Führte Hertha BSC zurück in die Bundesliga: Trainer Jos Luhukay © getty

Die Freude über den besten Bundesligastart halten sich bei Hertha BSC in Grenzen. Eine Turbulente Woche schlägt dem Trainer aufs Gemüt.

Berlin - Den besten Berliner Bundesligastart kommentierte Jos Luhukay noch ganz sachlich, doch dann wurde der Trainer von Hertha BSC nach dem 1:0 (0:0) gegen den Hamburger SV (Bericht) hochemotional.

Mit deutlichen und eindringlichen Worten kommentierte der Niederländer die Gerüchte über das Privatleben einiger seiner Spieler. Die ganze Sache hatte ihm jedenfalls die Freude an seinem Job gründlich verdorben.

"Ich finde es schlimm - aus menschlicher Sicht und als Vater von zwei Kindern - was in den letzten Tagen hier passiert ist", sagte der 50-Jährige über die turbulente Zeit vor der Begegnung gegen den HSV:

"Man wird konfrontiert mit Dingen, die nichts mit Sport oder Fußball zu tun haben, sondern mit Privatangelegenheiten. Und das ist peinlich - für alle Beteiligten. Sehr, sehr peinlich."

Appell an "Normen und Werte"

Sichtlich beeindruckt und mucksmäuschenstill verfolgten die anwesenden Medienvertreter die emotionalen Ausführungen. In dreieinhalb Minuten gab Luhukay einen tiefen Einblick in sein Seelenleben und ließ erahnen, wie tief ihn das Geschehen erschüttert hatte.

"Ich habe in den letzten Tagen nicht geschlafen. Das sage ich ganz offen und ehrlich. Aber es geht nicht um meine Person. Auch viel mehr Menschen haben die letzten Nächte nicht geschlafen", betonte der Niederländer:

"Es wird in der Medienlandschaft und in unserer Gesellschaft nicht mehr mit Normen und Werten gehandelt. Das ist für mich persönlich viel schwieriger als ein Spiel zu gewinnen."

Schweigen am Morgen danach

Nach einer Portion Schlaf wollte Luhukay am Sonntagmorgen seine Rede nicht weiter kommentieren.

"Das, was ich gesagt habe, habe ich gesagt. Und ich möchte dazu nichts mehr hinzufügen. Für uns ist es jetzt wichtig, dass wir uns wieder auf den Fußball konzentrieren", sagte Luhukay.

Und auch die Spieler hatten sich vor dem morgendlichen Auslaufen darauf verständigt, keine weiteren Statements mehr abzugeben.

Dabei hätten Trainer und Team allen Grund zur Freude haben können. Drei Spiele, sieben Punkte, seit 15 Monaten nicht mehr vor eigenem Publikum verloren: Viel besser könnte die aktuelle Situation bei der Hertha eigentlich nicht sein. Eigentlich. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Kann mich nicht freuen"

"Ich kann mich innerlich gar nicht freuen über diesen Sieg, weil es in den letzten Tag nicht möglich war, sich 100-prozentig auf den Fußball zu fixieren", hatte Luhukay am Samstag erklärt:

"Ich glaube, wir haben etwas Historisches fabriziert, aber das spielt für mich überhaupt keine Rolle. Das ist schade, denn wir haben einen hervorragenden Start vollbracht."

In der Tat. Mindestens bis zum nächsten Wochenende steht der Hauptstadtklub auf Tabellenplatz fünf.

"Team ist gefestigt"

Adrian Ramos (74.) schoss das entscheidende Tor zum verdienten Sieg. Und anschließend mussten die Berliner Spieler bereits die ersten Fragen beantworten, ob sie sich eine ähnliche Überraschung zutrauen wie Eintracht Frankfurt in der vergangenen Saison. ( 765480 Bilder des Spiels )

Die Hessen schafften als Aufsteiger den Sprung in den internationalen Wettbewerb. Davon wollten aber weder Spieler noch Trainer etwas wissen.

"Man darf nicht vergessen, es sind erst drei Spieltage gespielt. Letztendlich ist es noch ein sehr langer Weg, um unser Ziel zu erreichen", betonte der Hertha-Coach. Und das lautet nach wie vor Klassenerhalt:

"Das Team ist nach einer starken Zweitligasaison gefestigt. Wir müssen jetzt versuchen, den Erfolg auch in der ersten Liga intakt zu halten. Wichtig ist, dass die Mannschaft ein Gerüst hat."

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