Jonas Hofmann (l.) kam aus der Jugendabteilung von 1899 Hoffenheim zum BVB © getty

Ein Newcomer schießt den BVB an die Spitze. Er kann es auch mit kleineren Bällen und steht nicht nur bei seinem Trainer hoch im Kurs.

Aus Dortmund berichtet Nils Hotze

Dortmund - Er stand ganz ruhig da. Die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Den Oberkörper leicht nach vorn wippend. Ein Lächeln im Gesicht.

Nervosität angesichts der vielen Fragen von noch mehr Menschen? Keine. Jonas Hofmann wirkte nach dem 2:1 (0:0) von Borussia Dortmund gegen Eintracht Braunschweig (Bericht) cool. Also ganz so wie bei seinen Heldentaten kurz zuvor.

Immer und immer wieder musste er nun die Geschichte aus der 75. Minute erzählen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass der Ball reingeht", sagte der 21-Jährige und beschrieb dann jedes Detail dieses Augenblicks. Seines Augenblicks.

Es war der Führungstreffer für den BVB. Später holte Hofmann auch noch einen Elfmeter heraus. Er ist der Held an diesem Abend. Und Dortmund ist Tabellenführer. ( 762187 DIASHOW: Die Bilder des 2. Spieltags )

Seit 2011 in Dortmund

2011 war der Mittelfeldspieler aus Hoffenheim nach Dortmund gekommen. Angefangen hat er 1998 beim FC Rot. David Wagner, Dortmunds U23-Trainer, kannte ihn und wollte ihn. Gemeinsam sind die beiden in ihrem ersten BVB-Jahr in die dritte Liga aufgestiegen.

Im zweiten gehörte Hofmann bereits dem Trainingskader der Profis an.

Erste Einsatzminuten folgten, dann das Startelfdebüt gegen Augsburg im vergangenen April. Beim 4:2 der Dortmunder gelang dem Youngster gleich eine Vorlage. Julian Schieber lochte ein.

Mit dem Fuß. Hofmann kann das übrigens auch mit dem Schläger. Vier Jahre lang wurde er im Golf gefördert, dann überwogen die Sympathien für den großen Ball endgültig.

Klopp schwärmt

Jürgen Klopp freut's. Nachdem der BVB-Trainer die Leistung des Matchwinners gewürdigt hatte, lieferte er gleich eine Kurz-Biographie seines Schützlings.

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"Er ist ein guter Fußballer, ein sympathischer Kerl, hat Abitur, kommt aus gutem Hause und hatte auch im letzten Jahr schon gute Momente", meinte Klopp. Die Zuhörer wussten alles, was man wissen muss.

Nun ja, fast. Doch viel mehr würden sie in Dortmund über Hofmann wahrscheinlich am liebsten gar nicht preisgeben. Schließlich hatte mancher Konkurrent das Juwel schon lange vor dem Spiel gegen Braunschweig auf dem Zettel.

"Hat schon Anfragen gegeben"

"Es hat auch schon ein paar Anfragen gegeben, weil andere Vereine ja auch nicht blind sind. Aber wir haben gesagt: Du bleibst schön hier", berichtete Klopp.

Hofmanns Vertrag läuft noch bis 2015, und es scheint keine Frage zu sein, dass die Borussen ihn vorzeitig verlängern werden. Ohne Ausstiegsklausel. Damit hatte man ja bei einem anderen Jungstar aus dem eigenen Nachwuchs zuletzt schlechte Erfahrungen gemacht. Mario Götze spielt jetzt in München.

Weitere Bezüge zwischen Hofmann und dem Nationalspieler zu konstruieren, wäre allerdings nicht fair. Der eine hat fünf Bundesligaeinsätze auf dem Konto, der andere bereits 22 Länderspiele.

Hofmanns Entwicklung nimmt erst an Fahrt auf. Folglich gibt er sich bescheiden.

Verzicht auf forsche Töne

"Dass es Zeit für die Startelf ist, dass will ich nicht sagen", meinte der gebürtige Heidelberger: "Ich will mich im rechten Mittelfeld etablieren. Wenn es zeitnah mit der Startelf klappt, freue ich mich. Aber ich bin keiner, der sich dem Trainer gegenüber aufdrängt. Jetzt arbeite ich erst einmal an der Vorbereitung für Bremen."

Schon am Freitag geht es gegen den SV Werder. Hofmann wird wieder dabei sein. Neben all den Stars, den Millioneneinkäufen, den Nationalspielern. Er gehört jetzt noch ein Stück mehr dazu.

Nach diesem perfekten Abschluss einer aufregenden Woche.

Debüt für U 21

Am vergangenen Dienstag hatte er in der deutschen U-21-Nationalmannschaft debütiert, 30 Minuten gegen Frankreich. Nun seine Torpremiere in der Bundesliga, vor der Südtribüne. "Das ist das Allergeilste, was mir passieren konnte", meinte der Youngster.

Blieb nur noch die eine Frage: Was hatte ihm denn der Trainer kurz vor der Einwechslung mit auf den Weg gegeben? "Er hat mir viel Spaß gewünscht."

Sagte er, grinste, und ging unter die Dusche.

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