Gibt beim HSV seit Oktober 2011 die Richtung vor: Trainer Thorsten Fink © getty

Der HSV taumelt nach der Pleite in Berlin weiter durch die Liga. Eine prekäre Situation - doch offenbar nicht für alle Beteiligten.

Berlin - Krise? Welche Krise?

Auch nach einer Nacht Schlaf wollte Trainer Thorsten Fink demonstrativ nichts von einer übermäßig prekären Situation beim Hamburger SV wissen.

"Ich werde mich nicht zermürben lassen. Wir halten zusammen, der Klub hält zusammen", sagte Fink am Morgen nach dem ernüchternden 0:1 (0:0) beim Aufsteiger Hertha BSC(Bericht):

"Wir haben letztes Jahr nach drei Spielen null Punkte gehabt und waren am Ende trotzdem nah dran an den Europa-League-Plätzen. Jetzt ist die Situation sicherlich ähnlich, aber es ist besser als im letzten Jahr."

Sieglos in Hamburg

Wenn auch nur unwesentlich. Denn auch Fink weiß, dass das nur mit einem Zähler angefüllte Punktekonto nicht wirklich dazu beitragen wird, die Diskussionen rund um das Bundesliga-Urgestein zu stoppen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Von Ruhe scheint der HSV, dessen Bundesliga-Uhr am Samstag um 17.00 Uhr die Schallmauer von 50 Jahren durchbrach, derzeit so weit entfernt zu sein wie in der Tabelle vom ausgegebenen Ziel Europapokalplatz.

Insbesondere der angezählten sportlichen Leitung mit Fink und Sportdirektor Oliver Kreuzer könnte weiter stürmische Zeiten bevorstehen.

Nur ein Sieg am kommenden Wochenende gegen Eintracht Braunschweig dürfte das chronisch unruhige Umfeld erst einmal verstummen lassen.

Fink keine Leseratte mehr

"Ich konzentriere mich auf meine Mannschaft. Egal, was von außen herangetragen wird. Das kann ich nicht ändern und das kann ich nicht verhindern - ich will es aber auch nicht kommentieren", sagte Fink:

"Für mich persönlich ist es unwichtig. Ich lese zwar auch Zeitung, aber nicht mehr so viel."

Und die hatten in den vergangenen Tagen so einiges zu schreiben.

Aogo, Rincon, Kühne und Magath

Neben den Suspendierungen der Mallorca-Reisenden Dennis Aogo und Tomas Rincon gab es einen verbalen Rundumschlag des einflussreichen Investors Hans-Michael Kühne gegen fast die gesamte Führungsetage. Rücktrittsforderungen an Fink, Kreuzer und Vorstandsboss Carl-Edgar Jarchow inklusive.

Zudem der Vorschlag, Felix Magath erst als Berater und dann als Präsidenten einzusetzen.

Zwar dementierte der ehemalige HSV-Spieler und -Trainer via "Hamburger Abendblatt" Interesse an dem Führungsposten, doch auch er riet dem Verein zu einer umfassenden Neustrukturierung.

"Qualität und Charakter"

Fink und Kreuzer versuchten, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und die verdiente Niederlage durch den Gegentreffer von Adrian Ramos (74.) noch in einen Schritt nach vorne umzudeuten - das Schönreden gelang ihnen nur bedingt. ( 765480 Bilder des Spiels )

"Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie nicht führungslos ist, dass Qualität und Charakter da ist", sagte Kreuzer.

Doch auch er wünschte sich vor allem eins: "Eine Woche, in der wir uns in Ruhe auf Braunschweig vorbereiten können."

Jarchwo steht zu Fink

Denn: Das Gerede über die "Nebenkriegsschauplätze" ging alles andere als spurlos an den Spielern vorbei. "Natürlich hat das zur Leistung der Mannschaft nicht beigetragen. Vor allem in der ersten Halbzeit hat man gemerkt, dass die Mannschaft solche Aussagen nicht so gut wegsteckt", sagte Fink.

Rückendeckung gab es für den Trainer von Jarchow. "Ich bemühe mich um Realismus. Sie finden mich nicht bei denen, die sagen, wir wären schon abgestiegen", sagte der HSV-Boss im "ZDF":

"Wir sind der Meinung, dass Thorsten Fink das hinbekommt. Er hat unsere Unterstützung."

Über das Wort "Vertrauen" hätte sich der Coach vielleicht noch ein wenig mehr gefreut. Wobei: Es gibt ja nichts zu befürchten.

Denn: Krise? Welche Krise?

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