Labbadia ist beim VfB auch an seiner vorsichtigen Attitüde gescheitert. Geduld ist keine Stärke der Schwaben.

Moritz Leitner. Mohammed Abdellaoue, Konstantin Rausch, Daniel Schwaab, Sercan Sararer.

Die Liste der Stuttgarter Zugänge liest sich gut.

Doch Papier ist geduldig.

Die Verantwortlichen des VfB sind es nicht. Trainer Bruno Labbadia musste am Montag gehen. Drei Spiele nach Bundesligastart kommt dieser Schritt früh. Überraschend kommt er nicht.

Labbadia und Stuttgart - das war eine Liaison im Laufschritt. Gehetzt von der Erwartungshaltung des Umfeldes führte der Coach die Schwaben zweimal in den Europapokal. Immerhin.

Gefeiert wurde er von den Fans dennoch nie - nicht einmal nach dem Erreichen des DFB-Pokal-Endspiels in der vergangenen Saison.

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Ein entscheidender Grund: Labbadia verkaufte keine Träume. Aufkeimende Euphorie erstickte er schnell - um mit seinem Team nach jedem Aufschwung regelmäßig in die nächste Krise zu stolpern.

Seine vorsichtige Attitüde ließ sich zuletzt nicht mehr recht mit den Forderungen der Führung vereinbaren.

Manager Fredi Bobic und vor allem der neue Präsident Bernd Wahler formulierten forsch. Sprachen von einem Platz unter den ersten Sechs, erwarteten den nächsten Schritt.

Labbadia bremste. Und wer bremst, verliert.

Das alles zerrte an den Nerven. Bei den Anhängern, bei manchem Spieler und auch beim Trainer selbst. Blies ihm der Wind ins Gesicht, reagierte der Coach dünnhäutig. Legendär: Die "Am-Arsch-geleckt"-Rede vom Oktober 2012.

Das Ende in Stuttgart könnte sich für alle Beteiligten als Erlösung erweisen - zumal Labbadia und sein ebenfalls geschasster Co-Trainer Eddy Sözer bei Teilen der Mannschaft nicht mehr ganz oben in der Gunst stand.

Der Begriff "Neuanfang" erscheint beim VfB allerdings ein wenig überstrapaziert. In den vergangenen neun Jahren verschliss der Klub acht Trainer.

Nun darf sich Thomas Schneider versuchen. Eine mutige Lösung.

Die U17 der Stuttgarter führte der Ex-Profi in der vergangenen Saison zum deutschen Meistertitel. Den Trainerlehrgang des DFB schloss er 2010 als Zweitbester seines Jahrgangs ab.

Das liest sich gut.

Doch Papier ist geduldig.

Die Verantwortlichen des VfB sind es nicht.

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