Im Fokus: Aufsichtsrat Hans-Ulrich Klüver (l.) und Dennis Aogo (r.) © getty

HSV ohne Ruhe: Fink suspendiert den zweiten Urlauber, van der Vaart relativiert die Vergehen - und ein Aufsichtsrat zofft sich.

Von Raphael Weber und Uli Pingel

Hamburg/München - 1:5-Heimklatsche, suspendierte Mallorca-Urlauber, ein beleidigter Investor, ein Aufsichtsrat im Clinch mit einem Ordner.

Es kommt gerade alles zusammen bei einem Klub, der eigentlich ganz gerne stolz auf sich wäre.

Nach dem Debakel gegen Hoffenheim, das den Acht-Gegentore-Fehlstart des Hamburger SV perfekt machte, schien es, als ob es nicht viel mehr schlimmer kommen könnte.

Stattdessen war es nur der Auftakt in eine Horror-Woche mit fataler Außendarstellung.

Fink gibt frei, Aogo fliegt

Den Anfang machte Trainer Thorsten Fink, indem er seinen Spielern zwei Tage trainingsfrei gab. Eine Maßnahme, mit der man sich in der Boulevardstadt ohnehin schon angreifbar macht.

Auch wenn Kapitän Rafael van der Vaart am Mittwoch gegenüber SPORT1 weiterhin das Positive darin suchte: "Nach so einem Spiel war es gut, um den Kopf freizubekommen."

Dennis Aogo machte das allerdings in Mallorca - womit er sich aus dem Kader für das Hertha-Spiel bugsierte. "Zwei freie Tage sind nicht dazu gedacht, Party zu machen, sondern sich Gedanken zu machen. Schlechter geht es nicht", wettert Vorstandschef Carl Jarchow.

Womöglich hat Aogo sich damit endgültig ins Abseits gestellt: Jarchow ließ durchblicken, dass der HSV derzeit nicht mehr auf den Nationalspieler setzt, ihn womöglich abgibt.

Eine Geldstrafe konnte der HSV Aogo dagegen nicht aufbrummen - weil der Klub in der Zwickmühle steckt, wie Sportdirektor Oliver Kreuzer selbst zugeben muss: "Im Prinzip können die Spieler an ihren freien Tagen ja machen, was sie wollen."

Auch Rincon auf Mallorca

Neben Aogo stellte sich auch Tomas Rincon, der gegen Hoffenheim nicht einmal im Kader des HSV stand, mit einem Trip auf die Balearen-Insel selbst ein Bein.

"Ich war mit meiner Frau Karina dort. Wir haben meine Schwester besucht. Sie hat zum Abschluss ihrer Ausbildung im Hotel ihr Zeugnis bekommen", versuchte der Venezolaner via "Bild" zu beschwichtigen.

Vergeblich: Auch er wurde suspendiert.

Van der Vaart: "Privat ist privat"

Fink versucht also durchzugreifen, sein Kapitän zeigt sich mit seinem Urteil bei SPORT1 allerdings gnädiger.

"Was jemand privat macht, ist privat. Dass es nicht schlau ist, ist klar und das wissen sie auch." Trotzdem sieht er die Mallorca-Kurztrips - die dem Vernehmen nach keine Seltenheit bei HSV-Spielern sind - "locker": "Das ist für mich nicht das größte Problem."

So ganz einig sind sich die zentralen Akteure in Hamburg in der Mallorca-Frage offensichtlich nicht.

Kühne dreht den Geldhahn ab

Probleme hat der HSV zurzeit auch finanziell. Durch die Zwischenfälle dieser Woche dürfte sich Investor Klaus-Michael Kühne in seiner Kritik an der Hamburgs Führung bestätigt sehen.

Der milliardenschwere Spediteur, der letzte Saison noch die Rückholaktion von van der Vaart möglich machte, hatte sich am Dienstag erneut von den Hamburgern distanziert.

Er werde den Klub nicht mehr bei der Suche nach sportlichen Verstärkungen unterstützen, sagte Kühne der "Schweizer Illustrierten": "Erst mit neuen Leuten und neuen Strukturen kommt das für mich wieder infrage."

Schon in der Sommerpause stellte Kühne die Verpflichtung von Oliver Kreuzer als neuen Sportchef in Frage. Er kenne ihn nicht mal.

Auch noch Ärger um Scharner

Zu allem Überfluss ploppt auch noch der Streit um Verteidiger Paul Scharner wieder auf. Der Vertrag mit dem Österreicher sollte aufgelöst werden - ein entsprechendes Angebot wies dessen Berater Valentin Hobel aber empört zurück.

"Das war kein Angebot sondern eine Frechheit. Das reicht nicht mal zur Grundlage für weitere Verhandlungen", wetterte Hobel in der "Hamburger Morgenpost".

Scharner hätte rund 500 000 Euro für die Vertragsauflösung bekommen, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass er im Sommer bei keinem anderen Klub unterschreibt. "Dann hätte es nämlich nichts gegeben", so Hobel: "Das ist ein respektloses Verhalten, wir werden hier seit Monaten angelogen. Es reicht."

Aufsichtsrat im Clinch mit Ordner

Für den unfreiwillig komischen Höhepunkt sorgte ein Handgemenge von Aufsichtsrat Hans-Ulrich Klüver, der am Dienstag mit einem Ordner am HSV-Stadionparkplatz aneinander geriet, der ihm den Zutritt zum Klubgelände verwehrte 764037 (DIASHOW: Ordner stoppt HSV-Aufsichtsrat) .

Einen Bericht, er habe den Sicherheitsmann, der ihn nicht kannte, geschlagen, wies Klüver bei SPORT1 entschieden zurück: "Die Darstellung der Bild-Zeitung ist falsch. Ich habe den Ordner weder angegriffen noch geschlagen."

Nach SPORT1-Informationen hat der betroffene Sicherheitsmann den HSV-Verantwortlichen Klüvers Darstellung intern bestätigt.

Womit der Vorfall zwar geklärt ist. Aber nicht weniger peinlich.

Wende gegen die Hertha?

Boss Jarchow weiß, dass gegen all den Trubel nur eines hilft: positive sportliche Schlagzeilen.

Mit einem Sieg gegen Aufsteiger Hertha BSC am Samstag (ab 18.15 Uhr im LIVETICKER) könnten die Wogen wieder etwas geglättet werden.

"Wenn wir gewinnen, hat Thorsten Fink alles richtig gemacht", glaubt Jarchow. Wenn's so einfach ist...

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