Julian Draxler (r., mit Jens Keller) verlängerte vor der Saison bis 2018 bei Schalke 04 © getty

Nach der erneuten Pleite sehen fast alle Schalker Positives und Relativierendes. Draxler hält dagegen bei SPORT1 eine Brandrede.

Von Martin Hoffman, Fabian Greve und Jürgen Blöhs

Hannover/München - Irgendwas Positives fand hinterher fast jeder, trotz allem.

"Wenn wir so auftreten wie in der zweiten Halbzeit, brauchen wir uns in den nächsten Spielen keine Sorgen zu machen", fand Schalkes Christian Fuchs vor dem SPORT1-Mikrofon.

An gleicher Stelle hielt Jermaine Jones fest: "Fehlstart würde ich jetzt nicht sagen. Wir werden auch wieder gewinnen, man sollte nicht alles zu hoch hängen."

Während Timo Hildebrand auf "zweifelhafte Entscheidungen" von Schiedsrichter Bastian Dankert verwies, "die einfach das Spiel kaputtgemacht haben. Da muss man sich überlegen, ob so jemand dem Druck in der Bundesliga gewachsen ist."

Keller: Pleite "zu erklären"

Trainer Jens Keller merkte derweil an, dass die 1:2-Niederlage bei Hannover 96 (Spielbericht) "zu erklären" sei: "Dass einige wichtige Spieler gleichzeitig ausfallen, kann keine Mannschaft verkraften." ( 765480 Bilder des Spiels )

Während sich Manager Horst Heldt daran aufrichtete, dass man "auf der Leistung in der zweiten Halbzeit aufbauen" könne.

Es ist nicht so, dass nicht jede dieser Anmerkungen ihre prinzipielle Berechtigung hätte. Alle zusammen verdichten sich jedoch auf unglückliche Weise.

Sie verdichten sich zu einer rosa Wolke, durch die ganz Schalke 04 seinen Ein-Punkte-Start immer noch zu betrachten scheint. Ganz Schalke bis auf einen: Julian Draxler (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Draxler: "Eine Frechheit"

Der nach Abpfiff merklich angefressene 19-Jährige entschied sich im Gespräch mit SPORT1 bewusst gegen alles Relativieren und Ans-Positive-Klammern.

"Ich will jetzt nicht von guten Ansätzen in der zweiten Halbzeit anfangen", erklärte das Top-Talent. Was er stattdessen wollte, machte er rasch klar: Wachrütteln.

"Was wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, war eine Frechheit", befand Draxler: "Wir reden vor dem Spiel davon, dass wir von Anfang an da sein wollen und dann stehen wir auf dem Platz und warten ab, spielen Angsthasenfußball."

Keine Ausreden gegen Saloniki

Das könne so nicht weitergehen, so Draxler: "Wenn wir so weiter spielen, werden wir die Ziele, die wir haben, nicht erreichen. Wir müssen schleunigst zusehen, dass wir die Laberei lassen und es auf dem Platz zeigen."

Beim Playoff-Rückspiel um die Champions League bei PAOK Saloniki am Dienstag müsse sich das ändern. Zu viel stehe nach dem 1:1 im Hinspiel zu Hause auf dem Spiel:

"Dienstag haben wir das wichtigste Spiel der Saison. Es gibt keine Ausreden und keine Alibis, da müssen wir von Anfang an da sein."

Vergebliches Aufbäumen

Genau das war Schalke bei der Mannschaft ihres Ex-Coachs Mirko Slomka nicht. Schon vor dem frühen Elfmeter-Gegentor durch Szabolcs Huszti (15.) samt Platzverweis für Benedikt Höwedes agierte S04 unsicher, danach völlig derangiert.

"Wir hätten eigentlich 3:0 oder 4:0 zur Halbzeit führen müssen", merkte Hannovers Artur Sobiech bei SPORT1 mit Recht an.

Es war Schalkes Glück, dass nur Mame Diouf noch traf (42.) und somit Raum für Adam Szalais Anschlusstor (55.) und ein Aufbäumen gegen die Niederlage ließ.

Es war Schalkes Pech, dass das Aufbäumen vergeblich blieb.

Alle Baustellen bleiben

Denn so ist Schalke nichts von dem losgeworden, was den Klub vor dem 20-Millionen-Spiel gegen Saloniki belastet:

Nicht die frühe Krise. Nicht die Personalnot, die sich trotz leichter Blessuren bei Leon Goretzka und Joel Matip aber wenigstens nicht verschlimmerte.

Und auch nicht das Gerede, ob der Klub nicht neue Spieler und/oder einen neuen Trainer gebrauchen könnte.

Heldt: Treffen mit Babbel?

"Es hat mich letztes Jahr nicht berührt und es berührt mich jetzt auch nicht", meinte Keller bei SPORT1 zur Debatte um seine Person.

Sämtliche Spieler - Draxler inklusive - stellten sich derweil ebenso hinter den Coach wie Manager Horst Heldt.

"Ich werde hier hetzt keine Trainerdiskussion anfangen", sagte Heldt. Wahrscheinlich wohlwissend, dass er sie längst nicht mehr anzufangen braucht. Und dass ihr auch noch eine Managerdiskussion folgen könnte, wenn Keller die Kurve nicht bekommt.

Die Nachrichtenagentur "SID" berichtet schon von einem Treffen Heldts mit seinem alten Stuttgarter Weggefährten Markus Babbel.

Podolski kommt wohl nicht

Auch Transferfragen werden immer heißer diskutiert.

Das von Schalke nicht dementierte Interesse an Lukas Podolski scheint zwar zu nichts zu führen. Arsenal-Coach Arsene Wenger betonte am Samstag, dass Podolski bei den "Gunners" bleiben werde.

Andere Verstärkungen wird Schalke aber wohl brauchen. "In jedem Mannschaftsteil würde uns ein neuer Spieler nicht schaden", findet ein Mann, der bei Schalke künftig wohl verstärkt das Wort ergreifen will.

Sein Name: Julian Draxler.

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