Eintracht Frankfurt qualifizierte sich letzte Saison als Sechster für die Europa League © imago

Ohne Bundesliga-Punkte startet die Eintracht ins Abenteuer Europapokal. Aber: Ein neuer Stürmer und die Leistung gegen den FCB bringen Rückenwind.

Aus Frankfurt berichtet Frank Hellmann

Frankfurt - Die Losung ist denkbar einfach. Baku statt Bayern. "Das wird dort nicht einfach", warnt Armin Veh. "Unser Gegner hat sogar Brasilianer im Team."

Und doch grinst der Trainer von Eintracht Frankfurt bei dieser Feststellung: Auch der 52-Jährige will nicht ernsthaft die Playoff-Partie zur Europa League am Donnerstag bei FK Qarabag Agdam mit dem Bundesligaspiel gegen den FC Bayern München (Bericht) vergleichen.

Die Pflichtaufgabe in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, dient als ideales Ablenkungsmanöver, um den Fehlstart im Liga-Alltag - Tabellenletzter ohne Punkt - zu verdrängen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Eintracht hofft auf Kadlec

Wie gut, dass mit Vaclav Kadlec von Sparta Prag punktgenau Verstärkung gelandet ist. "Wir waren uns mit Spieler und Club bereits seit mehreren Wochen einig. Wir freuen uns sehr, dass wir nun alles perfekt machen konnten", erklärte Sportdirektor Bruno Hübner.

Der 21-jährige Stürmer war schon seit längerem erklärter Wunschkandidat der Eintracht, nur zogen sich die Verhandlungen wie Kaugummi.

Immer wieder war Sportdirektor Bruno Hübner zu Verhandlungen in Prag gewesen. Bei einer Ablöse von rund 3,2 Millionen Euro soll der Verein nun schwach geworden sein, der Tscheche unterschrieb in Frankfurt einen Vierjahresvertrag.

"Eine sehr große Herausforderung"

"Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe, es ist eine sehr große Herausforderung", sagte Kadlec am Montag. "Ich habe Qualität und will mich hier durchsetzen."

Der sechste Platz der Eintracht aus der vergangenen Saison, der zur Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation berechtigte, sei "eine super Grundlage. Dieses Ziel will ich mit der Mannschaft wieder erreichen", sagte Kadlec. Er will zudem in den "nächsten sechs Monaten" Deutsch lernen.

Für die Play-off-Spiele gegen FK Karabach Agdam ist der Neuzugang von Sparta Prag allerdings noch nicht spielberechtigt, da er für den tschechischen Erstligisten bereits in der Qualifikation aktiv war.

Schwegler schaut nach vorn

Dabei wäre Agdam für Kadlce der ideale Gegner zum Einspielen - allemal besser als Bayern.

"Wir haben vernünftig gespielt, nur leider hat es nichts genützt. Gegen Bayern werden noch etliche Mannschaften verlieren", tröstete sich Veh nach der Niederlage gegen den Rekordmeister.

"Wir haben uns gegen die beste Mannschaft Deutschlands gut verkauft, aber haben trotzdem null Punkte. Das müssen wir abhaken", verlangte Kapitän Pirmin Schwegler.

"Das war eine Steigerung um 100 Prozent", sagte Torjäger Alexander Meier, "so müssen wir weitermachen."

Fans planen Aserbaidschan-Trip

Vielleicht kommt der Trip ins 3350 Kilometer entfernte Baku gerade richtig, um nach dem irgendwie unglücklichen 0:1 vom Samstagnachmittag ein Erfolgserlebnis einzufahren. Noch am selben Abend haben sich weitere Eintracht-Fans auf eine bereits lange Warteliste setzen lassen.

Ein Verein, der seine erfolgreichste Zeit im Europapokal hatte, als Karl-Heinz Körbel, Jürgen Grabowski oder Bernd Hölzenbein noch selbst am Ball waren, wird eben auch von einem Auftakt im Nirwana Osteuropas von der Euphorie erfasst.

"Der erste Tagesflieger mit 160 Plätzen war innerhalb von vier Stunden ausgebucht. Nun versuchen wir, noch einen zweiten zu organisieren", berichtet Axel Hellmann.

Die offizielle Delegation fliegt mit einem gecharterten Airbus 340 am Mittwoch um 8.30 Uhr vom Frankfurter Flughafen und landet Freitagfrüh um 5.05 Uhr wieder - so die Planung.

Veh noch auf Systemsuche

Das Vorstandsmitglied Hellmann ist damit betraut, dass die Frankfurter im 30.000 Zuschauer fassenden Tofiq Bahramov-Stadion - benannt nach dem legendären sowjetischen Linienrichter, der 1966 das Wembley-Tor von Geoffrey Hurst anerkannte - nicht ganz ohne Unterstützung sind.

Mit "700, 800 Fans" rechnet Hellmann vor Ort. Das Ausweichen nach Baku ist für den Gastgeber unvermeidbar, denn das von der Republik Bergkarabach verwaltete Agdam selbst gleicht wegen des nicht beigelegten Konflikts einer Geisterstadt.

Aber nicht deswegen fordert Veh, "auf der Hut" zu sein. Der Eintracht-Coach bewegt sich noch wie ein Suchender in dieser Saison. Gegen Hertha testete er in einem Spiel zwei verschiedene System (4-4-2 und 4-2-3-1), gegen die Bayern war es eine stürmerlose Variante, die in der Defensive mehr Halt gab.

Joselu nicht im Kader

Srdjan Lakic kam als nomineller Stürmer erst spät in die Partie, Neuzugang Joselu stand gar nicht im Kader.

Aber ohne echten Angreifer wird es schwer, in Baku und dann am Sonntag beim Bundesliga-Aufsteiger Braunschweig Tore zu erzielen. Vieles bei den Hessen wirkt noch schwergängig, nicht automatisiert.

Das schnelle Umschaltspiel, die flotten Ballpassagen aus der Vorsaison sind bislang nur selten zu besichtigen. "Und ich befürchte, dass die Mannschaft gegen Bayern viel Kraft gelassen hat", glaubt Vorstandschef Heribert Bruchhagen, "das war physisch und psychisch sehr anstrengend."

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