Kam 2012 von Tottenham Hotspur zurück zum HSV: Rafael van der Vaart © getty

Einst Heiland, jetzt hilflos: Der HSV-Star wird seiner Führungsrolle nicht gerecht. Doch: Ein Kollege hat sogar noch größere Probleme.

Aus Hamburg berichtet Clemens Gerlach

Hamburg - Zuletzt hatte Rafael van der Vaart reichlich zu tun.

Ein Umzug ist immer herausfordernd, auch wenn es wie im Fall des Niederländers nur von einem Hamburger Stadtteil in einen anderen ging.

"Ich kann es kaum erwarten, bis wir fertig eingerichtet sind", sagt van der Vaart, der seit kurzem mit Sabia Boulahrouz liiert ist. Die Noch-Ehefrau seines ehemaligen Teamkollegen Khalid Boulahrouz und der HSV-Star haben ein großes Ziel: Sie wünschen sich ein gemeinsames Kind.

Pfiffe gegen das Denkmal

Die HSV-Fans haben auch einen Wunsch. Sie möchten, dass van der Vaart auch auf dem Spielfeld so kreativ und präsent ist wie auf dem Boulevard.

Bei der peinlichen 1:5-Heimniederlage am vergangenen Samstag gegen Hoffenheim war der 30-Jährige weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Nicht zum ersten Mal.

Als der indisponierte Regisseur kurz vor Schluss ausgewechselt wurde, gab es sogar Pfiffe gegen ihn. Das Denkmal bröckelt.

Kapitän steht unter Druck

Am Dienstag, beim ersten Training nach zwei Tagen Pause, zeigte sich van der Vaart sehr engagiert.

Die Laufeinheit absolvierte er in der ersten Reihe. Der Kapitän desHamburger SV ist sich bewusst, dass er etwas zeigen muss.

Mit einer Ablösesumme von 13 Millionen Euro ist van der Vaart der teuerste Transfer der HSV-Geschichte. "Ich erwarte von ihm eine klare Steigerung", hatte HSV-Sportchef Oliver Kreuzer direkt nach der Hoffenheim-Pleite gefordert.

"Er ist kein Zauberer"

Trainer Thorsten Fink drückte es am Dienstag weniger direkt aus, die Botschaft an van der Vaart war dennoch klar. "Die Spieler, die in der Hierarchie oben sind, müssen die besten Leistungen bringen", sagte Fink: "Die Älteren müssen das Team anführen."

Warum van der Vaart allerdings trotz seiner großen Erfahrung gegen Hoffenheim mit unterging und nicht voran, weiß auch Fink nicht.

Mit den vielen Aktivitäten abseits des Rasens habe die Formkrise seines formal besten Mannes jedoch nichts zu tun, versichert Fink;

"Ich habe mit ihm gesprochen. Rafael steht arg in der Öffentlichkeit, er kann damit gut umgehen. Er ist aber auch kein Zauberer."

Einst wie der Heiland gefeiert

Magische Momente hatten die Fans allerdings schon erwartet, als van der Vaart Ende August 2012 zum HSV zurückkehrte.

Der Offensivspieler wurde wie der Heiland gefeiert. Er sollte das Bundesliga-Gründungsmitglied, das am kommenden Samstag seine 50-jährige Zugehörigkeit zum deutschen Fußball-Oberhaus feiern kann, wieder nach oben bringen. Zurück nach Europa. Dorthin, wo die Hamburger zuletzt in der Saison 2009/2010 spielten.

Doch auch mit van der Vaart klappte der Sprung auf die internationalen Plätze nicht. Rang sieben wurde es in der vergangenen Saison.

Und derzeit sieht es nicht besser aus. Eher im Gegenteil.

Stimmung könnte kippen

Trotz der Pfiffe im Stadion hat van der Vaart noch Kredit bei den Fans.

Doch er muss etwas tun, sonst könnte die Stimmung kippen.

"Wenn er auf dem Platz Gas gibt, dann wird hier keiner diskutieren", sagt Fink. Dafür muss van der Vaart aber mehr Dynamik aus dem Spiel heraus zeigen. Er verlässt sich oftmals zu sehr auf seine Stärken bei Standards.

"Wir müssen auch in der Rückwärtsbewegung heiß sein", fordert Fink von seinem gesamten Team. Wahrscheinlich spricht er damit auch seinen Star an.

Zoff um Aogos Mallorca-Trip

Zum Glück für van der Vaart gibt es beim HSV einen Spieler, der momentan noch größere Schlagzeilen macht: Dennis Aogo.

Der 26-Jährige nutzte die beiden freien Tage nach dem Hoffenheim-Spiel für einen Mallorca-Trip.

Fink hatte den Spielern Gelegenheit zum Abschalten geben wollen. So hatte sich der Coach die Ausgestaltung der Erholungsphase aber nicht vorgestellt: "Jeder einzelne sollte überlegen, was er machen kann, damit es besser läuft. Nach Mallorca sollten sie aber nicht fliegen."

Fink um Contenance bemüht

Aogo dürfte es schwer haben, in den Kader für das Spiel bei Hertha BSC am kommenden Samstag zu kommen. Fink ist jedenfalls schwer genervt von der Aktion des einstigen Nationalspielers.

"Trainer Hilflos", wie das "Hamburger Abendblatt" eingedenk der dürftigen Darbietung gegen Hoffenheim lästerte, gab sich am Dienstag aber alle Mühe, nicht wieder aus der Haut zu fahren.

Daher formulierte Fink bewusst positiv: "So etwas wie von Dennis Aogo sieht man von Rafael van der Vaart nicht."

Immerhin ein Lob für den Niederländer. Wenn man es denn so nennen will.

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