Marcelo (l.) feierte in Gladbach sein Debüt für Hannover © getty

Nach der Pleite in Gladbach beklagt 96 das babylonische Sprachwirrwarr in der Abwehr. Die "Fohlen" feiern ihre Neuzugänge.

Mönchengladbach - Aus der Viererkette von Hannover 96 konnte aus verständlichen Gründen niemand zum Interview vor die TV-Kameras treten.

Denn wie Mittelfeldspieler Leon Andreasen nach dem deutlichen 0:3 (0:1) bei Borussia Mönchengladbach bei "sky" erklärte, "hatten wir heute eine Viererkette, in der niemand ein Wort Deutsch spricht".

Das rächte sich bei den Gegentoren der starken Gladbacher Neuzugänge Max Kruse (20.) und Christoph Kramer (53.) sowie beim Handelfmeter-Treffer von "Fohlen"-Kapitän Filip Daems (66.).

Die neu formierte Hannoveraner Defensivreihe mit dem Belgier Sebastien Pocognoli, dem brasilianischen Neuzugang Marcelo, dem Senegalesen Salif Sane und dem Japaner Hiroki Sakai wirkte mehr als einmal unsicher. Vor allem zwischen Marcelo und Sane, die erst einmal zusammen trainiert hatten, fehlte es an Abstimmung.

"Sane spricht Französisch, und was spricht er (Marcelo, d. Red.)?", fragte sich Andreasen. "Portugiesisch", klärte eine TV-Reporterin auf.

Kruse glänzt

Hinzu kam, dass die mit Sprach- und Verständigungsproblemen kämpfende Gäste-Defensive auf eine glänzend aufgelegte Gladbacher Offensive um Jung-Nationalspieler Kruse traf.

"Wir haben gegen die fußballerisch hervorragend ausgebildeten Gladbacher Offensiv-Spieler keine Mittel gefunden", räumte Hannovers Trainer Mirko Slmka ein: "Die haben uns ein bisschen durcheinandergewirbelt, das hat uns Schwierigkeiten bereitet."

Während die Niedersachsen nach dem 2:0 im Derby gegen Wolfsburg am ersten Bundesliga-Spieltag nun den ersten Dämpfer kassierten, verhinderte Gladbach mit dem ersten Saisonsieg einen kompletten Fehlstart (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Favre erleichtert

Nach dem Pokal-Aus beim Drittligisten Darmstadt 98 und der Niederlage bei Bayern München jubelte der fünfmalige deutsche Meister über einen laut Torschütze Christoph Kramer "super Tag".

Und ein zufriedener Trainer Lucien Favre meinte mit Erleichterung: "Es war wichtig, denn du bist sofort unter Druck, wenn du das erste Spiel verlierst."

Marcelo in der Startelf

Vor 46.089 Zuschauern im Borussia-Park hatten die Gastgeber von Beginn an die Spielkontrolle übernommen und kombinierten ansehnlich und schwungvoll im Mittelfeld.

Der lauffreudige Kruse ließ sich aus der Spitze immer wieder zurückfallen und hatte auch die erste Möglichkeit, wurde aber von Marcelo mit fairen Mitteln gestoppt.

Der brasilianische Innenverteidiger war erst in der vergangenen Woche von der PSV Eindhoven verpflichtet worden und stand sofort in der Startelf.

Gladbachs Coach Favre vertraute derweil der Formation, die zum Saisonstart in München verloren hatte (1:3).

Kruse trifft

Mit zunehmender Spieldauer wurde das Spiel der Borussia immer zwingender. Beim Führungstreffer legte Raffael den Ball mustergültig von der Torauslinie zurück, und Kruse hatte keine Mühe, sein erstes Tor für die Gladbacher zu erzielen.

Hannover agierte im Spielaufbau zu fehlerhaft und bekam daher kaum Sicherheit ins eigene Spiel.

So musste Torhüter Ron-Robert Zieler in der 29. Minute in höchster Not gegen Patrick Herrmann retten. Sechs Minuten später schoss U21-Nationalspieler Herrmann aus guter Position über das Tor der Gäste.

Ter Stegen rettet

Die Niedersachsen bekamen erst in der Schlussphase der ersten Halbzeit etwas mehr Zugriff auf die Begegnung.

Andreasen prüfte Marc-Andre ter Stegen aus 30 Metern, Sekunden später musste der Nationaltorhüter nach einer verunglückten Kopfballrückgabe von Martin Stranzl gegen Mame Diouf retten (beides 42.).

In der Nachspielzeit hatte Gladbach die Möglichkeit zum zweiten Treffer: Juan Arango scheiterte aber an Zieler, den Nachschuss setzte Raffael aus spitzem Winkel neben das Tor.

Daems unfehlbar

Nach dem Wechsel brachte Slomka in Artur Sobiech einen zweiten Stürmer. Doch Gladbach blieb die deutlich bessere Mannschaft.

Nach einem Lupfer von Christoph Kramer über Zieler rettete Salif Sané akrobatisch auf der Linie (51.). Doch zwei Minuten später stocherte der Mittelfeldspieler den Ball aus kurzer Distanz zum 2:0 über die Linie.

Nach einem Konter nahm Hiroki Sakai gegen Kruse die Hand zur Hilfe, Daems verwandelte den Elfmeter gewohnt sicher. Es war sein zwölfter Elfmeter-Treffer im zwölften Versuch.

Sorgen um Hoffmann

Hannover musste danach noch einen weiteren Rückschlag einstecken.

In der Schlussphase verletzte sich der eingewechselte Andre Hoffmann am Knie (Slomka: "Es sah nach einer schweren Bänderverletzung aus").

Da die Niedersachsen bereits dreimal gewechselt hatten, mussten sie das Spiel mit zehn Mann beenden.

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