Nach 67 Minuten war Götzes erster Bundesliga-Auftrit für die Bayern beendet © imago

Der teuerste Sommer-Neuzugang der Bayern sucht nach langer Pause noch seine Form. Gegen Nürnberg entscheiden Andere das Spiel.

Vom FC Bayern berichten Mathias Frohnapfel und Tobias Wiltschek

München - Der Zufall wollte es so.

Mario Götze musste bei seinem Bundesliga-Debüt für die Bayern gegen den 1. FC Nürnberg (Bericht) zur Doping-Kontrolle.

Der Neuzugang hatte also eine gute Begründung dafür, dass er sich erst eineinhalb Stunden nach dem 2:0-Sieg im bayerisch-fränkischen Derby ( 765480 Bilder des Spiels ) den noch ausharrenden Journalisten stellte.

Wegen seiner Leistung allein hätte es sich sicherlich nicht gelohnt, so lange auf ihn zu warten. Doch er ist mit 37 Millionen Euro nun mal der teuerste Sommer-Einkauf des Rekordmeisters. Da ist jedes Wort Gold wert. Fast.

"Wichtig zu spielen"

Götze beschränkte sich bei seinen Ausführungen dann aber auf Weniges. "Für mich war es wichtig zu spielen. Nach so einer Reha-Zeit und so einem Wechsel war das sehr wichtig", sagte der ehemalige Dortmunder auf SPORT1-Nachfrage.

Dass ihm nach überstandener Muskelverletzung und einer Pflichtspiel-Pause von mehr als vier Monaten noch nicht alles gelang, durfte nicht verwundern.

"Man wird ein Stück Geduld haben müssen", weiß auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, "aber man hat gesehen, dass er ein großartiger Fußballer ist." Trainer Pep Guardiola meinte: "Götze hat gut gespielt für sein erstes Spiel nach der langen Verletzung."

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Ballverluste und vergebene Chance

Der Nationalspieler, der nach 67 Minuten ausgewechselt wurde, hätte "natürlich gerne ein Tor geschossen". Doch neben einigen Ballverlusten wies seine persönliche Statistik eben auch eine ungenutzte Möglichkeit auf, als er aus kurzer Entfernung am überragenden Nürnberger Schlussmann Rapahel Schäfer scheiterte.

Die Treffer zum verdienten Erfolg des Triple-Siegers gegen tapfere Franken erzielten zwei andere Offensivkünstler:

Franck Ribery (69.) und Arjen Robben (78.) sorgten mit ihren Toren für den perfekten Start der Bayern, die nach drei Spieltagen punktgleich mit Tabellenführer Borussia Dortmund und den zweitplatzierten Leverkusenern auf Platz drei liegen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Ribery mit Köpfchen

Zum Mann des Spiels schwang sich erneut der Franzose Ribery auf, der sich aber nicht nur durch seine aberwitzig schnellen Dribblings noch einmal eindrucksvoll für die Wahl zu Europas Fußballer des Jahres am kommenden Donnerstag empfahl.

Bei seinem Führungstor bewies er eine für ihn noch weitgehend unbekannte Qualität. Per Kopf zirkelte der nur 1,70 Meter große Flügelflitzer den Ball unhaltbar ins Netz.

"Viel Adrenalin"

"Das war emotional, da war sehr viel Adrenalin dabei", beschrieb Ribery bei "Sky" seine Gefühle nach dem Tor, das er mit einem atemberaubenden Sprint zur Ersatzbank der Bayern feierte: "Ich glaube, das erste Tor war sehr wichtig für uns."

Nur neun Minuten später beseitigte Robben dann mit einem sehenswerten Solo und dem 2:0 alle Zweifel am Sieg des FCB im 187. Derby gegen Nürnberg.

Dass sich die Münchner lange schwer getan haben, lag nicht nur an einer couragierten Vorstellung des "Club", sondern auch an der anhaltenden Ideenlosigkeit der Gastgeber.

"Wir hätten noch mehr den Abschluss suchen sollen", stellte Jerome Boateng fest. Im Spiel nach vorne war vor allem in der ersten Halbzeit tatsächlich noch viel Sand im Getriebe.

Müller und Kroos kommen

Man merkte den Neuzugängen Götze und Thiago Alcantara an, dass sie ihren Part im Offensiv-Spiel der Bayern noch finden müssen. Mit den eingewechselten Thomas Müller und Toni Kroos gewannen die Angriffe der Guardiola-Truppe spürbar an Kontur.

Auch was die Abstimmung in der Abwehr betrifft, steht dem spanischen Trainer noch eine Menge Arbeit bevor. Wie schon in den ersten beiden Bundesliga-Spielen war die Defensive auch gegen den FCN anfällig.

"60 Minuten ein Riesenspiel"

Nach einer Viertelstunde ließen die Verteidiger Nürnbergs Daniel Ginczek gewähren. Hätte der den Ball statt an die Latten-Unterkante ins Netz gedroschen, hätten die Bayern erstmals in dieser Saison einem Rückstand hinterherlaufen müssen.

"Wir haben 60 Minuten lang ein Riesenspiel gemacht", analysierte Ginczek zutreffend.

Die Nerven der Hausherren konnte indes auch ein unberechtigter Elfmeter nicht beruhigen. David Alaba scheiterte nach einer guten halben Stunde am starken Schäfer.

So musste es am Ende wieder einmal "Robbery" für die Bayern richten.

Bis Götze zu einem spielentscheidenden Faktor wird, dauert es wohl noch seine Zeit.

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