Der Münchner Ex-Profi startet beim FCB seine Resozialisierung und spricht über die Haft. Uli Hoeneß erklärt, wie der Klub hilft.

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Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - 13 Monate Gefängnismauern, Justizvollzugsanstalt. Tage wie in einer Endlosschleife. Diese Zeit hat an Breno genagt, umgeworfen hat sie den Ex-Profi des FC Bayern aber nicht.

"Mir geht es gut, besser", sagte er am Montagmorgen bei seinen ersten Schritten in Richtung Freiheit.

Der Brasilianer wird ab sofort in der Bayern-Nachwuchsabteilung als Co-Trainer der U23 tätig sein, "Resozialisierungsprogramm" heißt das im Amtsdeutsch. Von 8.30 bis 13.30 Uhr darf er dafür jeden Tag die JVA Stadelheim verlassen (News).

Schicksalsnacht in Grünwald

Der 23-Jährige ist Münchens prominentester Häftling, nachdem eine Nacht sein Leben komplett verändert hat.

Der Fußball-Millionär steckte seine Villa in Grünwald in Brand, nur durch ein Wunder wurde damals niemand verletzt. Für diesen 20. September 2011 muss Breno büßen, wegen schwerer Brandstiftung wurde er zu insgesamt drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt.

Breno stürzte ab. Und das viel tiefer, als es in irgendeiner Profikarriere sonst vorkommt. Anderswo müssen Spieler mal mit Strafrunden in der zweiten Mannschaft zurecht kommen, Breno kickte zuletzt, wenn überhaupt, im Knast.

"Die 13 Monate im Gefängnis waren ganz hart, jetzt kann ich mit Bayern die Resozialisierungsmaßnahme machen", berichtete er.

"Ich bin ein bisschen nervös"

Die Aufregung war ihm am Montag anzumerken: "Mein Deutsch ist nicht so gut, ich bin bisschen nervös, ganz normal."

Doch Uli Hoeneß stand Breno auf dem hellerleuchteten Podium bei. "Nicht nervös sein", sagte Hoeneß mit fester Stimme.

Für den FCB-Präsidenten ist die Hilfe für den vertragslosen Profi selbstverständlich und doch ein Drahtseilakt.

Der Cheflenker der Bayern ist selbst eingequetscht zwischen dem möglicherweise bevorstehenden Gerichtsverfahren wegen Steuerhinterziehung und der Frage, ob er nach seiner Selbstanzeige aus dem Januar einer Haftstrafe entrinnen kann.

Aktuell berät das Münchner Landgericht darüber, ob dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Anklage stattgeben wird. Beobachter halten das für ziemlich wahrscheinlich.

Bleibt Hoeneß Aufsichtsratsboss?

Hoeneß drohen allerdings schon bei Verfahrenseröffnung die ersten Konsequenzen.

Wie die "Wirtschaftswoche" aus dem Umfeld von Rupert Stadler, Audi-Boss und Mitglied des FCB-Aufsichtsrats, erfahren haben will, werde dann erneut darüber nachgedacht, ob Hoeneß Chef des Kontrollgremiums bleiben könne.

Eine extrem verfahrene Situation.

Hoeneß beschwört "Bayern-Familie"

Doch zunächst sieht sich der FCB-Patriarch bei einem anderen juristischen Problem in die Pflicht genommen - jenem von Breno.

"Hier ist einer aus der Bayern-Familie, der große Probleme hatte. Wenn man so auf der Sonnenseite steht wie wir beim FC Bayern, dann muss man denen helfen, die in Not sind", sagte Hoeneß auf SPORT1-Nachfrage.

Der Bayern-Präsident bedankte sich bei der Justizvollzugsanstalt und den Behörden, dass Breno diese Chance erhalte: "Er hat sich als Gefangener tadellos verhalten, deshalb ist die Justizvollzugsanstalt an uns herangetreten."

Die Justiz liest mit

Der 61-Jährige wählte seine Worte gegenüber den Behörden mit Bedacht, alle öffentlichen Aussagen des Bayern-Machers werden ja derzeit auch von der Justiz mitgelesen.

Nicht nur aus diesem Grund werden die Bayern penibel genau darauf achten, die Vorgaben der JVA für Breno einzuhalten. Nur so kann die Resozialisierung funktionieren, nur so kann Breno darauf hoffen, dass seine Haftstrafe noch reduziert wird.

Sein Anwalt Sewarion Kirkitadse will bewirken, dass Breno ab Januar 2014 auf Bewährung auf freien Fuß kommt.

"Meine Frau und Kinder standen immer hinter mir"

Der Brasilianer wurde am Montagmorgen von einem Chauffeur um kurz vor neun Uhr zum Vereinsgelände gebracht.

"Ich kann im Gefängnis viermal pro Woche trainieren, jetzt habe ich die Chance hier zu trainieren, gottseidank habe ich im Knie keine Probleme mehr", sagte Breno.

Im Gefängnis habe er viel gelernt, besonders half ihm in dieser Zeit seine Familie: "Meine Frau und meine Kinder standen die ganze Zeit hinter mir, ich glaube, jetzt bin ich schon ein bisschen anderer Mensch."

Sao Paulo weiterhin interessiert

Vorerst wird der Abwehrspieler fünf Stunden täglich beim FC Bayern mithelfen, in einigen Monaten könnte die Zeit des Freigängers dann auf acht Stunden ausgedehnt werden.

Hoeneß verriet indes noch, dass Vertreter aus Sao Paulo ihr Interesse an einer Verpflichtung von Breno bestätigt haben, um den vereinslosen Profi "irgendwann in Brasilien zu begrüßen." Dies sei aber Zukunftsmusik.

Der Weg in Richtung Freiheit erfolgt in kleinen Schritten.

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