Thorsten Fink (l.) und Oliver Kreuer (r.) arbeiten seit Juni 2013 zusammen © getty

Nach der Niederlage bei Aufsteiger Hertha BSC wird der Druck auf Trainer Thorsten Fink nach diversen Skandalen immer größer.

Hamburg - Die Stimmung ist mies, hinter den Kulissen fliegen die Fetzen, und der Druck auf Trainer Thorsten Fink nimmt zu: Der Hamburger SV kommt einfach nicht zur Ruhe und steht am Anfang einer Woche der Wahrheit.

Nach dem verkorksten Saisonstart (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) soll, nein muss am Samstag gegen die Null-Punkte-Truppe von Aufsteiger Eintracht Braunschweig die sportliche Wende her.

HSV auf Stürmersuche

Zudem sucht der traurige Bundesliga-Dino trotz leerer Kassen noch händeringend nach einem treffsicheren Stürmer.

"Vorne würde uns Qualität gut tun. Ich habe auf unsere Bank geschaut, da war keiner mehr, um noch einmal zu reagieren", sagte Sportdirektor Oliver Kreuzer nach der Pleite in Berlin bei Hertha BSC (0:1), "wir müssen und wollen in der Offensive noch etwas tun."

Im Gespräch ist in der Hansestadt weiter ein Ausleihgeschäft mit dem bei 1899 Hoffenheim aussortierten Angreifer Eren Derdiyok (25).

Die Transferfrist endet in diesem Sommer am 2. September.

Führungsgremien verfeindet

Doch noch viel lieber als mit einem neuen Stürmer beschäftigt sich der Klub gerade wieder einmal mit sich selbst.

Die Führungsgremien der angeblich so noblen Hanseaten sind ohnehin traditionell verfeindet.

Doch in den vergangenen Tagen hat sich der HSV regelrecht zum SV Hollywood entwickelt - und macht dem zweifelhaften Ruf der legendären Hollywood-Bayern aus den 90er Jahren alle Ehre.

Da war zuerst die sportliche Krise, die an den Nerven zerrte, dann die Mallorca-Affäre, Suspendierungs-Hickhack - vor allem aber versetzte der milliardenschwere Investor Klaus-Michael Kühne den HSV in helle Aufregung, als er in einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt" Trainer, Manager, Vorstand, Aufsichtsrat und die gesamte Vereinsstruktur verbal verprügelte.

Der Stachel sitzt noch immer tief.

Klub-Boss kontert Kühne-Aussagen

"Der HSV wäre schlecht beraten, wenn er sich von außen unter Druck setzen ließe von einer einzelnen Person, die sagt, wenn ihr das und das macht, dann kriegt ihr mein Geld. Wenn wir uns in diese Abhängigkeit begeben, wären wir schlecht beraten", konterte Klub-Boss Carl Jarchow die Kühne-Aussagen im "NDR Sportclub".

Unter anderem hatte Kühne, der im vergangenen Jahr den Transfer von Rafael van der Vaart entscheidend finanziert hatte, Vereinsidol Felix Magath als Nachfolger für Jarchow ins Gespräch gebracht.

Der FDP-Politiker verbittet sich solche Einmischungen von außen: "Man sollte ganz deutlich sagen, der HSV ist kein Verein, der sich von außen hineinregieren lässt."

Kreuzer nannte die Äußerungen eine "Frechheit".

Niederlagen werden schön geredet

Doch der Brand ist gelegt und der HSV versucht seitdem verzweifelt, das Feuer auszutreten.

Bisher ohne Erfolg. Weil eben auch auf dem Platz die Siege fehlen.

Da werden dann schon Niederlagen wie gegen Hertha schön geredet.

"Die Mannschaft war willig", sagte Fink hinterher.

Als würde der Lehrer in der Schule sagen: 'Sie waren stets bemüht'.

Ein Kompliment klingt anders, der Druck nimmt zu.

Sieg gegen den Aufsteiger Pflicht

Nach drei Spielen hat der selbsternannte Europa-League-Anwärter von der Elbe erst einen Punkt auf dem Konto und rangiert auf Platz 15.

Gegen Braunschweig ist für die Mannschaft ein Sieg Pflicht.

"Wir müssen am Samstag gewinnen, dazu gibt es keine Alternative", sagte Fink.

Trainer "hat noch Kredit"

Der Trainer, dessen Vertrag nächstes Jahr ausläuft, ist in Hamburg längst nicht mehr unumstritten, bekommt aber noch Rückendeckung.

"Er hat noch Kredit, keine Frage", sagte Jarchow.

Die Frage ist nur: Wie lange noch? Von Ruhe kann in Hamburg in der Woche der Wahrheit keine Rede sein.

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