Auf Schalke türmen sich schlechte Nachrichten. Zu eklatanten Schwächen in der Abwehr kommt die Verletzung des Torjägers hinzu.

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Von Patrick Mayer

München - Sonntagvormittag, Ernst-Kuzorra-Weg, Gelsenkirchen. Es regnete aus einem Guss über dem Trainingsgelände des FC Schalke 04.

Das Wetter passte zur Stimmung bei Königsblau. Die jüngste, schlechte Nachricht sollte am frühen Nachmittag folgen. Klaas-Jan Huntelaar, der Torjäger vom Dienst, fällt mit einem Innenbandteilabriss im rechten Knie für mehrere Wochen aus.

Er fehlt damit am Mittwoch im Hinspiel der Champions-League-Qualifikation gegen PAOK Saloniki und den ehemaligen Coach Huub Stevens (20.45 Uhr im LIVE-TICKER und bei SPORT1.fm).

Keller hat ein Problem

Von Stevens' legendärem Credo "Die Null muss stehen" ist Schalke allerdings derzeit so weit entfernt wie S04- und BVB-Fans von Verbrüderungsszenen.

Die Abwehr kassiert Gegentore, als hätten die Verteidiger Grundprinzipien ihrer Arbeit vergessen.

Das 0:4 beim VfL Wolfsburg offenbarte eklatante Schwächen - vor allem bei Standards gegen das Team.

"Es war schon beim ersten Spiel so, dass wir Probleme bei Standardsituationen hatten", kritisierte Manager Horst Heldt. Er habe reihenweise individuelle Fehler gesehen. "Die müssen wir abstellen, keine Frage."

Sie reden intensiv

Sieben Gegentore in zwei Bundesliga-Spielen, Tabellenplatz dreizehn (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle). Trainer Jens Keller hat viel Redebedarf.

Nach der rund halbstündigen Laufeinheit nahm sich der 42-Jährige seinen Abwehrchef und Kapitän Benedikt Höwedes beiseite. Es regnete weiter in Strömen, die Beiden interessierte das nicht. Intensiv sprachen sie miteinander ? zwanzig Minuten lang.

Keller bat das Team anschließend zur Videoanalyse in die Kabine. Er muss das Problem beheben, schnell.

Auf Bewährung

Der Trainer steht bei "Königsblau" auf Bewährung an der Seitenlinie, das weiß er.

Im Frühsommer verlängerten die Verantwortlichen um Vereinsboss Clemens Tönnies seinen Vertrag offensichtlich nur, weil sich keiner fand, der seinen Job besser machen wollte.

Manager Heldt stellte sich selten eindeutig hinter Keller ("Wir denken kurzfristig"). Auch nicht nach dem vierten Platz in der Vorsaison.

Hohe Erwartungen

Und die Erwartungen an seinen Coach sind gestiegen.

An Zugänge wie Supertalent Leon Goretzka oder den ehemaligen Dortmunder Felipe Santana knüpften die Fans hohe Erwartungen.

Doch das Team ist den Ansprüchen aktuell nicht gewachsen. Gerade der Brasilianer Santana wirkte in Wolfsburg wie ein Fremdkörper in der Defensivformation, stand oft zu weit weg vom Gegenspieler. Das befand auch SPORT1-Experte Thomas Helmer im Volkswagen Doppelpass.

"Santana fehlt Spielpraxis"

"Santana hat lange Zeit in Dortmund nicht gespielt. Jetzt fehlt natürlich die Spielpraxis. Er kann eine Abwehr dann auch nicht zusammenhalten", sagte Helmer.

Er kritisierte zudem Santanas Partner in der Innenverteidigung: "Von Benedikt Höwedes muss man als Kapitän und Nationalspieler einfach mehr erwarten."

Dieser Meinung ist offenbar auch Keller. Zu seinen Defensivsorgen kommt vor dem Spiel gegen Saloniki nun die Hypothek hinzu, auf den Top-Angreifer verzichten zu müssen.

Huntelaar war in Wolfsburg mit VfL-Keeper Diego Benaglio zusammengestoßen und ließ sich zur Pause mit einem stechenden Schmerz im rechten Knie auswechseln. Die Diagnose verschärft den Druck auf den Trainer zusätzlich.

Wird Keller unterschätzt?

Diskussionen zu seiner Person nannte der Manager von Borussia Mönchengladbach, Max Eberl, im Doppelpass "zu früh und zu heftig. Es gibt immer noch eine Mannschaft, die auf dem Platz das umsetzen soll, was ich von ihr haben will", sagte er.

Doch vielleicht scheitert Schalke derzeit gerade am mangelhaften Verständnis zwischen Keller und seinem Team. Strukturiert wirkte die Abwehrarbeit weder gegen den Hamburger SV (3:3), noch gegen die Wolfsburger.

Er fühle sich von den Leuten unterschätzt, sagt Keller einmal. Jetzt hat er Gelegenheit, sein Können zu beweisen.

Ansonsten droht ihm, was Ex-TV-Moderator Waldemar Hartmann im Doppelpass prophezeite: "Am Schluss wird Horst Heldt an das eigene Hemd denken."

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