Der HSV-Sportchef nimmt nach dem 1:5 gegen Hoffenheim die Führungsspieler in die Pflicht. Vor allem van der Vaart und die Defensive kriegen ihr Fett weg.

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Hamburg - Das 1:5-Debakel des Hamburger SV gegen 1899 Hoffenheim (Bericht) sorgte auch am Tag danach noch für lange Gesichter an der Elbe.

"Auch einen Tag später fühlen sich fünf Gegentore nicht besser an", stellte HSV-Torwart Rene Adler auf seiner "facebook"-Seite trocken fest.

Der Nationalspieler begab sich am Sonntag als einziger Hamburger freiwillig zu einer Trainingseinheit aufs HSV-Gelände. Die Mannschaft hatte von Fink trotz der Packung zwei Tage frei bekommen.

Adler, der sich schon am Samstag Abend als einer von wenigen den Fragen der Presse gestellt hatte, fand noch einmal deutliche Worte für den Auftritt vom Vortag: "Ich habe es gestern schon gesagt: Das war absolute Scheiße! Ich hoffe, dass wir es nächste Woche besser hinbekommen."

Während Adler den Blick auch schon wieder nach vorne richtete, knöpfte sich HSV-Sportchef Oliver Kreuzer noch einmal die vermeintlichen Führungsspieler in Reihen der Hanseaten vor.

Van der Vaart "mäßig bis schlecht"

"Wenn diese Spieler binnen einer Woche einen solchen Leistungsabfall haben, können das die anderen nicht auffangen", sagte Kreuzer am Sonntag.

"Man sieht, dass die erfahrenen Spieler in solchen Phasen auch Probleme mit sich selbst haben und überfordert sind, Stabilität in unser Spiel zu bringen. Mich würde interessieren, was die Spieler selbst dazu sagen."

In erster Linie erhöhte Manager Kreuzer den Druck auf Kapitän Rafael van der Vaart: "Wir erwarten eine klare Leistungssteigerung im Vergleich zum letzten Jahr."

Auf Schalke habe der niederländische Nationalspieler ein überragendes Spiel gemacht. Seinen Auftritt gegen Hoffenheim, den die Fans tags zuvor mit wütenden Pfiffen quittiert hatten, bezeichnete Kreuzer als "mäßig bis schlecht" ( 762187 DIASHOW: Bilder des 2. Spieltags ).

Helmer äußert sich skeptisch

Kreuzers Ex-Mitspieler vom FC Bayern, Thomas Helmer schlug im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 in die gleiche Kerbe:

"Es reicht einfach nicht mehr, nur Standardsituationen zu haben. Er muss den Nachweis bringen, dass er auf seiner Position torgefährlich ist. Das ist gerade die Frage: Schafft er das noch?"

Die Antwort auf diese Frage kann für den SPORT1-Experten angesichts der Abhängigkeit des HSV von den Leistungen van der Vaarts nur eine sein: "Er muss es schaffen, denn er ist das Aushängeschild und der wichtigste Spieler des HSV. Davon hängt sehr viel ab, wo der HSV am Ende landet und ob er Erfolg haben wird."

Dieser Druck mache aus der gerade erst begonnenen Saison für den Niederländer keine leichte Aufgabe. "Ich sehe das kritisch", äußerte sich Helmer mit Blick auf die Zukunft eher skeptisch.

Defensive als Hauptproblem

Van der Vaart selbst wirkte am Samstag reichlich angesäuert, als er nach seiner Auswechslung kurz vor dem Ende die Kapitänsbinde entnervt auf das Spielfeld warf. Diese Geste wollte Sportdirektor Kreuzer aber nicht überbewerten. "Da kann man drüber hinwegsehen. Es gibt Schlimmeres", sagte Kreuzer.

Als Hauptproblem des Hamburger Spiels nannte der frühere Abwehrspieler die Defensive.

"Wir bekommen zu viele Gegentore. Gestern fünf, auf Schalke drei, gegen Dresden waren es vier und gegen West Ham drei. Wir müssen lernen, dass die Basis des Erfolgs in der Defensive gelegt wird. Da musst du in der Lage sein, auch mal zu Null zu spielen", monierte Kreuzer.

Acht Gegentore in zwei Spielen

Saisonübergreifend kassierten die Hanseaten gegen die Kraichgauer zum elften Mal nacheinander mindestens ein Gegentor, allein acht waren es in den bisherigen zwei Partien der aktuellen Spielzeit (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Noteinkäufe wie in der vergangenen Saison schließt Kreuzer aber aus: "Es bringt jetzt nichts, in Panik zu verfallen und fünf neue Spieler zu holen - zumal wir das Geld dazu gar nicht haben."

"Mannschaft hat unser Vertrauen"

Fast notgedrungen fügte er an: "Die Mannschaft hat weiterhin unser Vertrauen."

Dasselbe gilt zumindest im Moment auch noch für Trainer Thorsten Fink. Dessen ehemaliger Mitspieler Helmer äußerte im Volkswagen Doppelpass fast schon Mitleid mit dem HSV-Coach.

"Ich habe Thorsten Fink am Flughafen getroffen. Er war total am Ende. Er meinte, er hat alles gegeben und ich glaube ihm das auch. Thorsten weiß langsam nicht mehr, wo er ansetzen soll", berichtete der SPORT1-Experte.

Zwei Tage trainingsfrei

Daher sieht Helmer jetzt die Spieler in der Pflicht: "Das ist ganz schwierig. Da müssen sich die Spieler langsam mal hinterfragen."

Möglicherweise nutzen die HSV-Profis dazu ja die beiden trainingsfreien Tage.

HSV-Vorstandsboss Carl Edgar Jarchow wollte diese durchaus diskussionswürdige Entscheidung seines Trainers nicht kommentieren.

Über den Auftritt gegen Hoffenheim fällte der Politiker dagegen ein ernüchterndes Urteil. "Die Spieler haben als Mannschaft versagt", sagte Jarchow "Sky Sport News HD".

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