Schalke kassierte in zwei Ligaspielen schon sieben Gegentore © getty

Schalke liegt vor dem wichtigsten Spiel der noch jungen Saison am Boden. Fehler reihen sich aneinander und der Star ist verletzt.

Wolfsburg - Die Atmosphäre war frostig.

Daran änderte auch das gequälte Lächeln von Horst Heldt nur wenig. Der Manager von Schalke 04 zwang sich nach dem 0:4-Debakel beim VfL Wolfsburg (Bericht) zur Zurückhaltung. Mit lässig über der Schulter hängenden Anzugjacke verzichtete er auf eine öffentliche Kopfwäsche seiner desolaten Mannschaft.

Bloß keine Selbstzerfleischung vor den Millionenspielen gegen Jahrhunderttrainer Huub Stevens!

Sollten die Königsblauen allerdings auch das Play-off-Hinspiel der Champions League am Mittwoch gegen PAOK Saloniki in den Sand setzen, dürfte auf Schalke das Chaos regieren.

Heldt: Keine Panik

"Zwei Spiele, ein Punkt - natürlich ist der Start nicht zufriedenstellend", urteilte Heldt, von Panik sei er aber weit entfernt: "Wir werden jetzt nicht in Selbstmitleid baden, sondern versuchen, uns zu steigern. Und das werden wir auch hinbekommen."

Nach dieser Durchhalteparole entfuhr ihm dann doch noch, dass gegen keineswegs überragende Wolfsburger "kein Spieler sein Normalniveau erreicht" habe.

Das war so. Vom Wenigen zu viel, von vielem zu wenig.

Trainer Keller wirkte nach nun sieben Gegentoren aus den ersten beiden Partien fast schon ein wenig ratlos. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Keller angefressen

"Wir haben es klar angesprochen, wir haben es trainiert, wir haben darauf hingewiesen. Aber wenn der eine oder andere immer eine Sekunde pennt, wird es schwer, solche Dinger zu verteidigen", kritisierte der Coach und kündigte an, den Spielern zumindest intern die vielen katastrophalen Fehler gnadenlos vorhalten zu wollen:

"Ich werde das mit der Mannschaft am Sonntag aufarbeiten. Ich kann nicht einfach so darüber hinweggehen."

Doch neben dem schwachen Auftritt seiner Spieler, der vier Gegentreffer und dem total verpatzten Saisonstart musste Keller noch einen weiteren Tiefschlag verkraften.

Sorgen um Huntelaar

Top-Torjäger Klaas-Jan Huntelaar wird gegen Saloniki wohl nicht auflaufen können.

Der Niederländer, der sich neben Jermaine Jones und Torhüter Timo Hildebrand als einziger Schalker gegen die Niederlage gestemmt hatte, musste zur Pause wegen einer Innenbandverletzung im rechten Knie ausgewechselt werden.

Der Stürmer litt. Schmerzen am Gelenk, Schmerzen aber auch in der Seele. Und offene Worte, um den Frust zumindest ein wenig zu kanalisieren.

S04 mit Mentalitätsproblem?

"Wir müssen uns alle hinterfragen, was wir falsch machen", sagte der 30-Jährige und sprach offen ein Mentalitätsproblem im Team an: "Von der Qualität her sind wir nicht schlechter, aber es ist auch eine Frage der Qualität, wenn man in zwei Spielen nicht die Leistung bringt, die man bringen muss."

Dabei hatte Heldt vor dem Saisonstart betont, bei den Zugängen besonders auf die Mentalität geachtet zu haben.

Innenverteidiger Felipe Santana entpuppte sich jedoch bei seinem ersten Ligaspiel von Beginn an im königsblauen Trikot als Sicherheitsrisiko, auch Linksaußen Christian Clemens ließ sich von der Unsicherheit seiner Mitspieler anstecken.

Gustavo macht es vor

Da dürfte man am Samstag fast ein wenig neidisch auf die Wolfsburger geschaut haben.

Hier spielte der erst 24 Stunden zuvor für rund 20 Millionen Euro vom FC Bayern von Beginn an und sortierte das VfL-Mittelfeld, als habe er nie etwas anderes gemacht.

"Ich habe nicht viel geschlafen, aber ich war bereit. Wolfsburg ist ein Top-Verein", sagte Gustavo, nachdem er eine fast ungalubliche Quote von 98 Prozent gelungener Pässe hingelegt hatte.

Zudem sorgte der Brasilianer für Ruhe und Stabilität.

Also für das, was den Schalkern fehlte.

Huub nicht chancenlos

Bei Standardsituationen kam es immer wieder zu kollektivem Versagen - wie beim 0:1 durch Robin Knoche (55.). Aber auch sonst wirkte man unsortiert: 0:2 Vieirinha (61.), 0:3 Naldo (67.), 0:4 Bundesliga-Debütant Stefan Kutschke (90.+1).

Huub Stevens kennt diese Schwachstellen natürlich ganz genau.

"Auch wenn Huub durch und durch Schalker ist - er wird versuchen, uns sportlich zu schlagen", hatte Heldt kürzlich im "kicker" gesagt.

Ganz so schlecht scheinen die Chancen für den Wahl-Griechen nicht zu stehen.

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