Klaus Allofs steht beim VfL Wolfsburg bis zum Juni 2016 unter Vertrag © getty

Manager Klaus Allofs erklärt bei SPORT1 die Pläne der Wolfsburger mit ihrem neuen Star und die Chefrolle im VfL-Mittelfeld.

Von Reinhard Franke

München - Erst aufräumen, jetzt aufbauen: Als Klaus Allofs im November 2012 nach 14 Jahren als Manager bei Werder Bremen zum VfL Wolfsburg wechselte, erwartete ihn eine Herkulesaufgabe. Die Niedersachsen standen im hinteren Tabellendrittel und Allofs musste den aufgeblähten Kader erheblich ausdünnen.

Neun Monate später hat der VfL in Luiz Gustavo einen 17,5 Millionen Euro teuren Triple-Sieger in den eigenen Reihen und strotzt nach dem 4:0 am vergangenen Wochenende gegen Schalke 04 vor Selbstvertrauen. Der Blick richtet sich beim Deutschen Meister von 2009 wieder nach oben. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Vor dem Spiel beim FSV Mainz 05 (Sa., ab 15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) spricht Allofs im SPORT1-Interview über seinen Königstransfer und die Entwicklung bei den "Wölfen".

SPORT1: Herr Allofs, täuscht der Eindruck oder herrscht gerade eine Art Aufbruch-Stimmung beim VfL?

Klaus Allofs: Ich will es jetzt nicht zu groß machen, aber insgesamt herrscht eine positive Grundstimmung. Das liegt nicht nur an dem Sieg gegen Schalke, sondern es haben sich seit Beginn der Vorbereitung einige Dinge sehr positiv entwickelt. Es gibt die Politik der kleinen Schritte, speziell, was die Entwicklung unseres Kaders angeht.

SPORT1: Ist die Verpflichtung von Luiz Gustavo der Türöffner für den nächsten großen Schritt?

Allofs: Wir hatten einen guten Kader mit großem Potenzial, haben aber auch gesagt, dass wir für unsere mittelfristigen Ziele nochmal Verbesserungen vornehmen müssen. Er könnte diese zusätzliche Qualität sein, aber ich will ihn da nicht zu sehr in die Verantwortung nehmen.

SPORT1: Wie kam der Deal mit Gustavo zustande?

Allofs: Ich bin schon lange in dem Job und man hat immer Vorstellungen, was man erreichen will. Wir hatten schon vor Monaten über Gustavo nachgedacht und schon da war er ein Sinnbild für uns. Es war natürlich super, dass wir den Spieler, den wir immer wollten, auch bekommen haben. Toll ist es auch, dass der Verein bereit ist, so einen Transfer zu stemmen. Gustavo ist nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich eine sinnvolle Verstärkung.

SPORT1: Spürt man auch ein wenig Stolz, wenn so ein Transfer gelingt?

Allofs: Er hat ja erst ein Spiel gemacht. Stolz kann man über die Grundstimmung in Wolfsburg sein, die vor einigen Monaten noch ganz anders war. Wir wollten hier im Verein einiges bewegen und ich glaube, dass die Begeisterung für den VfL wieder zurück ist. Dazu haben wir uns auch außerhalb von Wolfsburg eine gewisse Anerkennung erarbeitet.

SPORT1: Ist der Gustavo-Transfer auch eine Kampfansage an die Konkurrenz?

Allofs: Wir kennen unsere Stärken und Schwächen, wollen vor allem an den Schwächen arbeiten und wollen weniger auf Andere schauen. Kampfansagen in Richtung Bayern oder Dortmund wird es sowieso nicht geben, aber das auch in andere Richtungen rauszuhauen macht keinen Sinn. Es waren nicht wenige Experten vor der Saison dabei, die getippt haben, dass mit uns wieder zu rechnen ist. Das zeigt, dass man genau hinschaut, was beim VfL passiert.

SPORT1: Sind weitere Transfers von der Größenordnung Gustavo geplant?

Allofs: Nein, das ist nicht angedacht. Das mit Gustavo war eine besondere Situation.

SPORT1: Wer wird nun Chef im VfL-Mittelfeld? Gustavo oder Diego?

Allofs: Wir haben einen Defensiv-Chef und einen Offensiv-Chef, dann haben wir noch einen Torwart-Chef und auch einen Stürmer-Chef (lacht). Luiz hat diese natürliche Autorität auf dem Platz. Er ist mit vier Titeln (Triple mit Bayern und Sieg beim Confed Cup, Anm. d. Red.) zu uns gekommen, das ist ein Riesenpfund. Dass er da in eine gewisse Chef-Rolle hineinwachsen wird, ist klar. Er wird aber nicht der Ober-Chef sein. Es gibt bei uns einige Führungsspieler. Es ist besser, wenn sich die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt.

SPORT1: Kann man einen Triple-Gewinner und WM-Aspiranten auf Dauer ohne Titel zufrieden stellen?

Allofs: Ich gehe davon aus, dass Luiz die WM mit Brasilien bestreitet und dass er dort mit seinem Team zu den Favoriten gehört. Wenn es beim VfL in der Zeit keine Entwicklung in Richtung internationale Plätze gibt, dann müssen wir wissen, dass andere Begehrlichkeiten aufkommen. Man muss unsere Pläne erkennen, um solche Spieler halten zu können.

SPORT1: Sind die Bayern und Dortmunder auf Jahre enteilt oder will der VfL auch nochmal ganz oben anklopfen?

Allofs: Wir waren im letzten Jahr Elfter und hatten schon weiche Knie, weil es nach unten nicht weit war. Aus dieser Situation jetzt die komplette Kehrtwende zu machen, das wäre völlig falsch und auch gar nicht berechtigt. Aber, wenn man nicht gegen den Abstieg spielt, spielt man ja schon fast um die internationalen Plätze. (lacht) Bei diesem Kampf wollen wir mit dabei sein. Wenn unsere Entwicklung schneller voran geht, dann werden wir das nicht bremsen.

SPORT1: Am Samstag geht es nach Mainz. Fährt man durch das neue Wir-Gefühl jetzt noch selbstbewusster dort hin?

Allofs: Wir sind schon sehr selbstbewusst nach Hannover gefahren. Nach dem Sieg gegen Schalke ist unser Selbstbewusstsein natürlich noch gestärkt. Wir wissen aber auch, dass der kleinste Fehler bestraft wird. Wir haben das gegen Schalke gut hinbekommen und nicht verkrampft gespielt - mit dem Wissen um die eigene Stärke. Das erwarte ich auch in Mainz.

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