Nürnberg mit Markus Feulner (r.) erkämpft sich das zweite Remis © getty

Hertha BSC bringt sich in Nürnberg in der Schlussminute um den zweiten Saisonsieg, nachdem der Aufsteiger zuvor das Spiel dreht.

Nürnberg - Hertha BSC ist nach gut einwöchigem Höhenflug auf dem Boden der Tatsachen gelandet - spät, unerwartet, aber dafür knallhart.

Fast so hart, wie der Freistoß, den Nürnbergs Hiroshi Kiyotake kurz vor dem Ende zum 2:2 (0:1) in die Maschen setzte und somit den perfekten Hertha-Saisonstart verhinderte.

"Der Ausgleich kurz vor Schluss ist total ärgerlich", sagte der Herthaner Alexander Baumjohann nach dem Spiel bei "sky".

Die Berliner, am 1. Spieltag noch 6:1-Sieger gegen Eintracht Frankfurt, hatten zuvor erneut viele gute Chancen, ließen jedoch die Durchschlagskraft in der Offensive vermissen.

Immerhin reichte es für die Hauptstädter nach fünf Niederlagen in Nürnberg mal wieder zu einem Punkt. ( 762187 DIASHOW: Bilder des Spieltags )

Pinola spricht von harter Entscheidung

Die Hauptstädter waren durch das erste Bundesliga-Tor von Josip Drmic vor 37.068 Zuschauern in Rückstand geraten (40.). Doch Sami Allagui erzielte mit seinem bereits dritten Saisontor den Ausgleich (61.).

Und der eingewechselte Ronny brachte Hertha mit einem allerdings umstrittenem Foulelfmeter in Führung und ließ die Berliner vom ersten Sieg in Nürnberg seit zehn Jahren träumen (78.). "Der Elfmeter war für mich eine harte Entscheidung. Ich habe den Ball getroffen, dann den Gegner", wog sich Verursacher Javier Pinola nach Spielende in Unschuld. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Ginczek-Lob für Kunstschütze Kiyotake

Zuvor war Alexander Baumjohann nach einem Duell mit Argentinier zu Fall gekommen. Ein sehenswerter Freistoß von Hiroshi Kiyotake verhinderte Herthas zweiten Sieg im zweiten Spiel (89.).

"Jetzt wissen wir, warum unser Manager Martin Bader auf zehn Millionen verzichtet", sagte Daniel Ginczek mit Bezug auf ein angebliches Angebot für den Japaner von Aston Villa. Für diesen Kunstschuss gab es auch Lob vom Gegner. "Der Freistoß war erste Sahne", sagte Hertha-Trainer Jos Luhukay.

Die Hertha zeigte zunächst die reifere Spielanlage, flüssigere Kombinationen und mehr Mut. Nürnberg schaffte es erst nach rund 15 Minuten, aus seinem 4-1-4-1-System Offensivdrang zu entwickeln.

Drmic trifft beim Startelf-Debüt

Doch wie so oft benötigten die Franken lange Standards, um Torgefahr zu entwickeln. Nach einer Ecke von Hiroshi Kiyotake köpfte Daniel Ginczek vorbei (16.), vier Minuten später setzte der Neuzugang einen Kopfball nach Freistoßflanke des Japaners an den Außenpfosten.

Berlin, dem beide etatmäßigen Außenverteidiger verletzungsbedingt fehlten, geriet jetzt stärker unter Druck. Club-Verteidiger Javier Pinola verpasste das Tor der Gäste bei seinem Distanzschuss knapp (25.), einen Schuss von Robert Mak parierte Hertha-Keeper Thomas Kraft sicher (31.).

Dann setzte sich Ginczek an der Strafraumgrenze gegen drei Herthaner stark durch und spielte Drmic mustergültig in den Lauf. Der Schweizer, der den Vorzug vor Mike Frantz erhalten hatte, traf aus Mittelstürmer-Position eiskalt.

Allagui schießt Dabanli an - Tor!

Die Gäste sorgten in dieser Phase nur gelegentlich über Konter für Gefahr. Markus Feulner klärte vor dem einschussbereiten Änis Ben-Hatira (32.), dann wehrte Torhüter Raphael Schäfer einen Schuss des auffälligsten Berliners ab (36.).

Auch in der zweiten Hälfte begann Berlin stärker. Adrian Ramos köpfte neben das Tor (49.), Kapitän Fabian Lustenberger ließ sich den Ball in aussichtsreicher Position von Feulner abluchsen (55.). Kurios dann der Ausgleich, als Berkay Dabanli den Schuss von Allagui unhaltbar für Schäfer abfälschte.

Baumjohann im Glück

Unmittelbar nach dem 1:1 hatte der bis dahin weitgehend unauffällige Baumjohann die Chance zur Führung, scheiterte jedoch an Schäfer (62.). Glück hatte Baumjohann, dass er nur die Gelbe Karte sah, als er Pinola ins Gesicht fasste.

"Das war kein Schlag. Die Emotionen kochen ab und zu mal hoch, danach haben wir uns auch ausgesprochen. Es war keine Tätlichkeit", sagte der vermeintliche Übeltäter nach dem Spiel bei "sky".

Der leidtragende Argentinier Pinola erwies sich als sehr fair und stimmte Baumjohanns Version zu. "Es war eine kleine Diskussion. Er hat mich berührt. Aber keine Tätlichkeit. Das war nichts." Sein Coach Michael Wiesinger saß das jedoch komplett anders. "Das ist eine Tätlichkeit."

Nürnberg, das auf Per Nilsson und Timo Gebhart verzichten musste, hielt in der zweiten Halbzeit nur mit großer Mühe dagegen. Wie beim 2:2 bei 1899 Hoffenheim stimmte beim Club allenfalls die kämpferische Leistung.

Spielerisch genügte die Vorstellung der Mannschaft von Michael Wiesinger aber höheren Anforderungen nicht - aber auf Kiyotake war Verlass.

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