Seit Juli 2012 FCB-Sportvorstand: der Ex-Nationalspieler Matthias Sammer © getty

Die Bayern sind im Soll. Der Chef ist dennoch sauer: Zwei verausgaben sich für ihr Land und kommen nicht in Tritt.

Von Patrick Mayer

München - "Motzki" nannten sie ihn einst. Geschmeichelt wird damit niemandem. Matthias Sammer war das egal. Er ist ein Mann deutlicher Worte.

Das war er früher auf dem Platz. Und das ist er heute als Verantwortlicher der vermeintlich besten Fußballmannschaft der Welt.

Binnen Sekunden verwandelt er sich vom sprachgewandten Diplomaten zum harschen Kritiker. Vorausgesetzt, er empfindet, dass seinem Arbeitgeber FC Bayern nicht mit genügend Respekt begegnet wird.

Am Samstagabend war es wieder soweit. Frankfurt, Bundesliga, Commerzbank Arena (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Mit 1:0 hatte seine Mannschaft die Eintracht besiegt, Trainer Pep Guardiola war zufrieden. Sein Sportvorstand war es nicht.

Schnaubend wie ein brüskierter Stier redete sich der 45-Jährige weit nach Spielende in den Katakomben in Rage.

Die Personalien Thiago und Javi Martinez brachten ihn auf die Palme. Nicht die Spieler selbst ? sie verhalten sich stets professionell. Offensichtlich aber nicht ihr Fußballverband. Was war passiert?

Martinez mit Adduktorenproblemen

Beide Spanier reisten unter der Woche mit der Nationalmannschaft zum Testländerspiel nach Ecuador (0:2). Und kamen offensichtlich völlig ausgelaugt zurück.

Thiago wurde in Frankfurt erst in der 65. Minute eingewechselt. Martinez spielte gar nicht. Er sei mit Adduktorenproblemen zurückgekehrt, schilderte Guardiola. Der Katalane blieb moderat, sein Vorgesetzter reagierte aufgebracht.

"Vielleicht hätten wir Thiago noch über Sydney oder Melbourne schicken müssen. Ich finde das eine Zumutung", meinte Sammer verärgert. "Javi kam in einem Zustand zurück. Da habe ich für den spanischen Verband kein Verständnis." Dieser handelt offensichtlich nach eigenen Maximen.

Kritik an Kommunikation

Der königlich-spanische Fußballverband gegen die Bayern - offenbar schwelt dieser Konflikt schon länger.

Zumindest, wenn es nach Sammer geht: Er sei schon froh, wenn die Spieler überhaupt zurückkämen, erzählte er. Die Kommunikation mit den Spaniern sei katastrophal. Die Einladungen kämen "sauspät, und wir erfahren auch spät, wenn die Spieler zurückkommen."

Ein professioneller Umgang miteinander, das verdeutlichte er, sieht anders aus - ganz anders. Er baut Druck auf.

Konfrontation mit Verbänden

Dafür haben sie ihn geholt - raus aus der Komfortzone war die Devise, als die Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge ihn im Juli vergangenen Jahres mit weitreichender Kompetenz ausstatteten.

"Alles für den Verein", lautet einer seiner Leitsätze.

Diese Einstellung gehört zum Selbstverständnis der Bayern wie süßer Senf und Brezen' zur Weißwurst. Doch sie kollidiert oft mit Absichten nationaler Fußballverbände.

Das war vor Sammer so, das hat sich unter ihm nicht geändert. Im Gegenteil.

"Asoziales" Verhalten

Das erste Ziel der bayerischen Verbaloffensive war der KNVB, der Königliche Niederländische Fußballbund.

Arjen Robben kehrte von der WM 2010 mit einer langwierigen Oberschenkelverletzung zurück. Beide Seiten schoben sich medienwirksam die Schuld zu. Die Vorwürfe gipfelten in einem Zitat des damaligen Bondscoach Bert van Marwijk, der das Verhalten der Bayern "asozial" nannte.

Auch im Juni wurde heftig über die Abstellung von Nationalspielern gestritten.

Der brasilianische Fußballverband bat die Bayern darum, Dante und Luiz Gustavo vor dem 01. Juni abzustellen - jenem Tag, auf den das DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart terminiert war.

Sammer erwartet Ergebnisse

Nach langem Hin und Her durften die beiden zur Selecao reisen. Die Schuld lag beim DFB - der Deutsche Fußballbund hatte bei der DFB-Pokal-Terminierung den Confed Cup nicht berücksichtigt.

Dass sich die Bayern und die Brasilianer unabhängig davon nicht grün sind, schilderte Vorstandschef Rummenigge: "Ich finde es skrupellos und unmenschlich, welcher Druck auf die Spieler ausgeübt wird." Nun also die Fehde mit den Spaniern.

Aber warum Unruhe reinbringen, wenn alles nach Plan läuft? Sammer erwartet Ergebnisse.

65 Millionen für die Bank?

Zwar gewann der FC Bayern die ersten beiden Bundesliga-Partien. Aber Spieler, für deren Verpflichtung der Sportvorstand mitverantwortlich ist, standen dabei nicht oder nur kurz auf dem Platz.

Guardiola kann Thiago bislang nur schleppend integrieren. 25 Millionen für einen Bankdrücker? Das kann Sammer niemandem vermitteln.

Und der 40-Millionen-Neuzugang aus dem Vorjahr, Martinez soll neben Dante die erste Innenverteidigung bilden. Doch Abstimmungsprobleme sind unübersehbar. Und Abstimmung kommt nur über Spielpraxis.

Die hat der 24-Jährige nach dem Confed Cup bei den Bayern nicht. Schon gegen Gladbach spielte er nur fünf Minuten. Seinen Unmut darüber lässt Sammer den spanischen Verband spüren. 65 Millionen, die nicht auf dem Platz stehen. Das wird sich Sammer nicht lange mitanschauen, wie in Frankfurt deutlich wurde.

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