Mehmet Ekici (l., mit Eljero Elia) spielte in der Jugend für den FC Bayern München © getty

Bremen - Den emotionalen Höhepunkt erlebten die Fans von Werder Bremen schon vor dem Spiel.

40.112 Zuschauer bejubelten ein letztes Mal die Bremer Trainerikone Thomas Schaaf, obwohl dieser überhaupt nicht anwesend war.

Die Fans hissten eine Plakatimitation des unvergessenen Bildes aus dem Jahre 2004, als der frischgebackene Deutsche Meister in Bremen landete und Schaaf aus dem Flugzeugfenster heraus die Werder-Fahne hisste.

Spätestens bei diesem Teil der Abschieds-Choreographie flossen bei einigen Anhängern Tränen.

Dutt erwartet schwieriges Jahr

Weitaus sachlicher gab sich dagegen nach dem Spiel Schaafs Nachfolger.

Robin Dutt warf einen flüchtigen Blick auf die nackten Zahlen der Tabelle und sagte erleichtert: "Jetzt sind wir bis Ende September im Mittelfeld." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Zweites Spiel, zweiter Sieg, wieder kein Gegentor - für den 48-Jährigen alles keine Argumente für den Glauben an einen Stammplatz im ersten Tabellendrittel. "Ich bleibe dabei: Es wird ein schwieriges Jahr", sagte er.

Eichin sieht Luft nach oben

Zu schmeichelhaft war das 1:0 (1:0) gegen den FC Augsburg (Bericht), zu schwankend waren die Leistungen in Offensive und Defensive.

Schon den 1:0-Sieg vor Wochenfrist im Nord-Derby bei Eintracht Braunschweig durfte man glücklich nennen, gegen die Schwaben wäre durchaus auch eine Niederlage möglich und überhaupt nicht unverdient gewesen.

Sportdirektor Thomas Eichin, für den es der erste Heimsieg seit seinem Amtsantritt am 15. Februar war, kümmerte das nicht: "Es waren zwei Gegner, die wir schlagen mussten. Aber wir müssen uns weiter an bessere Leistungen heranarbeiten."

Ekici glaubt Durststrecke hinter sich

Eine beherzte Einzelaktion von Mehmet Ekici entschied eine Partie, in der sich die Gäste für ihre deutliche Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit nicht belohnten.

Der 23 Jahre alte Türke schloss einen Alleingang in der 23. Minute mit einem trockenen Flachschuss ab. "Vielleicht habe ich jetzt ja meine persönliche Durststrecke überwunden", sagte Ekici, der nicht nur verletzungsbedingt bei Schaaf kaum noch zum Zuge gekommen war.

Welches Leistungsniveau die Bremer derzeit tatsächlich haben, wird am Freitag deutlich werden.

Dann müssen die Grün-Weißen bei Vize-Meister Borussia Dortmund antreten, mit sechs Zählern im Rücken eine eher dankbare Aufgabe. Was Dutt so auf den Punkt brachte: "Ein Sieg dort hätte für uns Konsequenzen, aber nur positive."

Eindeutige Statistik

Dringender nötig hat am nächsten Spieltag der FCA, der auf den VfB Stuttgart trifft.

Woran es bei den Schwaben hapert, wurde in Bremen überdeutlich: Großes Manko ist die Chancenverwertung.

20:5 Torschüsse zugunsten Augsburgs zählten die Statistiker, dennoch setzte es im fünften Duell mit den Hanseaten erstmals eine Niederlage.

Augsburg Routinier Halil Altintop nahm die Niederlage dennoch gefasst: "Es war ein gutes Auswärtsspiel von uns, und wir waren die bessere Mannschaft. Wir nehmen aus Bremen keine Punkte mit, aber viele positive Dinge."

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