Anthony Modeste stammt aus der Jugendabteilung des OGC Nizza © getty

Vor dem Spiel gegen Freiburg ist bei 1899 Hoffenheim ein Aufschwung erkennbar. Der neue Stürmer Anthony Modeste zeigt sich bei SPORT1 zufrieden.

Von Reinhard Franke

München - Anthony Modeste strahlt in diesen Tagen über das ganze Gesicht.

Und das liegt nicht nur am schönen Wetter. Dem 25 Jahre alten Angreifer von 1899 Hoffenheim geht es richtig gut nach dem Traumstart bei seinem neuen Klub. In seinen ersten zwei Ligaspielen erzielte der Franzose gleich drei Tore.

"Natürlich ist es für einen Stürmer immer schön, zu treffen. Ich freue mich, dass ich der Mannschaft mit den Toren helfen konnte", sagt Modeste im Gespräch mit SPORT1, "aber im Grunde ist es nicht wichtig, ob ich treffe oder ein anderer Spieler. Wir wollen als Mannschaft guten Fußball spielen und so viele Punkte wie möglich sammeln. Dieses Ziel steht über jedem einzelnen."

Vertrauen von Gisdol

Gut, das klingt nicht gerade neu. Was aber sind die Gründe für seinen tollen Einstand?

"Ich fühle mich hier einfach wohl. Obwohl ich erst sechs Wochen im Klub bin, habe ich das Gefühl, schon viel länger hier zu sein und dazuzugehören."

Und er fügt hinzu: "Markus Gisdol vertraut mir und spricht oft mit mir."

Ein gutes Gefühl gebe ihm der Zuspruch des Trainers, ergänzt Modeste.

Modeste lobt die "sehr gute Stimmung"

Der Stürmer war maßgeblich an Hoffenheims gutem Start mit vier Punkten aus zwei Spielen beteiligt.

In der Mannschaft sei "eine sehr gute Stimmung" und "jeder ist im Training bereit, hart zu arbeiten."

Zum 5:1-Sieg beim Hamburger SV trug Modeste zwei Treffer bei. Doch wer ist dieser sympathische Typ, der im schönen Cannes geboren wurde?

Zuletzt spielte Modeste, der "Schnelligkeit und den Torabschluss" zu seinen Stärken zählt, beim französischen Erstligisten SC Bastia und war mit 15 Saisontoren überaus erfolgreich. Zwischen 2008 und 2010 absolvierte Modeste 15 Partien für Frankreichs U-21-Nationalelf.

Nun macht er mit seinen Toren Hoffenheim glücklich.

Begeisterung in Hoffenheim

Und plötzlich keimt vor dem Heimspiel gegen den SC Freiburg (Sa., ab 15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) im Kraichgau wieder so etwas wie Euphorie auf.

Es war nicht nur das nackte Ergebnis, was aufhorchen ließ, sondern auch die Art und Weise, wie die Hoffenheimer beim HSV Fußball spielten. Fast war man bemüht an 2008 zurückzudenken, als der Verein als Aufsteiger unter anderem mit Demba Ba, Vedad Ibisevic oder Carlos Eduardo Herbstmeister wurde.

Doch Vergleiche mit damals hört Trainer Markus Gisdol gar nicht gerne. Warum auch? Das Hier und Jetzt lässt sich gut an. Neue Helden werden geboren.

Einer von ihnen könnte Modeste werden.

Oder ein Brasilianer? Am Donnerstagabend wurde nämlich die Verpflichtung des 18-jährigen Brasilianers Bruno Nazario perfekt gemacht. Der Mittelfeldspieler erhält einen Vierjahresvertrag bis Juni 2017.

Kleckern, nicht klotzen - Johnson träumt

Modeste steht jedenfalls stellvertretend für das neue Motto bei 1899: Kleckern, nicht klotzen. Auch, wenn 1899-Verteidiger Fabian Johnson schon wieder leise von Europa träumt.

"Von unserer Qualität her ist das sicher möglich. Das war es auch letztes Jahr, aber da haben wir es nicht auf die Reihe gekriegt. Es ist eben auch eine Frage der Mentalität", sagte der US-Nationalspieler auf eine entsprechende Frage im "kicker".

Ob das Gisdol gefällt? Fakt ist: Offenbar haben die Verantwortlichen aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Da wurde viel Geld für neue Spieler ausgegeben. Ein Jahr ist es her, da vergaloppierte sich der Klub, indem man teure Stars holte und von Europa träumte.

Das ging fast ins Auge, der Abstieg konnte in allerletzter Minute verhindert werden. So mancher Fan schaut jetzt noch mit Grauen zurück, waren doch die damaligen Neuzugänge Tim Wiese, Eren Derdiyok und Matthieu Delpierre allesamt teure Flops.

Heute spielt das Trio keine Rolle mehr, außer in Trainingsgruppe 2. Aber das ist eine andere Geschichte.

Rosen mit gutem Händchen

1899-Manager Alexander Rosen scheint diesen Sommer ein glücklicheres Händchen bei den Transfers bewiesen zu haben. Modeste ist ein gutes Beispiel dafür.

"Der Fußball ist eine komplizierte Sache. Manchmal passt ein Spieler, der viel Geld gekostet hat, in eine Mannschaft. Manchmal ist es einer, der wenig oder nichts gekostet hat. Da spielen viele Faktoren eine Rolle", sagt Modeste, den vor der Saison wohl kaum jemand auf dem Zettel hatte.

Keine Rolle habe die letzte Horror-Saison bei seiner Entscheidung für 1899 gespielt, versichert Modeste. "Wichtig ist, was ich gehört habe, als ich mit Herr Rosen und dem Trainer gesprochen habe", betont er.

Wichtig sei zudem, "was ich gesehen habe, als ich das erste Mal hier war. Diese Dinge haben mich überzeugt, nach Hoffenheim zu kommen."

Modeste fordert: Am Boden bleiben

Trotz des guten Starts mahnt der Stürmer, am Boden zu bleiben: "Es gibt keinen Grund nach zwei guten Spielen abzuheben. Auch gegen Freiburg können wir nur erfolgreich sein, wenn jeder auf dem Feld seinen Job zu einhundert Prozent erledigt. Wir funktionieren als Einheit."

Der ständige Blick auf die Tabelle würde "einen auf dem Rasen auch nicht schneller oder besser machen." Im Gegenteil: "Diese Ablenkung nimmt dir sogar ein wenig die Kraft."

Das soll gegen Freiburg auf keinen Fall passieren, hofft Modeste.

Denn gegen die Breisgauer wollen der Stürmer und sein Klub wieder jubeln.

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