Der FSV Mainz 05 spielt seit dem Jahr 2009 im deutschen Fußball-Oberhaus © getty

Die 05er wahren gegen Wolfsburg die Weiße Weste, die Fans träumen von einem Startrekord wie mit Holtby und Schürrle. Tuchel bremst.

Mainz - Nach dem Traumstart in der Bundesliga forderten die glückseligen Fans des FSV Mainz 05 schon lautstark den "Europapokal" - doch Trainer Thomas Tuchel verpasste der Euphorie gleich den ersten Dämpfer.

"Wir werden jetzt nicht anfangen zu träumen", sagte der 39-Jährige, der sein Team mit neuer Marschroute zum 2:0 (0:0) gegen den VfL Wolfsburg (Bericht) geführt hatte: "Das ist vielleicht die alte Leier, aber auch die Wahrheit. Wir werden das genießen und nicht abheben."( 765480 Bilder des Spiels )

Mit neun Punkten aus drei Spielen stehen die Mainzer so gut wie zuletzt vor drei Jahren da, damals holte die legendäre "Boyband" um die heutigen Nationalspieler Lewis Holtby und Andre Schürrle sogar sieben Siege in Serie.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Darüber haben wir noch gar nicht nachgedacht", sagte Tuchel zwar etwas verblüfft - gerade aber die beiden Torschützen Eric Maxim Choupo-Moting (60.) und Top-Torjäger Nicolai Müller (78.) haben durchaus das "Starpotenzial" ihrer Vorgänger.

Müller hat einen Lauf

"Nicolai ist in einem Flow", sagte Tuchel: "Wir werden das so lange pflegen wie es geht. Mittlerweile schießt er ein 'Tor des Monats' nach dem anderen."

Der 25-Jährige, der in den letzten sieben Pflichtspielen acht Tore erzielte, blieb bescheiden.

"Im Moment muss ich nicht viel überlegen", sagte der Nationalspieler, der in dieser Form immer mehr zum WM-Kandidaten für Bundestrainer Joachim Löw reift: "Ich genieße den Moment."

Party-Stimmung in Mainz

Das taten am Samstagabend auch die 27.103 Zuschauer, die nach dem ersten Sieg gegen allerdings zahnlose "Wölfe" seit acht Jahren in Scharen zum Mainzer Sommerfest am alten Bruchweg-Stadion weiterzogen.

"Die Mannschaft strahlt einen unheimlichen Zusammenhalt aus und lebt unsere Werte vorbildlich", sagte Tuchel.

Diese Werte hatte der Coach vor dem Spiel leicht korrigiert. Mehr ergebnisorientiert soll der "Karnevalsverein" in Zukunft spielen, hatte Tuchel vorgegeben.

Wolfsburg drückend überlegen

Gegen Wolfsburg deutete tatsächlich lange nichts auf einen Heimsieg hin, der VfL war bei strömenden Regen deutlich überlegen.

"Wolfsburg hat ein sehr gutes Spiel gemacht und damit ist klar, was für eine Leistung das von uns war", meinte Tuchel.

Es sei ein "dickes Kompliment" gegen die individuelle Qualität des Gegners bestanden zu haben.

Der mit der vermeintlich größten Qualität erwies den Wolfsburgern in seinem zweiten Spiel im VfL-Trikot einen Bärendienst.

Hecking angefressen

Mit seiner Gelb-Roten Karte (64.) verpasste der 20-Millionen-Neuzugang Luiz Gustavo dem ambitionierten Werksklub nach dem starken Auftritt gegen Schalke 04 (4:0) gleich wieder einen Dämpfer.

"Was soll ich großartig sagen", kommentierte der sichtlich angefressene Trainer Dieter Hecking: "Ich habe ein richtig gutes Spiel gesehen mit dem negativen Zusatz, das die hochkarätigen Torchancen gefehlt haben."

Der Platzverweis sei "berechtigt" gewesen, meinte der 48-Jährige.

Allofs hadert mit Schiedsrichter

VfL-Manager Klaus Allofs haderte hingegen mit Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer.

"Natürlich kann man das geben", sagte Allofs: "Aber wir haben jetzt zum zweiten Mal einen Spieler verloren, der zwei Fouls begangen hat."

Taktische Fouls wie das zweite von Gustavo habe es in der ersten Halbzeit zuhauf gegeben.

"Einmal wird das geahndet und einmal nicht. Das ist inkonsequent", ergänzte Allofs: "Dann muss man diese Karte immer geben und das muss ich dem Schiedsrichter vorwerfen."

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