Die HSV-Fans sind seit der Bundesliga-Gründung dabei © getty

Das deutsche Erfolgs-Modell Bundesliga ist ein halbes Jahrhundert alt. DFL-Boss Rauball scheut Vergleiche nicht.

München - Die Lobeshymnen sind gesungen, die großen Feierlichkeiten beendet, das Feuerwerk abgebrannt: Nachdem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) vor zwei Wochen in Berlin im festlichem Rahmen das Silber-Jubiläum der Bundesliga vorzeitig und ausgiebig gefeiert haben, wird der 50. Geburtstag der deutschen Eliteklasse am Samstag ohne großes Tamtam über die Bühne gehen.

In der 51. Saison steht schlichtweg der dritte Spieltag auf dem Programm, an dem die Institution Bundesliga wieder Hunderttausende in die Arenen und Millionen von Fans vor den Fernseher lockt.

Zwei Milliarden Euro Umsatz

"Es haben in erste Linie die Medien dazu beigetragen, dass aus diesem Event wirklich ein Weltereignis geworden ist. Fußballübertragungen, selbst Bundesligaspiele, werden heute in aller Welt gezeigt. Man sieht also, welche Transparenz der Fußball mittlerweile besitzt", erklärt Kaiser Franz Beckenbauer insgesamt das Phänomen Fußball und die Anziehungskraft der Bundesliga, die derzeit rund zwei Milliarden Euro umsetzt.

"Die Bundesliga ist eine Erfolgsgeschichte", sagt denn auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach angesichts der im Großen und Ganzen immer weiter steigenden Zuschauer- und Umsatzzahlen.

Löw: "Bundesliga am Höhepunkt"

Der wiedergewählte Liga-Boss Reinhard Rauball sieht die Bundesliga, seit 2001 unter dem Dach der DFL, mittlerweile sogar in vielerlei Hinsicht als Nummer eins in der Welt: "Was die Spannung des Wettbewerbs, die Infrastruktur und die wirtschaftliche Prosperität anbelangt, muss die Bundesliga sich vor niemandem mehr verstecken. Auch nicht vor England mit der Premier League."

Das sieht Bundestrainer Joachim Löw ähnlich: "Nach 50 Jahren habe ich das Gefühl, die Bundesliga ist auf dem Höhepunkt."

Aber auch wenn die Bundesliga, nicht zuletzt durch den gewonnenen Champions-League-Titel von Rekordmeister Bayern München im deutschen Finale gegen Borussia Dortmund, derzeit on top ist, gab es in dem halben Jahrhundert auch diverse Tiefpunkte.

70er von Skandal überschattet

In den sogenannten goldenen 70er-Jahren erschütterte der vom Offenbacher Präsidenten Horst-Gregorio Canellas in der Saison 1970/71 losgetretene Bundesliga-Skandal das Land und die Liga in ihren Grundfesten.

Kickers Offenbach und Arminia Bielefeld wurde damals die Lizenz entzogen, 52 Spieler, zwei Trainer und sechs Funktionäre wurden verurteilt.

In der jüngeren Vergangenheit warf der Schiedsrichter-Skandal um Robert Hoyzer, der wegen Bestechlichkeit sogar hinter Gitter musste, 2005 einen dunklen Schatten auf die Traumwelt Bundesliga. Unter dem Strich bleibt die im Juli 1962 vom DFB-Bundestag in Dortmund ins Leben gerufene Bundesliga aber der Deutschen liebstes Kind.

Mittlerweile kann man nahezu an jedem Ort alle Spiele live verfolgen, nicht nur im Fernsehen, sondern auch auf dem Computer, dem Tablet-PC oder dem Smartphone.

HSV immer dabei

Entsprechend sind nicht nur die Spielerhonorare, bei Bundesligagründung auf maximal 1200 Mark brutto beschränkt, sondern auch die Fernsehgelder explodiert.

647.000 Mark erhielt die Liga in der Saison 1965/66, als es noch Schwarz-Weiß-Bilder gab. Derzeit überweist alleine der Bezahlsender "Sky" 628 Millionen Euro.

Darüber freut sich nicht nur der Hamburger SV, der als einziger Klub seit dem Bundesligastart mit acht Spielen am 24. August 1963 ununterbrochen dabei ist.

Rekordhalter Körbel und Müller

Persönliche Bestmarken halten Karl-Heinz Körbel, der mit 602 Einsätzen (1972 bis 1991 alle für Eintracht Frankfurt) ebenso unangefochten Rekordspieler ist wie Gerd Müller Rekordtorschütze.

Der Bomber der Nation erzielte 365 Treffer in 427 Spielen für Bayern München. Das erste Bundesliga-Tor schoss der im vergangenen Jahr verstorbene Dortmunder Timo Konietzka nach 58 Sekunden bei Werder Bremen (Endstand 3:2 für Werder).

Den ersten Meistertitel feierte 1964 souverän der 1. FC Köln mit seinem legendären Kapitän Hans Schäfer.

Zuschauer: Berlin mit Top- und Minuswert

Rekordmeister ist Bayern München mit 22 Bundesliga-Titeln. Der Zuschauerrekord datiert vom 26. September 1969, als 88.075 Fans im Berliner Olympiastadion das Match zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Köln verfolgten.

Auch der Minusrekord wurde in der Hauptstadt aufgestellt. Nur 827 Besucher Fans waren am 15. Januar 1966 bei der Partie Tasmania Berlin gegen Borussia Mönchengladbach dabei. Während in der ersten Saison durchschnittlich rund 25.000 Zuschauer die Stadien besuchten, sind es aktuell knapp 42.000.

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