld der Hanseaten derzeit ziemlich alleine da.

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