Robert Lewandowski (r.) spielt seit 2010 für den BVB © imago

Der Stürmer trifft gegen Bremen. Vor allem aber malocht er gegen Bremen. Von den BVB-Fans wird das angemessen honoriert.

Aus Dortmund berichtet Nils Hotze

Dortmund ? Als Schiedsrichter Felix Zwayer abpfeift, stemmt Robert Lewandowski die Hände in die Hüften.

Borussia Dortmunds Torjäger pfeift in diesem Moment aus dem letzten Loch. Im nächsten wandern seine Hände runter Richtung Knie. Borussias Siegtorschütze beim 1:0 gegen Werder Bremen (Bericht) ist wirklich fix und fertig.

Kein Wunder! Seine Gegenspieler Assani Lukimya und Sebastian Prödl könnten auch als Schrankwand bei IKEA stehen.

Lewandowski hatte in diesem Spiel nicht so glänzen können wie jener Lewandowski, der im Champions-League-Halbfinale in einem einzigen Spiel vier Tore gegen Real Madrid geschossen hat. Der Stürmer hatte sich rein- und schließlich durchbeißen müssen.

Lohn für Riesenengagement

Wichtigste Erkenntnis des Abends: Er hat es getan! ( 765480 Bilder des Spiels )

Robert Lewandowski hat gegen Bremen vor allem malocht. Damit hat er auch Zweifel beseitigt. Die Zweifel, er könnte genau dazu womöglich nicht mehr bedingungslos bereit sein. Das Tor war dann verdienter Lohn seiner Mühen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Statt der Jubelmelodie hätten sie anschließend also auch die Skorpions spielen können. Wind of change.

Klopp freut sich mit

Denn das Volk spendete Honorar in Form von Applaus. Es jubelte ihm zu. Ihm, der eigentlich längst da sein wollte, wo Mario Götze schon ist. Bei Bayern. Beim wenig beliebten Branchenprimus.

Und auch Jürgen Klopp war zufrieden: "Das 25. Tor kann jeder schießen. Es freut mich, dass Lewy das Tor geschossen hat. Er wurde dafür belohnt, dass er gearbeitet hat wie ein Stier."

Dem BVB-Coach entging aber nicht, dass sein Team vor und nach dem Tor in der 55. Minute wieder mal zig gute Möglichkeiten ausließ.

Chancenverwertung ausbaufähig

"Ich finde nicht, dass nach neun Punkten aus drei Spielen die mangelnde Chancenverwertung das coolste Thema ist", kommentierte er lässig und fügte an: "Diesen Teilbereich müssen wir aber verbessern, auch in allen anderen Bereichen haben wir noch Luft nach oben. Aber was soll ich herummeckern?"

Zumal ja sein Torgarant Lewandowski zugeschlagen hatte.

Aus der Kombination von guter Arbeit und angemessener Honorierung könnte wiederum durchaus größere Wirkung ausgehen. Zum Beispiel ein Schulterschluss.

Guter Start - gutes Omen?

Der BVB jedenfalls ist dank des Lewandowski-Tores so gut in die Saison gestartet wie erst zweimal zuvor in seiner Geschichte. 1994/95 und 2001/02. Beide Male war Dortmund am Ende der Saison Meister.

Anders herum: Nach drei Siegen in den ersten drei Spielen ist der BVB bisher immer Meister geworden!

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Robert Lewandowski wiederum hat nach all dem Gerede um seine Person, um seinen so sehr gewollten Wechsel nach München, Taten sprechen lassen.

Taten interessieren mehr als Worte

Damit hat er eine wesentliche Vorgabe seines Trainers gegen Bremen erfüllt. Jürgen Klopp hatte schon vor Saisonbeginn gesagt: "Für mich ist das, was er tut, 1000 mal wichtiger als das, was er sagt."

Kurz zuvor hatte Lewandowski ? je nach Übersetzung unterschiedlich deutlich ? eine Zeit angekündigt, in der er womöglich mit schlechter Stimmung zum Spiel komme.

Es folgte die üppige Gehaltserhöhung, die der BVB als lange geplante Gehaltsanpassung verkauft hat. Und die überdies auch noch öffentlich geworden war.

Jetzt hat Lewandowski, der fortan seinem Marktwert angemessen entlohnt wird, erstmals zurückgezahlt.

Lewandowski unter Dauerbeobachtung

Was bleibt, ist die latente Gefahr, dass Robert Lewandowski in dieser Saison in jedem einzelnen Spiel sehr genau beobachtet wird. Manchmal vielleicht zu genau, zu kritisch. Dass zu viel hineininterpretiert wird in sein Tun.

Was aber auch bleibt, ist die Gewissheit, dass der Torjäger offensichtlich damit umgehen kann.

Sein Hunger scheint auf jeden Fall groß. "1:0 zu Hause ist zu wenig. Ich hoffe, es wird bei uns noch besser", sagte Lewandowski am Freitagabend.

Als seine Wechselabsichten nach München im vergangenen Winter erstmals publik wurden, legte er eine Serie von zwölf Spielen hin, in denen er mindestens einmal traf.

Robert Lewandowski ist für Borussia Dortmund extrem wertvoll. Und wer weiß jetzt schon, was in einem Jahr sein wird?

Dutt mit Startphase zufrieden

Robin Dutt beschäftigte sich ohnehin nur mit der Gegenwart.

"Das war ein verdienter Sieg des BVB, der durchaus noch höher hätte ausfallen können - auch wenn wir in den ersten 30 Minuten eine sehr, sehr gute Ordnung hatten", sagte Bremens Coach.

"Defensiv wird es bei uns immer besser, offensiv wird es noch ein bisschen dauern."

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