Bruno Labbadia ist seit Dezember 2010 Trainer in Stuttgart © getty

Der Stuttgarter Fehlstart ist amtlich, der Trainer bei den Fans unten durch. Die Spieler appellieren dennoch an die Anhänger.

Stuttgart - Die Spieler wurden von den Fans des VfB Stuttgart trotz Heimpleite gefeiert, der Anhang honorierte den kämpferischen Einsatz der Mannschaft in der Schlussphase.

Nur Trainer Bruno Labbadia bekam nach dem 0:1 (0:1) gegen Bayer Leverkusen (Bericht) keinen Appplaus.

Er musste sich stattdessen "Bruno raus"-Rufe anhören.

Die Stimmung in der Schwabenmetropole ist schon nach dem ersten Bundesliga-Heimspiel offensichtlich gespalten, von der in der Vorbereitung verbreiteten Aufbruchstimmung ist nach der zweiten Niederlage im zweiten Spiel nichts mehr zu spüren.

Wutrede noch in Erinnerung

Vor allem Labbadia scheint nur noch wenig Kredit zu haben.

Der Coach hatte bereits in der vergangenen Spielzeit wiederholt den Unmut des ungeduldigen VfB-Publikums ertragen müssen und auch darauf letztlich mit einer Wutrede reagiert.

Sein Ausspruch "Die Trainer sind nicht die Mülleimer von allen Menschen" ist noch in bester Erinnerung.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Labbadia als Bremser

Schon vor der Saison war der 47-Jährige als Bremser hingestellt worden, weil er sich nicht ähnlich offensiv zu den Ambitionen der Stuttgarter geäußert hatte wie Bobic und der neue VfB-Präsident Bernd Wahler.

Die hatten eine Platzierung unter den ersten Sechs und damit die Qualifikation für den Europacup über die Liga als Ziel ausgegeben.

Labbadia selbst wollte gegen Leverkusen "viele gute Sachen" gesehen haben. "Wir haben einen hohen Aufwand betrieben, aber das Ergebnis ist natürlich schlecht", sagte er.

Appell an Anhänger

Christian Gentner richtete derweil einen Appell an die Fans. "Sie müssen jetzt etwas Geduld mitbringen und uns unterstützen", sagte der Mittelfeldspieler.

Auch Neuzugang Moritz Leitner forderte Zusammenhalt. "Es nützt nix zu sagen, es ist alles scheiße. Wir müssen uns da jetzt mit unseren geilen Fans herausarbeiten. Man sieht doch, dass wir fighten."

Sportvorstand Fredi Bobic macht indes klar: "Irgendwann musst du punkten. Du willst kein Lob hören, sondern Punkte holen."

Dünnes Nevernkostüm

In der Tat müssen in einer Woche in Augsburg und zuvor am Donnerstag im Hinspiel der Europa-League-Playoffs in Rijeka Ergebnisse kommen, soll der Druck auf Labbadia und die Mannschaft nicht weiter zunehmen.

Ulreich reagierte darauf aber gelassen. "In Stuttgart bist du immer unter Druck", sagte er.

Dass das Nervenkostüm beim VfB aber relativ dünn zu sein scheint, zeigte nach dem Schlusspfiff eine kurze Rangelei zwischen Cacau und Leverkusens Torwart Bernd Leno.

Gegen die Werkself stemmte sich der VfB erst in den letzten Minuten sichtbar gegen die Niederlage, zuvor blieben die Schwaben vieles schuldig. Es fehlten Torchancen, das Angriffsspiel war nicht druckvoll genug.

Völler und Kießling mahnen

Bayer stellte beim Lieblingsgegner einen zwölf Jahre alten Vereinsrekord ein.

Saisonübergreifend gewann Bayer zum siebten Mal in Serie.

Am Samstag reichte der Mannschaft von Trainer Sami Hyypiä eine durchwachsene Leistung. "Wir haben uns ein gutes Polster geschaffen", sagte Sportdirektor Rudi Völler, mahnte aber, den Auftritt in Stuttgart "richtig" zu beurteilen.

Auch Torjäger Stefan Kießling, der nach sieben Spielen in Folge mit mindestens einem Treffer diesmal leer ausging, sah sehr wohl die Defizite im Spiel des Champions-League-Teilnehmers. "Wir wissen, dass wir heute nicht unser bestes Spiel abgeliefert haben", sagte er bei "Sky".

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