Nicolas Höfler (r.) kam im Sommer von Erzgebirge Aue nach Freiburg © getty

Irgendwie typisch für's beschauliche Freiburg: Ein ehemaliger Jugendspieler markiert den Endstand. Trainer Streich bremst die Euphorie.

Freiburg - Als Trainer Christian Streich in der 61. Minute Nicolas Höfler einwechselte, war die Fußball-Welt im beschaulichen Breisgau vollkommen intakt: Sechs Spieler aus der Jugend des SC Freiburg standen zu diesem Zeitpunkt auf dem Platz. Sie ackerten, sie liefen, sie kämpften.

Und sie trotzten dem Starensemble des großen FC Bayern ein verdientes 1:1 (0:1) ab.

"Klasse, wie die Jungs gearbeitet haben. Das ist ein Erfolg des gesamten Teams. Und bitte: Soviele Eigengewächse, die gespielt haben, das ist irre", sagte Freiburgs Präsident Fritz Keller.

Streich bremst Euphorie

Nur Streich selbst fand die Sache gar nicht so berauschend.

"Eigentlich", sagte er mit Nachdruck, "kommt für viele die Bundesliga noch viel zu früh. Das ist gar nicht böse gemeint, aber wir müssen den Jungs die nötige Zeit geben und sehen, ob sie gestandene Profis werden."

Das Erfolgsgefühl gönnte er seinem Team dennoch: "So ein Erlebnis wie am Dienstag ist aber natürlich für jeden großartig."

Ganz unverhofft stand dabei eben jener 23-jährige Höfler im Mittelpunkt. In seinem erst zweiten Bundesliga-Einsatz markierte der Mittelfeldspieler kurz vor Schluss den Ausgleich und erschütterte damit das Freiburger Stadion in seinen Grundfesten. "Das ist einfach unglaublich. Davon träumt doch jeder Fußballer", sagte Höfler noch immer berauscht. ( 768235 Bilder des Spiels )

Mannschaft im Vordergrund

Irgendwie typisch für die Breisgau-Kicker stellte er dann ganz bescheiden und nüchtern die Mannschaft in den Vordergrund. "Man hat gesehen, dass immer mehr Rädchen ineinandergreifen und wir Stück für Stück vorankommen", sagte er. Matthias Ginter, mit 19 Jahren bereits Stammkraft in der Innenverteidigung, sprach sogar von einem "gefühlten Sieg."

Den Schlüssel für diesen Erfolg sah Streich unterdessen im mentalen Bereich. "Das ist primär eine Mentalitätsgeschichte. Die Bayern führen ein psychisches Zerstörungsspiel, du kommst einfach nicht an den Ball", sagte Streich in bestem alemannisch.

Seine junge Truppe habe allerdings eine extrem hohe "Frustrations-Toleranz" an den Tag gelegt und "nie aufgehört zu laufen, zu laufen, zu laufen."

Anerkennung der Bayern

Ganz nebenbei verdienten sich die Freiburger damit auch den Respekt der "Überbayern", die seit nunmehr 29 Ligaduellen in Serie ohne Niederlage sind. "Sie haben einen guten Trainer und eine junge und sehr hungrige Mannschaft. Die laufen, kämpfen und sind immer hochmotiviert. In Freiburg ist es immer schwer, zu spielen, weil sie eben bis aufs Letzte kämpfen", sagte Nationaltorhüter Manuel Neuer. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Die warmen Worte dürften Streich und Co. wohlwollend zur Kenntnis genommen haben. Und dennoch: Bei aller Zuversicht trat der Kulttrainer entschieden auf die Euphoriebremse. "Die Bayern haben richtig guten Fußball gespielt und uns klar beherrscht. Und wir brauchen noch unendliche viele Punkte, um nicht abzusteigen", sagte er.

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