Sokratis wechselte zu Beginn dieser Saison für 8 Millionen von Werder zum BVB © getty

Der Grieche macht Hummels und Subotic Beine und drängt auf mehr Einsätze beim Vize-Meister. Auch beim BVB gibt?s keine Stammspieler mehr.

Aus Dortmund berichtet Nils Hotze

Dortmund - Sie klatschen sich immer noch ab, bevor es hinaus geht. Hinaus aus der Kabine, hinein ins Stadion.

Sie blicken sich dabei tief in die Augen. Spieler und Spieler, Spieler und Trainer. Jeder sagt ein aufmunterndes Wort, manch einer schreit es auch heraus. Nur einer nicht.

Sokratis Papastathopoulos spricht nicht. Sokratis Papastathopoulos knurrt nur. Wie ein Terrier.

Dortmunds Neuzugang aus Bremen macht das sogar vor Testspielen gegen unterklassige Gegner so. Bei denen er überdies gar nicht in der Startelf steht.

Dann schlägt er ein. Besser: Dann schlägt er zu. So hart, dass manch einer lieber wegziehen würde.

"Er kann schon relativ einschüchternd sein." Hat Trainer Jürgen Klopp festgestellt.

Begegnung mit dem Ex

Man kann sich also hübsch ausmalen, was für Kräfte beim Griechen freigesetzt würden, würde ihn sein Trainer zum Auftakt des dritten Bundesliga-Spieltags am Freitagabend (20 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE auf SPORT1.fm) von der Leine lassen.

Gegen Werder Bremen. Gegen seinen Ex-Verein.

Allein: Die Begegnung mit dem Ex ist etwas für Romantiker. Fußball-Trainer aber sind selten Romantiker. Und Jürgen Klopp noch seltener.

Will sagen: Sokratis wird sicher nicht gegen Bremen spielen, nur weil es gegen Bremen geht.

Allerdings ist für die Besprechung dieser Personalie gar nicht so entscheidend, was heute Abend sein wird. Spannend ist, was bereits war.

Keine Startelf-Garantien mehr

Sokratis hat nämlich schon am vergangenen Sonntag gegen Braunschweig gespielt. Neven Subotic hat dafür auf der Bank gesessen.

Und der Serbe war nicht angeschlagen. Auch dürfte er wohl kaum Schonung gebraucht haben. Es war der zweite Spieltag.

Subotic war vorher auch nicht schlecht. Nein, Subotic ist schlicht rausrotiert worden. Offensichtlich gibt es auch in Dortmund den klassischen Stammspieler nicht mehr. Das ist neu.

Kapitän drängt auf Einsatz

Anders als in München reden sie beim BVB aber nicht so viel darüber. Sie handeln einfach danach. Schon gegen Bremen könnte die Rotation an anderer Stelle angeworfen werden.

Zum Beispiel auf der Doppel-Sechs. Sebastian Kehl wäre jedenfalls mal an der Reihe. Der Kapitän hat in der Liga noch gar nicht gespielt.

Für die Innenverteidigung galt bisher: Sind Hummels und Subotic fit, dann spielen Hummels und Subotic. Seit Sommer 2008, als beide gemeinsam so richtig beim BVB begonnen haben, hat Hummels in fünf Spielzeiten 148 Bundesligaspiele bestritten.

Subotic exakt genauso viele. Von jeweils 170 möglichen.

Jetzt sagt Jürgen Klopp: "In dieser Saison wollen wir die Belastungen verteilen." Und: "Die Idealsituation ist, dass draußen ein sehr guter Spieler sitzt, während ein anderer sehr guter Fußballer sehr gut spielt."

Argumente für Sokratis

Sokratis hat gegen Braunschweig sehr gut gespielt. Er hat getan, was er tun konnte. Auch Klopp hat gesagt: "Das hat mir gut gefallen."

Doch Subotic gefällt Klopp meistens auch gut. Eine gute Leistung allein ist also kein Argument mehr.

Argumente für den Griechen? "Papa" liebt den Kampf Mann gegen Mann. Er ist kopfballstark. Er ist robust. Standhaft. Stoisch. Unnachgiebig. Wäre er nur einen Tick größer, könnte er auch als Koloss vor Rhodos stehen.

Der Braunschweiger Marco Caligiuri beispielsweise ist schlicht an ihm abgeprallt.

"Papa" ist zugleich aber auch pfeilschnell. Und er hat großes taktisches Verständnis. All das spricht für ihn.

"Habe Pflicht erfüllt"

Er selbst hat auch vor der Begegnung mit den Ex-Kollegen nicht viel gesprochen. Mit seinem Einstand ? immerhin ? sei er zufrieden gewesen.

"Ich habe meine Pflicht erfüllt." Mehr gebe es dazu aber wirklich nicht zu sagen. Sokratis knurrt offensichtlich lieber.

Und Bremen? Neulich war er noch dort. Beim Griechen, im Schatten des Weserstadions. "Bremen", sagt er: "War eine wichtige Phase in meiner Karriere." Das ist wohl so.

Einst im Schatten von Nesta

Bremen folgte auf die Phase, in der er zu früh beim AC Mailand war. Auf die Phase, in der er sich nicht gegen einen gewissen Alessandro Nesta und einen Thiago Silva hatte durchsetzen können.

Man könnte auch sagen, Sokratis hat die Bremer Jahre gebraucht, um sich in einer europäischen Top-Liga zu etablieren.

Er selbst sagt immerhin noch: "Die Freundschaft wird in den 90 Minuten ruhen."

Das wiederum klingt schon wieder gefährlich nach Terrier.

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